Liebe Anna,
Du wolltest doch schon damals die Welt verbessern, ließt Dich von Musiktexten, Gedichten, den alten Denkern leiten. Ich weiß, dass Du etwas Bedeutendes erschaffen haben wirst, bis ich dazu komme, diesen Brief an Dich fertig zu stellen. Weißt Du eigentlich, warum Deine Geschichten immer wieder mal auf Ablehnung stießen? Deine Art zu denken, kleine Anna, ist nicht jedermanns Sache, trotzdem, ich hoffe, Du bist Deinem Stil treu geblieben. In Deinem Glauben daran, dass wahre Liebe sogar den Tod überwindet, Geister im Hier und Jetzt verwoben bleiben, um nie Erreichtes zu Ende führen zu können…. Ich muss Dir ehrlich sagen, Du schriebst manch horrorhafte Szenen so nieder, als bestünden sie aus purer Nostalgie, vielleicht war ja es ja das, was manch andere Leser nicht zu begreifen wussten. Du drücktest Dich immer so aus, als hätten diese Wesen wirklich existiert und Du weißt, mein junges Ich, das ich Dich schon damals mit der Kindlichen Kaiserin in ihrem Elfenbeinturm verglich. Kannst Du Dich noch an Deinen alten Ethik-Professor erinnern? Wie er Dich mit schelmisch blitzenden Augen musterte und leise, fast ehrfurchtsvoll fragte: „Wie machen Sie das, Sie sehen aus, als wären Sie noch ein Teenager, doch sprechen Sie, als seien Sie 20 Jahre älter als ich.“ Die Sache mit der alten Seele, ich wünsche mir von Herzen, dass Du fühlst, was ich heute fühle. Vielleicht verstehen Deine Leser ja besser, was Du meinst, wenn Du ihnen vor Beginn einer Geschichte erzählst, warum Du denkst, was Du denkst und wie gerade diese Gedanken dorthin gelangen konnten. Du kannst etwas, kleine Anna, wirf das nicht weg.
In Liebe, Deine alte Seele

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