Konzentriert starre ich auf die Fahrstuhltür. Warum geht das denn nicht schneller? Sein Blick brennt sich in meine Haut und lässt sie sich anfühlen wie schmelzendes Wachs. Ich hätte die Treppe nehmen sollen, aber wenn ich jetzt gehe, wird er das sicher auf sich beziehen. Noch immer sieht er mich unentwegt an und noch immer richte ich den Blick fest auf die Türen, die ich im Stillen anflehe, sie mögen endlich auf gehen.
„Kann ich dir helfen?“, rutscht es mir irgendwann heraus. „Was guckst du so?“
Er antwortet nicht, dafür stiehlt sich ein leises Grinsen auf sein Gesicht. Ich kann nicht verhindern, dass ich wütend werde.
Endlich kommt der Fahrstuhl. Mit einem lauten und ziemlich unmelodischen Pling gleiten die Türen auseinander. Ohne mich noch einmal umzusehen, betrete ich die Kabine und lehne mich dann mit verschränkten Armen an den Spiegel.
„Dreizehn?“, fragt er höflich. Ich nicke. Was er kann, kann ich auch. Er drückt den richtigen Knopf und stellt sich dann neben mich.
„Was soll das werden?“ Mit hochgezogenen Augenbrauen deute ich auf den kaum vorhandenen Abstand zwischen uns. Wir kennen einander doch gar nicht. Ist es nicht ziemlich dreist, sich einfach so dicht neben mich zu stellen?
Plötzlich gibt es einen lauten Knall und die Kabine fällt nach unten. Das Licht geht aus und die Bremsen greifen mit lautem Quietschen. Mit einem Ruck halten wir an. Flackernd geht die Lampe über unseren Köpfen an, die wahrscheinlich vom Notstrom in Gang gesetzt wurde.
„Angst?“, fragt er und legt mir einen Arm um den Körper. „Keine Sorge, ich beschütze dich.“
„Lass das!“ Unwirsch mache ich mich von ihm los. „Rück mir nicht so dicht auf die Pelle! Ich kenne dich überhaupt nicht.“
Er sieht mich an und wieder huscht ein Lächeln über sein Gesicht. „Das wirst du noch. Vielleicht sogar früher als dir lieb ist.“

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