Die Fahrstuhltür öffnete sich leise und ich betrat die Fahrstuhlkammer. Ich hörte, wie eine zweite Person einstieg, bevor ich mich umdrehte. Ich war überrascht, als ich ein bekanntes Gesicht erblickte. Noch bevor ich etwas sagen konnte, grinste sie mich an, ihre Augen jedoch waren finster.
„Tag, Veleda“, grüßte sie schnell, ehe sie auf einen Knopf drückte. Ich nickte, da ich auf dieselbe Etage musste. „Guten Tag, Lilith. Ich wusste nicht, dass du auch hier arbeitest“, antwortete ich. Sie musterte mich einen Moment lang und ich merkte, wie sich der Fahrstuhl in Bewegung setzt. „Erst seit kurzem“, antwortete sie knapp
Plötzlich wurde der Fahrstuhl heftig durchgerüttelt. Er sackte ein bisschen nach unten und das spärliche Licht flackerte auf unsere erschrockenen Gesichter. Es war totenstill, was die ganze Situation angsteinflößender machte. Mein ganzer Körper verkrampfte sich und ich geriet in Panik. Klasse. Da habe ich einmal nicht meine Fähigkeiten benutzt, schon geriet ich in Schwierigkeiten. Lilith schien genauso schockiert wie ich, beruhigte sich aber schnell, dann drehte sie sich zur Schaltfläche des Fahrstuhls um und drückte der Reihe nach alle Knöpfe durch.
Währenddessen versuchte ich, tief Luft zu nehmen und mich zu lockern. Mein Herz raste und pochte so stark, dass ich dachte, es würde platzen. In diesem angespannten Zustand konnte ich es vergessen, in die Zukunft zu blicken. Einatmen, ausatmen. Einatmen, ausatmen, was war überhaupt los mit mir? So angespannt war ich noch nie gewesen!
„Mist“, zischte Lilith scharf. „Keiner funktioniert.“ Sie warf einen kurzen Blick auf mich und zog die Augenbrauen hoch. Ihr Ausdruck war merkwürdig leer, als sie fragte: „Woah, bist du okay?“
Ich konnte nicht reden, also nickte ich ihr zu und sie wandte sich wieder ab. Ich sah, wie sie den großen Alarmknopf drückte und ein paar Sekunden später drang eine Stimme in die Kabine. Ich konzentrierte mich weiter auf meine Atmung und spürte, wie ich nach und nach die Kontrolle über meinen kompletten Körper wiedererlangte. Endlich! Ich versuchte, in Liliths Fluss der Zeit zu blicken… Aber zu meiner Verwunderung sah ich nur Dunkelheit. War ich noch nicht ruhig genug? Oder lag es an etwas anderem?
„Hmpf. Die sollen sich mal beeilen“, brummte Lilith und riss mich aus meinen Gedanken. Sie warf mir einen genervten Blick über die Schulter zu. Ich blickte zur Seite und verschränkte die Arme.
„Heh. Glaubst du, dass der Aufzug abstürzen könnte?“, fragte die Frau und warf mir ein spöttisches Lächeln zu. Ich blickte sie wortlos an.
„Ach komm schon. Du weißt, dass ich nur scherze“, fügte sie hinzu. Ihr Grinsen bereitete mir Unbehagen, auch wenn ich nicht ganz wusste, warum. War sie schon immer so gewesen?
„Also, erzähl mal. Wie kommt es dazu, dass du ausgerechnet hier arbeiten willst?“ Dieses Mal klang sie ernster. „Es fühlt sich nicht richtig an, nur bei meinem Bruder zu sitzen und nichts zu tun“, erklärte ich. „Oh, stimmt. Nach dem „Vorfall“ bist du bei deinem Bruder eingezogen.“ Sie schwieg einen Moment lang. „Huh, ich dachte, du wärst inzwischen ausgezogen oder so“
Musste sie sich da gerade ein Lächeln unterdrücken? Diese ganze Situation wurde mir zunehmend unangenehm.
Plötzlich ging die Tür auf, und davor standen zwei Personen. „Aha. Endlich. Also dann Veleda, wir sehen uns.“ Der letzte Teil klang ziemlich beunruhigend, und so schnell wie sie ihn gesagt hatte, so schnell verschwand sie aus dem Fahrstuhl. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich vorsichtig sein sollte.

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