„Oh Gott!“, kreischte das Mädchen neben mir mit dieser typischen Zickenstimme. Sie umklammerte ihre teure Handtasche so fest, dass sich ihre Handknöchel bereits weiß färbten. Auch mein Herz schlug schneller, aber ich machte nicht so einen Aufstand, sondern versuchte mich zu beruhigen.
Ich atmete tief ein und aus, dann meinte ich lächelnd:“Das wird bestimmt wieder. Garantiert fährt er gleich weiter, mach dir keine Sorgen.“
Sie warf mir einen tödlichen Blick zu und giftete:“Ich muss jetzt zu einem sehr wichtigen Bewertungsgespräch! Wenn ich zu spät komme, dann wird meine gesamte Modekarriere den Bach hinuntergehen!“
Ich sah bereits Tränen in ihren von getuschten Wimpern umrahmten Augen glänzen und unterdrückte ein genervtes Stöhnen. Was dachte die denn, wo ich hin musste? Okay, zugegebenermaßen nahm ich das hier kein bisschen ernst und hatte mich nur beworben, weil Simon es wollte.
Ich hob meinen Blick wieder und beobachtete das panische Mädchen, das nun auf allen möglichen Knöpfen herumdrückte. Ich verkniff mir ein Lachen und trat einen Schritt auf sie zu.
Schlechte Idee.
„Lass mich gefälligst in Ruhe! Ich bekomme das auch selbst hin!“, keifte sie und sah mich an, als wollte sie mich mit ihren Haarspangen erdolchen. Gott, ich hatte diese Sorte von Mädchen schon immer gehasst.
„Ich wollte dich nur darauf hinweisen, dass es wahrscheinlich nichts bringt, den Knopf, der uns wieder runter ins Erdgeschoss befördert, zu drücken.“
Doch sie ignorierte meinen Tipp einfach und presste ihre manikürten Finger weiterhin auf denselben Knopf. Ich schüttelte den Kopf und ging rüber zur Sprechanlage, die ich wegen des flackernden Lichts nur schlecht erkennen konnte.
Ich betätigte sie und nach einigem Knacken erklang eine tiefe Stimme aus der Anlage.
„Was kann ich für Sie tun? Gibt es ein Problem?“
Gerade, als ich dem Kerl unser Problem erklären wollte, rief meine nette Aufzugfreundin:“Ich stecke im Aufzug fest! Holen Sie mich sofort hier raus, oder Sie werden Probleme mit meinem Bruder bekommen! Er ist ein sehr guter Anwalt, der sie für den schlechten Aufzug verklagen könnte. Außerdem muss ich jetzt zu einem sehr wichtigen Gespräch, und ich lasse nicht zu, dass ein dummer Aufzug es mir ruiniert!“
Kurz war nichts am anderen Ende der Leitung zu hören, dann fragte der Mann:“In welchem Stock sind Sie denn, meine liebe Dame? Und sind Sie allein?“
Nun schaltete auch ich mich ins Gespräch, da ich befürchtete, Barbie könnte mit ihrer Hysterie dafür sorgen, dass er die Verbindung unterbrach und wir hier drin verreckten.
„Wir sind zu zweit und befinden uns zwischen dem dritten und dem vierten Stock. Der Aufzug ist plötzlich stehen geblieben und nun flackert auch das Licht“, erläuterte ich und hoffte, dass man mir meine Genervtheit nicht aus der Stimme hören konnte.
„Natürlich werden wir Sie beide da raus holen, ich verständige sofort meinen Kollegen. Innerhalb der nächsten paar Minuten sollten der Aufzug wieder funktionieren, meine lieben Damen.“
Ich bedankte mich höflich, doch das ging unter dem gezickten „Aber beeilen Sie sich!“ der ‚lieben Dame‘ mir gegenüber unter.
Mit der Einstellung würde sie heute garantiert keinen Job bekommen.
Doch der Kerl hielt sein Wort, und kurze Zeit später setzte sich der Aufzug wieder in Bewegung.
Ich seufzte erleichtert auf und stellte mir grinsend vor, wie Wanda heute Abend lachen würde, wenn ich ihr von meiner interessanten Begegnung mit Barbie erzählen würde.

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