„Das geht schnell vorbei.“, stellt Mike beschwichtigend fest.

„Passiert das öfters?“, frage ich verunsichert.

„Ist mir schon zweimal passiert.“, gibt er lapidar zu.

„Wir sind doch noch nicht so lange in dem Gebäude.“

Jetzt sage ich auch schon ‚wir‘. Dabei war ich noch nie dort. Mike hat die Maschinen ohne mich einräumen lassen. Ich habe ihm lediglich gesagt, wo das Bett stehen soll und dabei geholfen, die Farbe der Vorhänge auszusuchen.

„Die reparieren das bestimmt bald.“, erwidert Mike jetzt fast gereizt.

Ich frage nicht weiter.
Also ist doch das Geld der Grund, weswegen wir hier sind. Und nicht, wie Mike es mir vorgeschwärmt hat, die herrlich zentrale Lage.
Er hätte nie eine Wohnung in einem Gebäude mit einem defekten Aufzug gewählt, wenn er etwas anderes hätte haben können.

„Wie läuft das jetzt ab?“, will ich wissen.

Ich sinke in der einen Ecke auf den Boden. Mike lehnt an der Wand, als dürfe er jetzt erst recht keine Schwäche zeigen. Als wäre das ein eigener verdammter Aufzug, der er vor meiner Kritik in Schutz nehmen muss.

„Wir drücken jetzt diesen Knopf. Dann dauert es nur noch fünf Minuten und der Hausmeister kommt.“

„Wir sind doch zwischen den Stockwerken?“

„Das täuscht. Wir sind etwa einen Meter unter der eigentlichen Tür. Wenn der Hausmeister die aufbricht, dann müssen wir uns nur ein bisschen hochstemmen und kommen raus.“

Ich merke eine unterdrückte Wut hinter der scheinbaren Gelassenheit.
Das ist nicht der Mike, wie ich ihn aus der Universität kenne. Dieser hätte sich bei der Zentrale beschwert und die nächsten Mittagessen über nichts anderes fluchen können, als über die Inkompetenz der Verwaltung.

Der jetzige Mike ist still und zittert innerlich vor Ärger.
Weil er keine Wahl hat.

Ich lege den Kopf zwischen die Knie und schließe die Augen. Der Raum dehnt sich aus. Ich bin nicht im Aufzug, ich bin mitten im Universum, in der Nachtschärze. Sterne ziehen an mir vorbei.

„Versuchst du’s wieder?“, fragt Mike kalt.

Meine Augen blinzeln, ohne dass ich es will.

„Versuchst du, dich rauszuträumen?“, fragt Mike herrisch.

Ich hebe den Kopf wieder und starre auf das gewellte Metal der mir gegenüberliegenden Aufzugsseite.

„Da ist er schon.“, murmelt Mike, als es draußen am Metal kratzt.

Erschütterungen laufen durch die Kabine, dann stemmt sich ein Metallstab zwischen die Aufzugtüren und drückt sie auseinander.

„Sie sind mittlerweile ganz schön routiniert.“, entgegnet Mike dem Schwarzen im Blaumann, der über uns kniet und dessen Gesichtszüge im Gegenlicht des Flurlichts kaum erkennbar sind.
Das Gift in der Stimme ist schwer zu überhören.

Der Mann zuckt mit den Schultern. Ich werfe ihm ein Lächeln zu, das eine Art stellvertretende Dankbarkeit für Mike darstellen soll.

Mike klettert vor mir nach draußen. Ich folge nach und schaffe es kaum, ihn einzuholen, weil die Wut seine Geschwindigkeit verdoppelt.

Pin It on Pinterest

Share This