„Scheiße“, ruft Pascal. „Was jetzt?“ Er wird kreidebleich und alles um ihn herum beginnt sich zu drehen. Sich den Kopf haltend sinkt er in die Knie.
„Cool bleiben“, sagt sein Gegenüber. „Kein Grund, jetzt den Kopf zu verlieren.“ Er drückt den Notknopf und wartet, bis sich eine verzerrte Stimme meldet. „Wir sind im Aufzug stecken geblieben“, sagt er. „Können Sie uns bitte jemanden schicken, der uns herausholt?“
Pascal kauert derweil auf dem Boden und unterdrückt ein Schluchzen. Sein Herz hämmert ihm wild gegen den Brustkorb und seine Haare kleben ihm schweißnass im Nacken. Sein Gegenüber lässt sich neben ihm nieder und begutachtet ihn schweigend. Dann sagt er: „Du hast Angst.“
„Ach, auch schon gemerkt?“, sagt Pascal, etwas zu laut als nötig.
„Klaustrophobie, was?“ Sein Gegenüber kichert. „Ihr Menschen seid so jämmerlich.“
„Ihr Menschen? Was soll das heißen? Sie sind doch selbst ein…“
„Mensch? Ich?“, er lacht laut auf. „Wenn du dich da mal nicht täuschst, mein Lieber. Der Schein trügt deine trüben Augen.“
„Ich habe keine trüben Augen. Ich sehe klar und deutlich, dass Sie ein Mensch sind.“
„Lassen wir das, ich habe keine Lust, mit einem Dummen darüber zu diskutieren.“ Sein Gegenüber schaut genervt in die andere Richtung.
„Haben sie mich eben dumm genannt?“, japst Pascal ungläubig. Er kann nicht fassen, was dieser Widerling da eben von sich gibt.
„Eine nüchterne Feststellung, ja.“
„Das lass ich mir nicht bieten. Nicht von so einem arroganten…“, beginnt Pascal aufgebracht.
„Hüte deine Zunge, Menschlein. Alles was du jetzt sagst, wird irgendwann gegen dich verwendet werden. Merke dir das!“ Pascal verschlägt es die Sprache. Er weiß nicht mehr, was er dazu sagen soll. Ihm fällt absolut nichts Gescheites mehr ein und plötzlich fühlt er sich wirklich wahnsinnig dumm.
„Wer sind Sie überhaupt? Ich habe Sie hier noch nie gesehen. Arbeiten sie schon lange für BAUMEISTER?“
„Ich wurde erst vor kurzem hier eingestellt. Das haben Sie richtig beobachtet, Pascal.“
„Woher kennen Sie meinen Namen?“ Pascal fällt fast vom Glauben ab. Woher weiß dieser Wildfremde, wie er heißt?
„Ich kenne jeden Namen.“
„Wer zum Teufel sind Sie?“
„Sie sagen es.“
„Was?“
„Der Teufel. Man nennt mich in Menschenkreisen den Teufel. Ich bevorzuge meinen richtigen Namen Luzifer, aber nennen Sie mich wie Sie wollen. Es kommt aufs Gleiche raus.“
„Wie? Sie sind der Teufel?!“
„War das nicht klar genug? Ich bin die Inkarnation des Bösen. Und sie stecken mit mir im Fahrstuhl fest. Also halten Sie besser den Mund, bevor ich mir noch etwas echt Gemeines einfallen lasse.“
„Wovon reden Sie, verdammt?“
„Ich könnte den Fahrstuhl noch ein Stückchen runtersacken lassen.“
„Das würden Sie nicht wagen!“
„Wetten?“
„Sie sitzen doch selbst hier drin. Das würden sie nicht…. VERDAMMT!!!“ In diesem Moment sackt der Fahstuhl etwa einen Meter nach unten ehe er wieder quietschend abbremst. Pascal rinnt der Schweiß übers Gesicht. Seine Augen sind vor Angst weit aufgerissen. „Machen Sie das nicht nochmal! Sonst…“
„Sonst was? Wollen Sie mir etwa drohen?“ Ein hysterisches Lachen ertönt und bringt den ganzen Fahrstuhl zum Vibrieren. Der Teufel hält sich den Bauch und lacht Tränen.
„Hören Sie auf zu lachen! Das ist nicht witzig!“
„Sie sind ein Komiker, Pascal. Sie glauben ernsthaft, dass Sie MIR drohen können …“

Ein lautes Scheppern ertönt. Dann wird die Fahrstuhltür von außen aufgeschoben und der Hausmeister streckt den Kopf von oben durch einen Spalt.
„Bleiben Sie ganz ruhig“, sagt er. „Wir holen Sie raus!“

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