‚Nein!‘ Ich klammerte mich an das Geländer des Fahrstuhls. ‚Nein, nein, nein, nein, nein!‘ Immer wieder wiederholte ich dieses Wort in Gedanken, denn es war alles, was mir in diesem Moment einfiel. Alles, was mich beherrschte, war die Angst. Nicht nur, dass der Fahrstuhl plötzlich stecken geblieben war… er war verdammt weit oben, viel zu weit oben. Ich keuchte auf, als ich durch die gläserne Bodenplatte und auf eine unendlich weit entfernt scheinende Betonmasse starrte.
Warum hatte ich dieses verdammte Teil überhaupt betreten? Doch nur, weil Zard mir gesagt hatte, ich müsse endlich eine Aufgabe in dieser Gesellschaft übernehmen. Und aus einem mir mittlerweile unerklärlichen Grund hatte ich mich für die Aufspürer entschieden. Ich hatte nicht geahnt, dass die so weit oben waren. Warum überhaupt? Was suchten diese Leute in diesem monumental anmutenden Glasgebäude?
Ich würde auf diese Frage vermutlich so schnell keine Antwort bekommen. Stattdessen saß ich hier fest. Ich konnte meinen Blick einfach nicht von der grauen Masse unter mir abwenden, aber ein dunkles Paar Stiefel zwang mich dazu aufzusehen. Ich sah an ihnen hoch, streifte die grüne Uniform, über welcher der Mann vor mir eine schwarze Jacke mit einer sehr weiten Kapuze trug. Und unter eben dieser lag sein Gesicht im Schatten.
„Alles in Ordnung?“, fragte er einfühlsam.
Ich erinnere mich, dass wir zusammen dieses Monstrum aus Glas betreten hatten. Ich war zu tief in meinen Gedanken gewesen um ihn wirklich wahrzunehmen. Dennoch gab ich mir jetzt einen Ruck und nickte zittrig.
„Du siehst wie ein verängstigtes Häschen aus, das man in die Enge getrieben hat.“ Seine Stimme war weich und warm, aber seine Worte jagten mir unwillkürlich einen Schauer über den Rücken. Es irritierte mich, dass ich sein Gesicht nicht richtig erkennen konnte.
„Alles in Ordnung“, versuchte ich es, doch meine eigene Stimme verriet die Angst.
Er lachte. Kurz. Freundlich. Dann streichelten seine Hände plötzlich an meinen Armen empor. Auf einmal war die Angst weg. An ihrer Stelle trat eine angenehme Wärme. Ein Gefühl, unglaublich stark, zog mich dichter zu diesem Mann. Ich ließ mich an ihn sinken und genoss das Nichts, das er mir schenkte.
Wie durch einen Schleier drangen seine Worte zu mir.
„Du wirst jetzt tapfer sein, Ayris. Du wirst durch die Sicherheitsluke über uns steigen und zum nächsten Stockwerk klettern. Dort wirst du den Techniker informieren.“ Er strich mir kurz übers Haar. „Du bist doch gut im Klettern, Ayris, richtig?!“
Woher…?
Mein Kopf schien vom Nebel seiner Berührung völlig umwölkt. Aber allein die Tatsache, dass er meine Fähigkeiten und meinen Namen erwähnte, machten mich stutzig. Plötzlich war seine Nähe nicht mehr angenehm, sondern auf eine merkwürdige Art bedrohlich.
Mein Körper versteifte sich und ich sah ruckartig auf. Zwei dunkle… schwarze Augen blickten mir kalt entgegen.
Im selben Augenblick ruckte es und der Fahrstuhl setzte sich wieder in Bewegung.
Der Mann vor mir trat zurück. Ich konnte nicht anders als ihn anzustarren. Die Angst war wieder da, aber dieses Mal bezog sie sich nicht auf die Höhe, sondern auf diesen Kerl.
Wieder stoppte der Aufzug, diesmal mit einem leisen ‚Pling‘. Der Mund des Mannes verzog sich zu einem spöttischen Grinsen, als er an mir vorbei ging.
„Ich hatte gehofft, du würdest stürzen.“

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