Eine kleine Zunge Land, dann Hochhäuser, glatt und spiegelnd, ein feuchter Himmel darüber. Zwischen zwei Flüssen wächst die Stadt, als hätte niemand sie gebaut, als wäre es das natürlichste der Welt, dass eine Stadt einfach so da sein kann wie ein Wald oder ein Gebirge.

Alles scheint so klein auf diesem Foto. Die Schiffe sehen aus wie Schwäne. Die Hochhäuser scheinen nicht höher zu sein als Bäume.

Da irgendwo bin also ich. In einem dieser Hochhäuser, abseits des Flusses. Die rechte von diesen gelb überspannten Brücken ist diejenige, über die mein Bus jeden Tag fährt.

Dieses Foto enthält alles, was mein Leben ausmacht. Vielleicht auch mich und Mike. Wenn es zur richtigen Zeit aufgenommen ist, dann sind auch ich und Mike auf diesem Bild. Zusammen in einem dieser Hochhäuser, in einem winzigen Raum. Auf diesem Foto sieht man die Fenster der Hochhäuser nicht, so klein sind sie. Mike und ich sind nur als kleine Punkte sichtbar. Wir sind in der dritten Dimension, hinter den Punkten, da, wo die Fotografie nicht hin kommt.
Aber trotzdem glaube ich, dass das Foto uns beide in gewisser Weise enthält. Und solange es mich enthält, enthält es auch meine Gedanken, meine Gefühle, mein Leben. Dieses Foto hält auf eine denkbar kleine Art die Erinnerung an mich wach.

Und es bricht mir jedes Mal fast das Herz, wenn ich es sehe. Kleine, liebe Stadt, will ich dann sagen, wenn ich sie so winzig und zart von außen sehe.

Aber meistens sehe ich sie von innen, bin umzingelt von den riesigen Häusern, spüre die Kälte ihrer Schatten.
Einmal am Tag werde ich von einem dieser Häuser gefressen. Von dem einen, zu dem ich eigentlich mehr Zuneigung fassen sollte, weil es doch das Haus ist, in dem ich schon so viele Stunden meines Lebens geschlafen habe.

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