Alex Bewunderte die Galerie. Er hatte seine erste überstandene Woche des Jobs feiern, aber gleichzeitig etwas Ruhe haben wollen. Deshalb hatte Keith schließlich, wenn auch etwas widerwillig, von seinen Plänen einer großen Feier abgesehen und ihn mit in die neu eröffnete Galerie geschleift.
„Was machen wir hier?“, fragte Alex, normalerweise führte sein bester Freund immer noch etwas im Schilde. Aber er zuckte nur mit den Schultern.
„Es ist eine neu eröffnete Galerie, welche neue Künstler ausstellt, alte Gemälde restauriert und auch verkauft. Es ist ruhig hier, aber nicht langweilig, also dachte ich dir würde es gefallen.“
„O-kay.“, meinte Alex und schaute sich nun um. Die Wände waren weiß und das Gebäude schlicht gestaltet, riesige Leinwände schmückten den ersten Raum aus. „Sonst noch etwas?“
„Ich habe investiert und den Aufbau unterstützt und wollte einmal herausfinden wie es läuft.“
Halb umgedreht, schlenderte Keith durch den Raum und beschaute die Galerie und die Bilder mit prüfendem Blick. Für einen Zuschauer hätte er wahrscheinlich flüchtig und gelangweilt gewirkt, aber Alex kannte ihn gut genug um zu wissen dass er alles genauestens inspizierte.
Seufzend verdrehte er die Augen und begann, sich ebenfalls den Bildern zu widmen.
Die Bilder im ersten Raum waren nicht nach seinem Geschmack. Sie zeigten abstrakte Kunst, es waren sogar ein Rothko und ein Hearing darunter.
„Ich habe noch nie verstanden warum Leute Unmengen an Geld für Vierecke und Strichmännchen ausgeben.“, murmelte er.
Keith, der ihn offensichtlich gehört hatte. Wandte sich ihm erneut zu, während sie weitergingen. „Nun, um ehrlich zu sein ist Rothkos Malart wirklich interessant, wenn man sich einmal näher mit ihr befasst..“, er schien Alex´s Desinteresse zu spüren und fasste den Rest des Satzes kurz. „.. bis zu seinen späteren Arbeiten, die vollständig schwarze Leinwände darstellen, hat er transparente Farbe über der Grundfarbe angebracht und… egal… Und die Strichmännchen waren damals der Gag, weil niemand davor je auf die Idee kam für solchen Unfug Geld zu Verlangen, denke ich. Die Leute waren begeistert!“
Alex hatte nur mit halbem Ohr zugehört. Ein langer Gang schloss sich an das erste Zimmer an, gefüllt mit kleineren Skulpturen und kleineren Bildern, reichend von der Renaissance bis zu Portraitzeichnungen von Picasso. Kopfschüttelnd bahnte sich Alex seinen Weg voran. Wie hatten Keith und die anderen der Galerie es geschafft, an diese Bilder zu kommen?
Der Gang bog um eine Ecke, an der er ruckartig stehen blieb. Es war ein einfaches, simples Bild, welches vor ihm hing, das ihn wie auf magische Weise anzog. Er wusste nicht wieso. Vielleicht lag es an den satten Grüntönen, oder einfach nur daran, dass es das einzige Bild in dem kleinen Zimmer war. Aber er konnte den Blick nicht von dem Werk abwenden. Ein merkwürdiges Gefühl überkam ihn, als würde er es erkennen. Hatte er dieses Bild schon einmal gesehen, oder woran erinnerte es ihn? „Weg im Wald, von Vincent Van Gogh“
Natürlich. Aber da war noch etwas anderes.
„Na, woran erinnert dich das?“ fragte Keith über seine Schulter hinweg und ließ ihn zusammenschrecken.
„An einen der Familienausflüge in meiner Kindheit. Ich war bei meinen Großeltern und wir sind in den Wald gegangen um Beeren zu sammeln.“, begann Alex zu erzählen, ein nostalgisches Lächeln stahl sich auf seine Lippen. „Ich weiß noch, dass sie Angst hatten, ich würde zu weit weglaufen. Sie haben mir erzählt dass es böse Monster dort gäbe die mich schnappen würden wenn es dunkel wurde. Sie erzählten mir Gruselgeschichten von einem, welches Kinder, die er alleine und außer Sicht der Eltern auffindet, mitnimmt und sie dann auskitzelt und sie nur Gesundes zu essen kriegen… Als ich dann irgendwann erkannte, dass alles nur gelogen war, war ich ziemlich wütend.“ Alex kicherte. Keith Miene hatte sich bei dem Wort Monster für einen Augenblick verdunkelt, aber nun lächelte auch er wieder.
„Wir haben immer Blaubeeren gesucht, aber keine gefunden und uns deshalb welche aus der Gefriertruhe im Supermarkt geholt. Aber die Spaziergänge waren immer toll.“
„Also gefällt es dir?“ fragte Keith und nickte zum dem Bild.
„Ja.“, kam die einfache Antwort.
„Gut.“ grinste Keith und Alex ahnte, dass es noch einen Grund gegeben hatte, weshalb Keith ihn hierher schleppte. Nicht dass er es nicht gemocht hatte. „Weil das nämlich dein Geburtstagsgeschenk ist.“
Mit aufgeklapptem Mund starrte Alex erst auf das Bild, und dann zu seinem besten Freund. Dann fasste er sich wieder und nickte nur anerkennend.
„Woher wusstest du eigentlich, dass es mich an etwas erinnern würde?“
„Im ernst? Es ist ein Wald. Den Menschen der noch nie einen Baum sah musst du mir erst einmal zeigen! Natürlich gibt es da irgendwelche Erinnerungen.“

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