Ich wanderte den Flur hinunter, während meine Eltern wieder mal eines ihrer oberflächlichen Höflichkeitsgesprächen mit irgendwelchen Bekannten führten, die auch zu dieser Veranstaltung eingeladen waren. Die Gastgeber kannte ich nur flüchtig, sie waren etwas tiefer gestellt als wir und wir hatten eigentlich nicht viel mit ihrer Familie zu tun, aber unseres Standes wegen mussten wir ja praktisch zu allem eingeladen werden, alles andere wäre respektlos und unhöflich.
Allerdings hatte ich immer noch nicht ganz verstanden, wozu das alles gut sein sollte. Sie unterhielten sich ja nicht mal über wichtige Dinge, es war alles nur, um einen guten Eindruck zu hinterlassen, Präsenz und seine Stellung zu zeigen. Es war so langweilig. Und im Endeffekt endeten die meisten dieser Veranstaltungen sowieso damit, dass meine Eltern sauer auf mich waren, weshalb ich es noch weniger verstand, dass sie mich mitnahmen.
Da zog eines der Bilder meine Aufmerksamkeit auf sich. Es war anders als die, die wir zu Hause hatten. Es schien zwar auch eine Art Landschaftsgemälde, aber es war bunt und nicht so detailreich, eher grobe Pinselstriche und Tupfer. In der rechten Ecke waren zwei Boote zu sehen, die obere Hälfte bestand fast vollständig aus Himmel, der nur von einem dünnen Streifen Landschaft mit Bergen und dem Hafen vom Wasser getrennt wurde. Etwas links von der Mitte war ein Leuchtturm zu sehen.
Ich konnte nicht genau sagen, was mich so sehr daran faszinierte. Vielleicht waren es die kräftigen, bunten Farben, die alles ein wenig unwirklich und fast wie im Traum wirken ließen, aber irgendwas an dem Bild berührte mich. Das Meer hatte ich noch nie in Wirklichkeit gesehen, denn obgleich wir genug Geld hätten, fuhren wir nie in den Urlaub. Seit meiner Geburt hatte ich diese Stadt nur einige, wenige Male verlassen, und das Land noch nie. Wir blieben immer in der Nähe von zu Hause.
Wie schön es doch wäre, wenn ich einfach in dieses Bild eintauchen, in ich verschwinden könnte. Von der Spitze des Leuchtturms aus das Wasser beobachten, den Wind in meinem Gesicht und dem Haar spüren, den fremden Geruch der See einatmen, um dann mit einem der Boote hinüber zu dem unbekannten Land, das von der Sonne beschienen wurde und geradezu nach mir zu rufen schien, fahren. Irgendwo hin, wo mich niemand kannte, mich niemand verurteilte und ständig irgendwelche Erwartungen hatte.

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