Tag 11 – Storytelling Adventure Month

Verena kniff die Augen zusammen, als sie aus dem Museum trat. Das Sonnenlicht überraschte sie jedes Mal aufs Neue, wenn sie aus einem geschlossenen Raum ins Freie trat. In ihrem Stammcafe gleich gegenüber bestellte sie einen doppelten Espresso. Als sie den halben Löffel Zucker einrührte, wanderten ihre Gedanken zurück in den Sommer vor zwei Jahren.

Sie saß mit Matthias in genau diesem Cafe. Damals hatte sie noch einen Latte Macchiato getrunken. Doch seit sie sich selbst eine Laktoseintoleranz attestiert hatte, war auch der tabu.

Matthias und Verena waren damals bereits zwei Monate ein Paar. Er liebte dieses Museum. Und an jenem Nachmittag zeigte er ihr sein Lieblingsgemälde. – Mehr Meer. – So lautete der Titel. Andächtig nahm er ihre Hand, führte sie zur Bank vor dem Bild und deutete auf den freien Platz neben sich. Matthias versank für eine halbe Stunde in den Pinselstrichen. Verena wurde schon nach wenigen Minuten unruhig. Zwar genoss sie seine Nähe, roch immer wieder an seinem Arm, an dem ihr Kopf lehnte. Doch betrachtete sie nicht mehr das Bild, sondern die Menschen, die kurz stehenblieben oder achtlos an dem Gemälde vorbeigingen.

„Siehst du die Wellen, die die Boote schaukeln?“, mit diesen Worten riss Matthias sie aus ihren Gedanken, die sich in dem Moment nur darum drehten, wie sie das gemeinsame Abendessen bei ihrer Familie an dem Abend am besten vermeiden könnte.
„Nein, ich sehe nichts“, sagte Verena und streckte sich. Ihre Handgelenke knackten.
„Du hast nicht tief genug hineingeschaut.“
„Mhm.“

Verena rührte im Espresso. Matthias war seit einem Jahr Geschichte. Das Bild würde noch viele Jahre am gleichen Platz hängen.
‚Wo ist mein Platz?’, dachte sie und nahm einen ersten Schluck vom Kaffee.

(to be continued…)

Pin It on Pinterest

Share This