Aah, der kleine Fischerhafen! Eine Woge puren Glücks durchfuhr ihn, als er das Bild auf einer Plakatwand sah. Mit seinen Einkaufstaschen in den Händen und einem Lied auf den Lippen war er gerade auf dem Heimweg, um die Einkäufe rasch im Kühlschrank verstauen zu können. An einer Ampel musste er kurz halten, da streifte sein Blick das Bild.
Seeluft, allgegenwärtig der Geruch nach Fisch und Tang und Sonnenuntergänge wie Zuckerwatte kamen ihm in den Sinn. Was für eine glückliche Zeit war das gewesen.
Sie hatte ein Sommerkleid getragen, auf dem zart schwarz-weiße Blumen verteilt waren, an den Füßen trug sie leichte Sandalen. Ihre Zehennägel waren rot lackiert, das gefiel ihm im Sommer immer besonders gut. Alles war dann so farbenfroh an ihr, ihre Haare wurden heller und hatten diesen Kupferschimmer, der ihn unwiderstehlich anzog. Ihre Kleider waren grün und blau und rot und türkis und sie lachte beinahe den ganzen Tag. Schon früh am Morgen, wenn sie noch die Knautschfalten der letzten Nacht im Gesicht abgezeichnet hatte, lachte und lächelte sie, als wäre sie der glücklichste Mensch der ganzen Welt. Doch das konnte sie nie sein, dachte er, den Posten habe immer ich ihr streitig gemacht.
Bug an Bug hatten die Fischerkähne im kleinen Hafen gestanden und in ihren Mästen die letzten Sonnenstrahlen des wunderbar warmen Sommertages eingefangen. Wie Spinnennetze leuchteten die Taue, die zwischen den hohen Stangen in der Seebrise wehten und auf den Mond warteten. Er hatte, wenn die Luft auffrischte und er eine Gänsehaut auf ihrer Haut bemerkte, den Arm um sie gelegt und sie standen an der Rehling des Fischerhafens, während die Sonne im Meer unterging und einen Bronzefilm auf ihren Wangen hinterließ. Erst, als der Leuchtturm längst sein Licht angeschaltet hatte und von Ferne ein Dampfer laut schnaufte, lösten sie sich voneinander und schlenderten zurück zu der kleinen Ferienwohnung.
Die Ampel war längst von rot wieder auf Grün umgesprungen, doch er stand da und erinnerte sich. Leute rempelten ihn an, forderten ihn auf, den Weg frei zu machen. Doch alles, was er sah, war die Kupferscheibe der Sonne, die gerade im Meer versank und auf den Wangen seiner Frau einen rötlichen Schimmer zauberte.

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