„Es ist schwer aus einem Albtraum aufzuwachen, wenn dieser wahr ist.“- Kristin Cashore, Fire

„Was machst du hier?“ Sophie drehte sich auf meine Frage hin zu mir um, ihre grünen Augen funkelten dabei im flackernden Licht des Lagerfeuers.
„Was meinst du?“ Sie ging auf mich zu und lächelte leicht.
Irgendetwas stimmte nicht. Aber ich kam nicht darauf, was genau es war. Meine Gedanken waren merkwürdig vernebelt, und die Wärme ließ mich schläfrig werden.
Ihr Lächeln wurde indes größer, als sie sich auf die Zehenspitzen stellte und mich auf die Wange küsste.
Schließlich lehnte sie sich an mich und flüsterte mir sanft ins Ohr.
„Ich bin natürlich gekommen, um dich umzubringen. Jemand wie du sollte nicht leben!“
Ich zog meinen Kopf zurück, unfähig, ihren Worten zu glauben, da hob sie eine ihrer Hände zum Schlag an. Sie hielt eine Fackel, welche sie nun mit voller Wucht auf mich niederfahren ließ. Ich wich zur Seite aus, aber sie hakte nach, und korrigierte ihre Hand.
Es ging immer weiter. Sie griff an, ich wich aus, während die Flammen um uns herum langsam immer mächtiger wurden, uns einschlossen und ausschlugen. Auch der Rauch wurde dichter. Ich rief Sophie zu, sie solle sich in Sicherheit bringen, ich würde das Feuer sowieso nicht überleben, da leckte auf einmal eine Stichflamme ihren Arm. Sie schrie, taumelte, und fiel in die Flammenwand.
„Sophie!“
Schweißgebadet wachte ich auf. Etwas konfus und verwirrt blinzelte ich in die Dunkelheit hinein. Was? Ich legte eine Hand neben mich. Meine Matratze. Ich lag in meinem Bett.
Halbwegs erleichtert atmete ich aus. Sophie war also nicht gerade vor mir in Flammen aufgegangen. Aber irgendetwas stimmte immer noch nicht…
Da bemerkte ich es plötzlich. Der Rauch. Er war immer noch da. Erschrocken setzte ich mich an den Bettrand und knipste meine Nachttischlampe an. Dichter Qualm zog durch das Zimmer, und verschwand aus dem Fenster in die Nacht hinein. Er zog aus dem Fenster, was bedeutete, dass er aus meinem Haus kommen musste. Verdammt.
Ich ging zum Fenster und schaute hinaus. Es war zu hoch, um einfach zu springen, das würde nur meine Nachbarn alarmieren wenn sie zusähen.
Also schnappte ich mir eine Tagesdecke aus Baumwolle, welche ich für gewöhnlich nutzte um mein Bett ordentlich abzudecken, und öffnete mit ihrer Hilfe die Tür. Halb zurückspringend, erwartete ich, dass mir eine Stichflamme, entgegen schießen würde. Aber als diese ausblieb, beschloss ich mein Glück noch weiter auf die Probe zu stellen. Also nahm ich mein Handy und lief die Treppe hinunter.
Nun konnte ich auch den Brandherd erkennen. In meinem Wohnzimmer brannten meine Vorhänge lichterloh, und mein schöner Sessel war definitiv auch nicht mehr zu retten. So ein Mist, der war antik. Die Flammen hatten sich ihren Weg durch das Zimmer bis zur offenen Küche gebahnt und dort die Theke und meine Stühle zerstört, an meinem Tisch arbeiteten sie noch, bei diesem war die Hälfte verkohlt. Meine Haustür war verschlossen, und das Schloss geschmolzen, na klasse.
Fluchend suchte ich in aller Eile meinen Feuerlöscher und begann, das Unheil zu bekämpfen, während ich gleichzeitig versuchte, mir ein Bild davon zu machen, wodurch dieses zu stande gekommen war. Ich hatte weder Kerzen noch andere Feuer angehabt, elektrische Geräte waren ausgeschaltet gewesen…
Mein Blick fiel auf eine zerbrochene Flasche, dann erkannte ich, dass eines meiner Fenster ebenfalls zerstört war. Ein Molotowcocktail? Im Ernst?
Der Feuerlöscher hatte mittlerweile seinen Dienst quittiert, und ich tat es ihm gleich.
Kopfschüttelnd nutzte ich ihn als Rammbock und durchstieß den kläglichen Rest meiner Haustür.
Endlich im Freien, nahm ich mein Handy zur Hand und wählte die Nummer der Feuerwehr.
Wenigstens war Sophie nichts passiert. Und sie hatte nicht versucht mich umzubringen. Noch nicht jedenfalls.

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