Penny stand da, zu einer Salzsäule erstarrt, feiner weisser Rauch umwaberte ihre Zehen. Was sollte sie bloss tun? Normalerweise hiess es ja, dass wenn es brannte, die Luft am Boden besser war als in der Luft hoch oben. Doch dieser Rauch schlich wie eine Schlange durch ihr Zimmer.
Sie würde sich hüten auch nur in die Knie zu gehen.
Vielleicht sollte sie auf das Bett stehen?
Gedacht, getan.
Penny stieg auf ihr Bett, nahm ihr Handy vom Nachttisch ehe sie aufstand und stellte sich in die Mitte. Toni musste her. Nicht für lau wohnte er schliesslich im Gästehaus. Auf Kurzwahl eins gedrückt, klingelte es bald. Auf dem Bett herumtänzelnd flehte sie: „Nimm ab! Nimm ab! Nimm…“
„Ja“, stöhnte ein verschlafener Toni an ihrem Ohr.
„BEI MIR BRENNTS!“, kreischte sie hemmungslos.
„Bin sofort da!“, antwortete er und dann ertönte das Freizeichen. Penny schaute nach draussen wo sie knapp die Giebel des Hauses sehen konnte.
Sollte sie die Feuerwehr rufen? Aber sobald irgendein windhündiger Journalist spitz kriegte, dass es hier brannte hatte sie die nächste Woche die Medien am Hals. Es reichte schon, dass sie sich ständig für Rasmus rechtfertigen musste. Doch ihre Finger fingen bereits an zu tippen.
11…
Doch dann hörte sie Toni die Treppen raufpoltern. Kurz darauf wurde die Schlafzimmertüre aufgerissen begleitet von dicken Rauchschwaden. Doch sein Gesichtsausdruck verwirrte sie irgendwie. Wut, vermischt mit Erleichterung und einem hämischen Grinsen auf den Lippen. Zudem hatte er ein silbernes Zylinderförmiges etwas in der Hand, dass er sogleich Penelope entgegen warf.
Sie erschrak und griff daneben, weil sie dachte, das Ding sei immer noch gefährlich.
„Rauchpetarden“, erklärte er.
„Was?“ Penny war total verwirrt. Sie war kein Schwerverbrecher der aus ihrem Versteck ausgeräuchert werden musste.
„Wo ist Rasmus?“, fragte Toni wütend.
„In seinem Zimmer vermute ich Mal. Warum?“
„Dem Blase ich jetzt den Marsch“, sagte er und verschwand.
Penny fasste sich und rannte Toni nach. „Lass ihn. Vielleicht hat er einfach einen guten Schlaf!“
„Nein!“, schrie Toni nur und rannte durch die rauchgefüllten Gänge. Penny wie eine Irre hinterher und öffnete gleichzeitig jedes Fenster, an dem sie vorbeikam.
Als Junge für alles wusste Toni natürlich, wessen Zimmer Rasmus bewohnte. Ohne zu klopfen trat er ein, packte ihn am Kragen seines Schlafhemdes und zerrte ihn aus dem Bett auf den Boden.
„WAS FÜR EIN ZUFALL DAS IN DIESER SEITE DES HAUSES KEIN RAUCH IST!“, schrie Toni ungehalten auf Rasmus ein.
Penny schaute sich um und war verblüfft. Er hatte recht. Was aber noch lange kein Grund war, einen weiteren ihrer Angestellten anzuschreien, denn das war Rasmus ein Angestellter. Aber was ihr gerade mehr Sorgen machte, war Tonis pochende Halschlagader, die immer grösser wurde und seinem Kopf eine zündrote Farbe verlieh.
„Eh, Toni.“, versuchte sie sachte.
Doch seine zornigen Blicke waren noch immer Rasmus zugewandt.
„TONI HÖR SOFORT AUF SONST PLATZT DEIN KOPF!“, schrie sie, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen.
Und es wirkte. Toni drehte sich um, denn er war von seiner Chefin noch nie angeschrien worden.
„Wir klären das Morgen“, sagte sie ruhig.
„Aber nur, wenn der da putzen hilft“, sagte er und nickte Richtung Rasmus.
„Warum sollte er? Er hat ja geschlafen, er war es nicht“, sagte Penny überzeugt von ihrer Meinung.
Doch als Toni an ihr vorbei lief, war Penny sicher, das für Toni dieser Vorfall noch lange nicht gegessen war.

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