Das Herz klopfte Verena bis zum Hals. Fieberhaft suchte sie nach einem Ausweg. Auch in ihrem Traum war Rauch gewesen. Er war aus einer Höhle gekommen und sie war dennoch hineingegangen. Dort hatte sie sich selbst in einem Bett liegen sehen, um sie herum weinende Freunde.

Verena zwickte sich in den Arm. ‚Du musst cool bleiben’, befahl sie sich selbst. Im Fernsehen hatte sie vor einigen Monaten eine Doku über die Berufsfeuerwehr von Wien gesehen. Man solle bloß keine Tür öffnen, um dem Feuer nicht noch mehr Luft zu geben. Also blieb nur das Fenster. Verena öffnete es und sah drei Stockwerke tief nach unten. Prinzipiell kann man einen Sprung von dieser Höhe überleben. Prinzipiell. Sie machte das Fenster wieder zu.

Verena nahm ihr Telefon vom Nachtkästchen und tippte den Notruf. Keine fünf Sekunden später antwortete ihr eine tiefe Stimme vom anderen Ende der Leitung.
„Es brennt.“
„Wo?“
„Bei mir in der Wohnung.“
„Wo genau ist Ihre Wohnung?“
„Im Alsergrund.“
„Sie müssen präziser werden.“
„Im 9. Bezirk.“
„Holen Sie mal tief Luft und beruhigen Sie sich.“
Verena atmete hörbar aus und ein, aus und ein.
„Jetzt nennen Sie mir Ihre Adresse.“
„Servitengasse 3, 3. Stock, Tür 12.“
„Alles klar. Wir sind in fünf Minuten da. Öffnen Sie einstweilen keine Tür, maximal das Fenster. Haben Sie mich verstanden?“
„Okay.“

Verena sank auf das Bett und zählte die Sekunden. Fünf Minuten waren vorbei. Der Rauch wurde immer dichter. Jeder Atemzug schmerzte. Verena hustete. Das Fenster! Sie hatte vergessen, das Fenster zu öffnen. Als sie aufstand, bewegte sich der Boden unter ihren Füßen. Ihre Hand griff zum Fenster. Sie verpasste die Griffolive um wenige Zentimeter. Dann versank die Welt um sie in ein tiefes Schwarz.

(to be continued…)

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