Mein MacGuffin:
Sam belauscht ein Gespräch ihrer Eltern, welches ihr eine ganz andere Seite an ihnen offenbart.

Ideen für meinen Anfang mit einem MacGuffin:
Ich schreckte aus dem Traum auf und blickte hektisch umher. Alles war ruhig und so dunkel, dass ich nur die Umrisse meiner Möbel sehen konnte. Ich schaltete meine Nachttischlampe an und befreite mich von meiner Decke, bevor ich aufstand um nach unten in der Küche etwas zu trinken. Leise schlich ich die Treppe hinunter, um meine Eltern nicht zu wecken, von denen ich vermutete, dass sie längst schliefen, doch dann hörte ich leise Stimmen aus dem Wohnzimmer und sah, dass Licht unter der Tür hindurch fiel.
Eigentlich wollte ich es einfach ignorieren, mir etwas zu trinken holen und wieder nach oben gehen, aber da dieses Verhalten gar nicht zu meinen Eltern passte und sie sich schon eine ganze Weile so merkwürdig verhielten, wollte ich herausfinden, woran das lag. Also schlich ich mich zur Tür und lehnte mich vorsichtig an sie.
„Nein, nein, nein. Das sind alles nur haltlose Vermutungen, ihr habt keinerlei Beweise! Warum sollten Vampire – oder ein Vampir – Menschen mit einem Messer umbringen? Man kann diesen Monstern viel nachsagen, und ich hege auch keinerlei Zweifel daran, dass sie grausam sein können, aber das ist absolut sinnlos. Sie könnten sich doch gar nicht lange genug kontrollieren, um der Verlockung des Blutes standzuhalten; die Vorfälle in SN zeigen doch deutlich genug, dass sie es noch nicht mal bei unverletzten Menschen schaffen“, erklang eine aufgebrachte Stimme, die ich als die von einem Arbeitskollegen meines Vaters erkannte.
„Aber wer sonst hätte einen Grund uns so etwas anzutun? Nicht nur, dass ausschließlich Ratsmitglieder und ihre Familien angegriffen werden, Samantha wurde persönlich bedroht! Und es gibt Beweise dafür, dass es durchaus noch Vampire gibt.“, entgegnete mein Vater, und ich konnte ihm anhören, dass er sich sehr zusammen riss, um nicht die Beherrschung zu verlieren.
„Was für ‚Beweise‘ denn zum Beispiel?“, erwiderte da eine schrille, weibliche Stimme gehässig, und ich brauchte einen Moment, bis ich sie Alicias Mutter zugeordnet hatte. „Immerhin lasst ihr uns niederen Ratsmitglieder vollkommen im Dunkeln über eure ‚Erkenntnisse‘.“
Obwohl ich absolut keine Ahnung hatte, worum es ging, was der Rat war und warum all diese Leute bei uns zu Hause waren, machte mich der Tonfall, in dem diese Frau mit meinen Eltern redete, wütend.
„Wir wollten einfach noch niemanden beunruhigen, bevor wir uns sicher sind.“, mischte sich da meine Mutter ein, „das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass wir uns als höher gestellt oder besser ansehen, als der Rest des Rates.“
„Diese… Beweise würden mich allerdings auch mal interessieren.“, bemerkte da der Bürgermeister, und ich wurde nur noch verwirrter.
Mein Vater seufzte, bevor er antwortete: „Also gut. Zum einen gab es, wie Sie ja alle wissen, die Mordserie in SN, bei der alle Leichen vollkommen blutleer aufgefunden wurden, und die vor einigen Wochen ohne ersichtlichen Grund aufgehört hat. Die Medien haben zwar versucht, es als die Tat eines Verrückten oder Sektenanhängers zu erklären, aber wir alle wissen, worauf dies eher hindeutet.
Aus diesem Grund haben wir angefangen, Nachforschungen anzustellen. Ob so etwas schon öfters dort oder in der Umgebung vorgekommen ist. Die Ergebnisse waren höchst interessant, da es tatsächlich bestimmte Gebiete gibt, in denen immer mal wieder bewusstlose Personen, oder Menschen, mit Gedächtnisverlust, aufgefunden wurden, und bei denen im Krankenhaus dann festgestellt wurde, dass sie irgendwie viel Blut verloren haben mussten.
Auch interessant war, dass diese Bereiche meistens in der Nähe von Wäldern, Parks oder stark verwahrlosten Stadtteilen, mit vielen leerstehenden Häusern, lagen. In den Wäldern wurden zum Teil Campingplätze oder auch Siedlungen gefunden, die nur zum Teil offiziell genehmigt und gemeldet worden sind. Des Weiteren lassen sich sowohl in den Dokumenten der betroffenen Städte, als auch in den Unterlagen der Siedlungen und Campingplätze vermehrt Nachnamen feststellen, die jedem, der auch nur ein bisschen etwas über unsere Geschichte in Erinnerung behalten hat, bekannt vorkommen dürften. Es handelt sich nämlich um die Familiennamen derer, die damals diesen abscheulichen Monstern geholfen und sie unterstütz haben, und die damals ebenfalls alle zu Tode gekommen sein sollten.
Zuletzt ist es wichtig zu erwähnen, dass schon seit einiger Zeit auch in den Nachbarstädten des Öfteren Menschen, mit starker Blutarmut aufgefunden wurden – und merkwürdiger Weise fingen ungefähr zur gleichen Zeit die Morde an unseren Leuten an. Und das wäre dann schon ein sehr merkwürdiger Zufall, nicht?“
„Moment, einige der Verräter haben überlebt? Wer sagt, dass die Vampire nicht ihre treuen Sklaven geschickt haben, um uns umzubringen, und aus der Ferne zu sehen?“, erklang da die Stimme einer Frau, die mir bekannt vorkam, ich aber nicht zu ordnen konnte.
„Das ändert trotzdem nichts daran, dass im Endeffekt diese Monster dahinter stecken.“, erwiderte meine Mutter. „Und deshalb müssen wir etwas tun. Wir kennen die Standpunkte einiger Siedlungen, nun gilt es herauszufinden, ob sich dort wirklich Vampire aufhalten, und wenn ja, ob es noch mehr gibt, von denen wir nicht wissen.“
„Und wie genau stellt ihr euch das vor?“, rief die Mutter von Alicia spöttisch. „Wollt ihr zu den Bürgermeistern der betroffenen Städte gehen und ihnen erzählen, dass da Vampire in ihren Wäldern leben? Oder gleich eine öffentliche Bekanntmachung?“
„Für genau diese Aufgaben, haben wir speziell ausgebildete Ratsmitglieder. Sie agieren im Geheimen, unauffällig und in ständiger Absprache mit uns. Für’s erste geht es nur darum, Informationen zu bekommen. Darüber, wie wir mit den Dämonen verfahren, werden wir uns unterhalten, wenn es so weit ist.“, sagte meine Mutter kalt.
Ich hörte, wie Stühle zurückgeschoben wurden und sich alle verabschiedeten, weshalb ich so leise wie möglich die Treppe hoch und zurück in mein Zimmer eilte. Irgendwas an der Art, wie meine Mutter ihren letzten Satz formuliert hatte, beunruhigte mich. Sie hatte so völlig kalt und emotionslos gesprochen, dass ich mir gar nicht erst vorstellen wollte, was sie tun würden, wenn sie heraus fanden, dass dort wirklich ‚Vampire‘ – oder was auch immer sie dafür hielten – waren. Vermutlich war einfach diese komplette Schicht in irgendeinem abgedrehten religiösen Wahn gefangen, und deshalb wollten sie mir auch nichts erzählen. Sie waren vollkommen verrückt, und anscheinend bereit, unschuldige Leute zu ermorden. Und ich konnte nichts dagegen tun.

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