Ort 1:
Freiheitsstatue
„New York war einst eine der größten Städte der Welt. Riesige Bauwerke, Menschen unterschiedlichster Herkunft und eine sehr lange Geschichte“, schilderte Vera träumerisch. Ihre Hände formten unsichtbare Gebilde, doch ich konnte mir nicht im Geringsten vorstellen, wovon sie sprach.
„Sobald wir dort sind, muss ich dir unbedingt die Freiheitsstatue zeigen. Sie ist das Symbol für Frieden und Freiheit gewesen.“ Ihre Augen glänzten bei der Vorstellung.
„Nur, dass sie mittlerweile keinen Fackel hebenden Arm mehr hat. Und auch sonst hat die Gute ziemlich gelitten in den letzten Jahrzehnten“, mischte sich Chain aus dem Hintergrund ein. Wie immer hatte er seine weite Kapuze auf, während er wie beiläufig mit einem seiner Wurfmesser hantierte. Ein Schauer lief mir bei seinem Anblick über den Rücken.
Vera jedoch ließ sich nicht von ihm beeindrucken.
„Wir können sie uns dennoch ansehen. Immerhin hat sie damals vielen Menschen Hoffnung geschenkt. Vielleicht kann sie es auch heute noch.“ Sie lächelte zuckersüß in Chains Richtung, der nur ein abfälliges Schnauben von sich gab.

Ort 2:
Empire State Building
„Und danach sehen wir uns das Empire State Building an. Es war und ist bis heute eines der größten Gebäude der Welt. Vielleicht können wir uns hineinschleichen und zumindest einen Teil seiner Größe erkunden.“
„Und vielleicht können wir Ayris dann aus Versehen aus einem der zerbrochenen Fenster schubsen… nur um zu schauen, wie hoch das Gebäude wirklich ist.“ Chains Stimme triefte vor Sarkasmus, doch das mit dem Schubsen meinte er ernst. Ich konnte es in seinem Gesicht lesen. Es kam nicht oft vor, dass er es mir zeigte, aber in diesem Moment sah er mich direkt an. Seine blauen Augen fixierten mich hasserfüllt. Was hatte ich ihm nur getan, dass er mich dermaßen verabscheute?

Ort 3:
Brooklyn Bridge
„Hör nicht auf ihn“, mischte sich nun auch Zard ein. Er lehnte mit geschlossenen Augen neben mir, ein nachsichtiges Lächeln auf den Lippen. „Ich zeige dir die ‚Sehnsuchtsbrücke‘. Eigentlich nannte man sie Brooklyn Bridge, doch nach dem dritten Weltkrieg übernahmen die Menschen den einstigen Symbolnamen. Er stand für den Traum von einem besseren Leben.“
Nun sah er mich aus seinen faszinierenden grünen Augen eindringlich an. „Das ist derselbe Traum, den auch wir haben. Ein besseres Leben. Frei und ohne Gefahren.“ Federleicht strich er mir eine Strähne aus dem Gesicht. „Von dort aus würde ich mir gern die aufgehende Sonne mit dir ansehen.“
Ein Prickeln setzte in meinem Bauch ein und erfasste meinen ganzen Körper. Sogar Chains abfälliges Grunzen konnte das warme Gefühl nicht ersticken. Ich lächelte in mich hinein und lehnte mich zurück. Zards Arm zog mich an sich, während ich mich bereits auf den Ausflug freute. Es war das erste Mal, dass ich mich überhaupt darauf freute, diese Welt kennen zu lernen.

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