Ort 1:
New York Public Library – Stephen A. Schwarzman Building
Die New York Public Library ist vermutlich die bekannteste Bibliothek der Welt. Amira war schon als Kind von dieser Bibliothek begeistert, deshalb erschien es ihr wie ein Traum, als feststand, dass sie nach New York fliegt, einen Ort, den sie eigentlich überhaupt nicht mag.
Amira hatte etwa zwei Stunden für ihren Besuch eingeplant. Sie war absolut begeistert von der antiken Bausweise, den hohen Decken mit ihren detaillierten Verzierungen und natürlich von den tausend und abertausenden Büchern.
Da es in der Bibliothek auch mehrere Ausstellungen gab, kam sich Amira eher wie in einem Museum vor.
Obwohl sie keine der Austellungen besuchte, wurden aus den zwei Stunden geschlagene vier Stunden. Amira hatte die Bücher nicht erst an einen der Tische mitgenommen, sondern sie setzte sich gleich vor das Regal und begann zu lesen. Einige Besucher warfen ihr einen missbilligenden Blick zu, den Amira aber gar nicht bemerkte. Sie wurde nur einmal unterbrochen, von einem Herrn in einem grauen Anzug, der sie bat, ein wenig zur Seite zu rücken, weil er nicht an sein gewünschtes Buch käme.

Ort 2:
Central Park
Amira konnte Großstädte nicht ausstehen. Sie lebte zwar selbst in einer, aber New York war mindestens doppelt so schlimm. Im Central Park fühlte sie sich immerhin etwas wohler, aber sie konnte die Hochhäuser immernoch sehen und den Straßenlärm immernoch hören. Sie suchte sich ein ruhiges Plätzchen, weit weg von den Tiergehegen (eingesperrte Tieren waren das Letzte, was sie jetzt brauchte), steckte sich Kopfhörer in die Ohren und schlug ihr Buch auf. Sie musste aber bald feststellen, dass der Central Park kein besonders geeignter Ort zum Lesen war; Geradeso entging sie einer Wasserschlacht von einer Gruppe Kleinkindern, ein freilaufender Hund raste auf sie zu und Amira sprang panisch auf die Bank, auf der sie saß. Ein Ball traf sie am Kopf und eine Gruppe Jugendlicher saß ein paar Meter entfernt von ihr und grölte und lärmte, was das Zeug hielt.
Nach einer halben Stunde verließ sie den Park wieder.

Ort 3:
Chinatown
Chinatown war einer der lautesten und überfülltesten Orte in New York. Als Amira zwischen den vielen Ständen und Läden stand, wusste sie selbst nicht mehr genau, was sie hierher verschlagen hatte. Sie blickte auf eine kleine Karte in ihrer Hand auf der die Ice Cream Factory verzeichnet war, ein Eisladen mit dem angeblich besten Eis der Welt. Das bezweifelte Amira stark, aber trotzdem wollte sie dem Laden mal einen Besuch abstatten. Das war jedoch schwieriger als erwartet. 65 BAYARD ST NEW YORK, NY, 10013 stand auf der Karte. Wie sollte sie die Adresse bitte finden? Es ging nicht anders, sie musste jemanden fragen. Die Auswahl an Leuten war groß, aber niemand schien ihr so richtig vertrauenswürdig.
Da tippte ihr jemand auf die Schulter. Amira drehte sich erschrocken um und vor ihr stand ein junger Mann mit ziemlich strubbeligen schwarzen Haaren und einem breiten Grinsen im Gesicht. „May I help you, young lady?“ fragte er mit einem ulkigen Akzent. Amira versuchte ihm stotternd ihre Lage zu erklären und der junge Mann verstand. Zehn Minuten später standen beide vor dem Eisladen. Und wiederum zwei Minuten später saßen beide an einem Tisch in der Nähe des Tresens und genossen ihr Eis. Amira hatten ihrem Retter natürlich ein Eis spendiert. Das war doch das Mindeste.

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