Es war einmal eine junge Frau namens Verena. Sie war in Wien aufgewachsen wie viele tausend andere Mädchen vor und mit ihr. Sie ging in den Kindergarten, dann in die Volksschule und später ins Gymnasium. Als sie vor der Wahl der weiterbildenden Schule stand, wusste sie nicht wohin. Also trafen andere die Entscheidung für sie. Sie war doch immer so gern in der Küche. Buk Kuchen an den Wochenenden. Was lag also näher als eine Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe? Verena fügte sich in ihr Schicksal. Scheinbar. Jeden Tag stieg sie in den Bus und fuhr in den benachbarten Bezirk, um in das ihr bald mehr verhasste denn geliebte Schulgebäude einzutreten. Sie hatte zwar Freundinnen gefunden, doch erleichterte ihr das ihr Dasein als Schülerin kein bisschen. Zumal ihr die meisten Unterrichtsgegenstände zuwider waren. Auch das Kuchen backen hatte sie satt. Eines Tages aber, als sie bei einer Freundin zufällig auf die Waage stieg, war sie erschüttert. Sie hatte im ersten Jahr an dieser Knödel-Akademie sieben Kilo zugenommen. Und wenn man genau hinsah, bemerkte man auch die runder gewordenen Wangen und die etwas klobigeren Finger. Deshalb machte sie sich auf die Suche, wie sie dieses Gewicht wieder verlieren könnte. Sie fand mehr als eine Webseite von Mädchen, die vor dem gleichen Problem wie sie standen und eine Lösung dafür hatten. Das konnte sie auch. Deshalb aß sie nur noch die Hälfte von dem, was auf den Teller kam. Und das war erst der Anfang ihres Weges ins Leiden, das sie sogar in ihren Alpträumen nicht hätte erleben wollen. Diesen Weg sie konsequent jeden Tag in großen und kleinen Schritten weiter. Bis schließlich der Boden unter ihren Füßen Wellen schlug, als sie auf dem Weg in die Schule war.

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