Es war einmal ein Junge namens Leonhard. Jeden Tag hatte er neue Ideen, ging voller Tatendrang in die Welt hinaus. Er schaffte es immer wieder, dass seine Freunde sich seinen Abenteuern anschlossen. Und es zahlte sich jedesmal für sie aus. Es waren Abenteuer von der Sorte, wie man sie seinen Kindern und Enkeln erzählt. Eines Tages aber war alles anders. Er kam nach Hause und etwas stimmte ganz und gar nicht. Deshalb ging er nur sehr zögerlich ins Haus. Seine Mutter kam ganz überfürsorglich auf ihn zu, zerwuselte sein Haar und küsste ihn vermeintlich liebevoll auf die Stirn. „Leonhard, mein Lieber, setzt dich doch ein wenig hier her zu mir!“ säuselte sie. Da war etwas faul, sehr, sehr faul nämlich. Normalerweise war sie kühl und distanziert und interessierte sich nicht wirklich für Leonhard. Deshalb war von Anfang an klar: hier ist etwas im Busch. „Mein Schätzchen, ich mache es kurz. Ich habe mich von deinem Vater getrennt. Er hat bereits seine Sachen gepackt und ist weg. Wahrscheinlich findest du das jetzt nicht sehr witzig, aber du kommst schon darüber hinweg…Jetzt bist du der Mann im Haus. Du hast ja seine Handy Nummer, wenn du etwas von ihm brauchst oder dich mit ihm treffen willst. Ich fahre jetzt zu Tante Mari. Bis dann!“ sprach sie, wuselte Leonhard nochmal durchs Haar, schnappte sich im vorbeigehen ihre Handtasche und Autoschlüssel und verschwand durch die Haustüre. Der 8jährige fühlte sich wie in einer Wattewolke und obwohl er alles gehörte hatte, was seine Mutter zu ihm sagte, konnte er es nicht verstehen. Bis sich schließlich die Wattewolke auflöste und da liefen ihm Tränen über die Wangen und er begann zu schluchzen.

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