Es war einmal eine Zeit, in der sich die Menschen mit allerhand kitschigen Sprüchen Grüße in Poesiealben hinterließen. Die Menschen entwickelten sich weiter. Sie machten sich die Technik zu Willen. Bald waren es nicht nur die Gelehrten, die an Rechnern saßen und Rechner wurden so klein, dass sie in eine Hand passten. Fast jedes Kind hatte einen. Sie nannten sich Smartphone.
Die Überbringer von Poesiealbumsprüchen in Formel1 Geschwindigkeit. Dank WhatsApp. Jeden Tag flogen Unmengen von Sprüchen aller Art durch das Internet. In etwa so: „ Heute ist der Internationale Tag der gut aussehenden Frau. Also sende diese Nachricht an jemanden, auf den diese Beschreibung perfekt passt. Und denke immer an die Devise: Das Leben sollte keine Reise sein mit dem Ziel in einem attraktiven, gesunden Körper ins Grab zu steigen. Wir sollten lieber seitlich hinein rutschen, mit Schokolade in der einen und einer Flasche Sekt in der anderen Hand, der Körper total verbraucht und glücklich schreiend: „Wow, was für eine Fahrt!“ Habe einen wunderbaren Tag! Sende diese Nachricht an fünf wundervolle und kluge Frauen und es passiert wie immer nichts! Aber du bringst sie wenigstens zum Lachen.“
Eines Tages aber bekam die 17jährige Brina eine Nachricht, die ein grausames Ultimatum stellte. Deshalb ging Brina an diesem Weihnachtfeiertag völlig verstört mit ihrem Handy zur Polizeidienstelle in ihrer Stadt. Sie tat das einzig Richtige, dachten sie und ihre Mutter Elly.
Deshalb schickte sie ein schulterklopfender diensthabender Beamter mit der abfälligen Bemerkung „ So was nimmt man doch heute nimmer Ernst. Einfach löschen und gut iss.“, gleich wieder nach Hause.
Bis schließlich die Meldung vom Tod des jungen Mädchens gleichzeitig mit einer WhatsApp bei eben jenem Beamten ankam. Eine WhatsApp, die ihm höchst unangenehm bekannt vorkam.

Pin It on Pinterest

Share This