Ich konnte es nicht fassen!
Wie erstarrt stand ich am Rand des Waldes und blickte auf das riesige Ungetüm vor mir. Es schien bei seiner Landung einen ganzen Landstrich verwüstet zu haben, gebremst von dem Felsmassiv, das sich zu meiner Linken erhob. Das Ungetüm – ich wusste es nicht anders zu bezeichnen – stand seltsam quer und gab ein monotones Dröhnen von sich, das mich hier her gelockt hatte, als ich mit meinem Hund spazieren gewesen war. Es war stark derangiert. Obwohl ich erkannte, dass es aus Metall gefertigt sein musste, erinnerte es mich an die Piratenschiffe, die ich so oft im Fernseher bestaunt hatte. Nur dass dieses hier wie ein zerborstenes Wrack aussah.
Ich wusste, dass ich nicht hier sein sollte, dass dieser Ort gefährlich war. Ich konnte es spüren. Meine feinen Härchen stellten sich auf und ein elektrisierendes Kribbeln jagte durch meinen Körper. Sogar mein Hund Keks jaulte leise vor sich hin, wagte aber nicht sich von mir zu entfernen.
Trotz aller Warnsignale ging ich weiter auf das Ungetüm zu. Im leichten Dämmerlicht wirkten die grünen Lichter an den Bruchstellen wie Scheinwerfer. Sie zogen mich magisch an.
Ich war nur noch eine Armlänge entfernt, als sich das monotone Geräusch veränderte, leiser, aber auch schneller wurde. Wie das Schlagen eines Herzens.
Plötzlich krachte es.
Keks bellte und winselte zugleich. Ich wich erschrocken zurück, kam ins Straucheln und stürzte. Entsetzt beobachtete ich, wie sich das Ungetüm von selbst flickte, dennoch starrte ich fasziniert hin. Es ließ mich einfach nicht los.
Ein Donnern, ein letztes Krachen und Quietschen, dann war alles still. Kein Geräusch drang mehr durch die Dämmerung. Nichts. Rein gar nichts!
Unheimlich!
Ich schluckte schwer und wurde mir erst jetzt meiner dämlichen Aktion bewusst. Ganz langsam erhob ich mich und ging zurück. Mein Hund folgte mir mit eingezogenem Schwanz.
Auf einmal packte mich etwas am Arm und wirbelte mich herum. Ich schrie vor Schmerzen. Keks knurrte, dann jaulte er gequält auf. Ich nahm aus dem Augenwinkel wahr wie er davon jagte. Gut so. Lauf!
Ich wurde zu Boden gedrückt, das Gesicht in die aufgewühlte Erde und dann an den Beinen zu dem Ungetüm zurück geschleift. Ich wollte um Hilfe rufen, mich wehren oder einfach nur weinen, aber ich war wie erstarrt. Ein sengender Schmerz weitete sich von meiner Schulter in den gesamten Körper aus.
Das durfte nicht sein. Das durfte nicht wirklich passieren!
‚Wach doch auf, Maya, wach auf!‘, befahl ich mir in Gedanken. Doch das war kein Traum. Es geschah wahrhaftig.
Das schwere Ungetüm, das ich eben noch so bewundert hatte, verschluckte mich samt meinem Angreifer. Grünes Licht, ein schlagendes Herz… mein Schrei, als ich unsanft in die Höhe gerissen wurde.
Sekunden später befand ich mich an eine Wand gefesselt. Mein Kopf wurde an den Haaren zurückgezogen. Es tat höllisch weh. Mein Puls raste. Ich wollte hier weg. Ich wollte nach Hause. Warum hatte ich mich von diesem verdammten Ungetüm anlocken lassen?
Und dann war er da. Ein Soldat… Krieger… in einer metallisch glänzenden Ausrüstung. Er trug einen undurchsichtigen Helm mit einem Visier, in dem ich mich selbst spiegelte. Während das Monstrum um uns herum zu vibrieren begann, kam er Schritt für Schritt auf mich zu, bis nur noch eine Handbreit zwischen und Platz war.
Ich zitterte. Tränen rannen an meinen Wangen hinab und ich versuchte mich noch dichter an die Wand in meinem Rücken zu pressen.
„Bitte…“, flehte ich.

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