Tag 23 – Storytelling Adventure Month

Jetzt war auch das letzte Licht erloschen. Nur die Beleuchtung für die Notausgänge legte noch einen zarten grünen Schimmer über die Bereiche der vier Türen, die aus diesem Raum wieder hinausführten. War sie eingeschlafen? Verena setzte sich aufrecht auf die Bank, die direkt vor dem Sarkophag des Pharaos stand. Da knackte es auf einmal hinter ihr. Verenas Herz schlug schneller. Schweiß trat ihr aus den Poren auf der Stirn, unter der Nase und an den Innenflächen der Hände.
„Ist da jemand?“, fragte sie leise.
Keine Antwort.
‚Da ist niemand’, dachte sie.
‚Da kann niemand sein’, ergänzte sie, um sich etwas Mut zuzusprechen.
Ihr Handy blieb schwarz, auch als sie versuchte, den letzten Rest des Akkus zu aktivieren, indem sie es abschaltete und nach gezählten dreißig Sekunden wieder einschaltete.
„Ich brauche einen Plan“, sagte sie laut.
Beim Aufstehen von der Sitzbank spürte sie jeden Knochen. Sie musste wirklich geschlafen haben. Das Letzte, woran sie sich erinnerte, war die japanische Reisegruppe, die etwa eine halbe Stunde vor dem Sarkophag verharrt hatte. Von ihr war nichts mehr zu sehen. Warum hatte niemand sie bemerkt? Hielt man sie mit Absicht hier fest? Und wenn ja; wer und warum?
Verena tastete mit der Hand nach dem Sarkophag, spürte das Glas, unter dem dieser mit dem Pharao erneut begraben war. Das Glas war kalt und feucht.
Verena kreischte laut auf.
Da gingen die Lichter an. Sie hörte Schritte herbei eilen. Verena überlegte kurz und versteckte sich dann unter der Sitzbank.
„Hallo“ hörte sie eine Stimme, jung und männlich.
Verena hielt den Atem an.
‚Freund oder Feind oder Pharao?’, ging ihr durch den Kopf.
Gummistiefel tauchten vor ihren Augen auf.
„Wen haben wir denn da?“ Ein bebrilltes Gesicht mit vielen Pickeln sah ihr entgegen.
„Wollten Sie die Nacht mit dem alten Ägypter verbringen? Glauben Sie mir, der würde unter ihren Händen zerfallen.“
Der Mann streckte ihr einen Arm entgegen.
„Das stell ich mir sehr ungemütlich vor, da unter der Bank“, sagte er und zeigte beim Lachen einen Mund ohne Zähne.
Verena rannte es eiskalt über den Rücken, als eine Finger nach ihr griffen.

Pin It on Pinterest

Share This