Perspektive: Fremde Außerirdische

Der Tag, als ich auf diesem Planeten strandete. Den werde ich nie vergessen. Die erste Person, die ich sah, als ich mich durch das Geäst eines Baumes gekämpft hatte, war so ein junges Mädchen. Sie wirkte so wie alle Mädchen, die ich in der Dokumentation im Archiv der Planetenbibliothek bei uns gefunden hatte. Also durchschnittlich. Nicht zu groß, nicht zu klein, nicht zu schön, nicht zu hässlich, nicht zu dick, nicht zu dünn.

Mein Auftrag lautete, mich an ihre Fersen zu heften und ihr Leben bis zu jenem Zeitpunkt zu beobachten bis sie selbst Kinder hatte. Dazu kam es jedoch nie, in den vielen Jahren, die ich auf diesem für mich äußerst langweiligen Planeten verbringen musste.

Zum Glück verging die Zeit auf der Erde schneller als bei uns zu hause, dennoch war es die ödeste Zeit meines Lebens. Vor allem ab jenem Zeitpunkt, da sie anfing, sich selbst das Leben nehmen zu wollen. Wie? Da hatte sie eine sehr gefinkelte Idee. Niemand bei uns auf Taurus hätte so etwas jemals auch nur angedacht. Sie verweigerte das Essen. Aber erst nachdem sie vorher ordentlich an Gewicht zugelegt hatte und beinahe zu einer unansehlichen Kugel geworden war.

Ich setzte mich unsichtbar auf ihre Schulter. Denn das wollte ich – neugierig geworden – aus nächster Nähe beobachten. Als ich aus all dem nicht schlau wurde, denn ihr Magen knurrte wie wild, da schlich ich mich in ihre Gedanken. Und hatte innerhalb kürzester Zeit eine ganz seltsame Stimmung. Ich fühlte mich wie von dunklen Wolken umhüllt.

Eines Tages fiel sie auf dem Weg in die Schule wie tot um. Da brach ich das Beobachtungsexperiment ab. Ich wollte nicht Zeuge der Auslöschung einer Spezies sein. Denn ein Freund hatte mir berichtet, dass auch sein Mädchen das Essen verweigerte und eines Tages umgefallen war.

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