Verena. Mit ihren dünnen Fingern legt sie jedes Stück aus ihrem Einkaufswagen einzeln auf das Förderband. In einem Tempo, das mich fast wütend werden lässt. Sieht sie denn nicht, dass hinter ihr bereits drei andere Einkaufende mit vollen Wägelchen warten. Nein. Sie lässt jedes einzelne Nahrungsmittel nochmals von einer Hand in die andere rollen, bevor es auf das schwarze Band darf.
Sieben Äpfel. Grüne. Granny Smith. Für jeden Tag einen Apfel. Zu Hause wird sie sie mit je einem Kleber für Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag versehen.
Drei Packungen vom billigsten Orangensaft, aber ohne Zucker. Denn dieser würde mit unnötigen Kalorien punkten, die sie am Abend in ihre Essensliste eintragen müsste.
Es folgen noch sieben Päckchen Buttermilch. Auch die werden zu Hause ein Tageskärtchen erhalten, um nur ja nicht in Versuchung zu kommen, am nächsten Freitag zur Feier ihres 25. Geburtstages zwei davon zu trinken.
Ein Packerl Soletti. Das ist für den Heißhunger, der sie meist um Mitternacht überfällt, wenn alle anderen schlafen. Dann kann sie ungesehen essen. Diese Erleichterung, die sie danach verspürt, ist wie ein weiterer Kick, um am nächsten Tag noch strenger mit sich zu sein.
Und zu guter Letzt nimmt sie direkt bei der Kassa noch einen Pez-Spender. Er sieht aus wie ein kleiner Geist. Den soll Philipp bekommen, wenn sie ihn heute Nachmittag am Spielplatz trifft. Gemeinsam mit seiner Mutter, ihrer Schwester.

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