Draußen regnet es, heute Morgen hat es sogar geschneit. Ich kann es zwar nur durch die Großglasscheibe sehen, doch alleine beim Anblick fröstelt es mich. Die Kunden schieben genervt-aggressiv Einkaufswagen durch die Regale, ihr Blick gilt den Listen in ihren Händen. An meiner Kasse kann ich der allgemeinen Hektik entgehen, monoton dröhnt das Piepsen der Waren in meinen Ohren, wenn ich sie über den Scanner ziehe. „Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag!“, sagt eine Frau, nimmt ihre Sachen und hört mein „Ich Ihnen auch“ schon nicht mehr. Ich seufze.
Der nächste Kunde ist ein alter Mann, eigentlich eher ein Herr. Er strahlt so eine Würde aus, dass mir ganz ehrfürchtig wird; beinahe automatisch lächle ich ihn an. Bedächtig legt er seine Einkäufe auf mein Band, besieht sich alles ganz genau. Ein Kopfsalat, den er behutsam in eine der Gemüseplastiktütchen gepackt hat, dazu ein Bund Radieschen. Farbenfrohes im tristen Grau, auch auf dem Mittagstisch. Sternchennudeln, die ganz kleinen, die, die man in eine Hühnersuppe gibt. Wahrscheinlich kann er die besser essen, geht mir durch den Kopf. Eine Paprika, rot. Vielleicht lebt er alleine, wie traurig. So ein nett aussehender älterer Herr, der seinen Lebensabend allein bestreiten muss. Ein Päckchen Kaffee, gemahlen, Vollautomaten lohnen sich nicht, wenn man alleine lebt. Goudakäse, ein Päckchen Butter und Erdbeermarmelade landen als nächstes auf dem Band. Frühstück für die kommenden Tage, das Wochenende steht vor der Tür. Irgendwie macht mich die Annahme, dass er niemanden mehr hat, traurig. Umso überraschter bin ich, als ich sehe, dass er einen Packen der Damen-Unterhemden auflegt, die gerade im Angebot sind. Als hätte er mein Erstaunen bemerkt, sieht der Herr auf. „Kann ich die umtauschen, falls sie meiner Frau nicht passen sollten?“ Ich nicke eifrig, erleichtert. „Aber klar, heben Sie einfach die Rechnung auf!“ Zur Kontrolle, dass er alles hat, überfliegt er noch einmal die Waren auf dem Band, das sich langsam zu mir schiebt. „Alles da, bis auf…“, er greift zielsicher nach einer Packung Pfefferminzbonbons und schnippt sie zu der Paprika „…die hier!“. Souverän bis ins letzte Detail, denke ich und lasse das Päckchen Atemfrische über meinen Scanner piepsen.

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