Der Feierabend rückt näher. Gerade habe ich keine Kunden. Eine Kasse weiter jammert ein völlig übermüdetes Kind und ich freue mich im Stillen auf das Ende der Arbeit. Gerade will ich mich zurücklehnen. Allerdings machen mir die Kunden einen Strich durch die Rechnung. Junge Leute, beide Blond, womöglich Geschwister.
Einer von ihnen ein junger Kerl. Schlaksig mit einer Hand in der Tasche seiner Jeans, währen die andere den Einkaufskorb hält. Sein Ausdruck ist schwer zu lesen. Zu gleichen Teilen Aufmerksam und desinteressiert. Wie jemand der eine mäßig spannende Dokumentation im Fernsehen sieht.
Ein Mädchen, äußerlich nur wenig jünger, redet munter auf ihn ein und schiebt einen Einkaufswagen. Sie sagt irgendwas und der junge Mann, ihr Bruder wie ich vermute, lächelt kurz. Eine Geste, die auf seinem Gesicht durchaus hübsch wirkt.
Während sie noch miteinander schwatzen, packen sie ihre Waren aufs Band. Sie zu erst, während er einen Warentrenner bereit hält. Sie würden also getrennt bezahlen.
Ich richte meine Aufmerksamkeit nun auf die Ware. Neben allerhand Obst, Gemüse, Müsli und anderen eher gesund anmutenden Lebensmitteln, ziehe ich auch Pinsel über den Scanner.
Sie malt also. Tatsächlich folgt noch ein Skizzenblock der teureren Sorte. Jene mit diesem dicken, rauen Papier, das man fast als Bastelpappe benutzen kann. Bleistifte, Farben. Alles Artikel von namhaften und teuren Marken. Was war das? Ein Kettchen aus unscheinbaren Acrylperlen. Billig, aber hübsch. Da achtet wohl jemand auf sein äußeres. Ich hebe kurz den Blick.
Tatsächlich trägt sie auch jetzt Schmuck. Einen Ring mit Steinchen an ihrem Mittelfinger.
Doch ich nehme mir nicht die Zeit auch nach ihrer Kleidung zu schauen. Der Bruder wirkt bereits etwas ungeduldig.
Also mache ich lieber weiter. Einige Pflegeprodukte folgen noch, Shampoo und Duschbad, dann bin ich auch schon durch. Ich nannte ihr den Preis. Sie lächelt ein wahrlich freundliches Lächeln und gräbt in ihrer Umhängetasche nach dem Geldbeutel. Sie zahlt mit Karte und dann folgt ihr Bruder.
Ganz anders, ein wesentlich kleinerer Einkauf. Billige Wurst und Tiefkühlpizza dazu kommt eine Dose Coca Cola. Typischer Single-Einkauf. Eine Dose mit Männerdeo und ziemlich billiges Duschbad. Ich glaube sogar das billigste im Sortiment. Nun gut, es muss ja nur säubern, nicht wahr?
Erst jetzt bemerke ich den Schuhkarton. Wanderschuhe, wie ich feststelle, als ich den Inhalt prüfe.
Offenbar war man aktiver unterwegs, als ich annahm. Daher also diese schlanke Statur.
Er trommelt ungeduldig auf die Geldablage. Herrje, immer mit der Ruhe! Schnell schließe ich den Karton wieder. Schon durch. Wirklich ein kleiner Einkauf.
Entsprechend klein ist auch die Summe. Er zahlt bar. Irgendwie hatte ich das erwartet.
„Vielen Dank für Ihren Einkauf und noch einen schönen Abend“, wünsche ich den zwein.
„Ihnen auch!“, erwidert sie wieder mit einem Lächeln.
„Ebenso“, sagt er offenbar nur der Höflichkeit halber und mit einem knappen Nicken.
Puh! Und ich habe jetzt Feierabend. Endlich.

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