Die Schlange an der Kasse schien mir endlos. Während ich eifrig die Waren über den Scanner schob und mir Mühe gab, die Leute möglichst kurz warten zu lassen, passierte natürlich, was passieren musste: der Drucker für die Quittungen, ein furchtbar altes und störrisches Gerät, hatte einen Papierstau. Na klasse. Es piepste wütend und als ich versuchte, es zu öffnen, klemmte das verdammte Ding auch noch.
„Hey, wird´s noch?“ kam es irgendwo aus der Menge. Ich warf den Rufenden einen entschuldigenden Blick zu und schaffte es schließlich, den Plastikdeckel aufzubekommen.
„Nun lasst sie doch in Ruhe, wenn ihr der Armen Druck macht kommen wir auch nicht schneller voran, außerdem kann sie nichts für die Maschine.“ Die der Zurechtweisung zugehörige Stimme hatte einen angenehmen Ton und überraschte mich fast ebenso sehr wie der gesagte Inhalt.
Unwillkürlich blickte ich auf. Ihr Besitzer war groß und schlank und hatte dunkles kurzes Haar. Nett. Ich riss mich zusammen und lenkte meine Aufmerksamkeit wieder auf das Papiergewirr vor mir.
Ein wenig später ging das Scannen weiter. Nach weiteren zwei Kunden trat nun mein tapferer Retter vor.
Mehrere Artikel waren auf dem Band ausgebreitet.
Ein Block mit einer Bleistiftpackung in verschiedenen Stärken, von 6B bis 4H. Vermutlich zeichnete er gerne. Oder hatte er eine Freundin? Vielleicht war es auch ein Geschenk?
Als nächstes kam eine Zahnbürste. Na klar, jeder brauchte die. Oder bekam er Besuch?
Der Soundtrack von Amelie war das nächste Opfer meines Scanners. Eine gute Wahl. Nicht nur weil der Film wundervoll war, das Werk des Komponisten war einfach unschlagbar.
Einige Schreibblöcke lagen aufeinander gestapelt und warteten darauf, von mir erfasst zu werden. Studierte er? Oder schrieb er vielleicht gerne Geschichten? Hatte er schon Kinder? Nein, wenn ja, dann waren sie noch zu jung für die Schule. Aber kleine Geschwister vielleicht. Ich stellte mir vor, wie er mit einer kleinen Schwester, etwa acht Jahre alt, an der Hand zur Schule marschierte um sie abzusetzen und sie sich bei ihm beschwerte, dass ihre Blöcke alle waren.
Schließlich nahm ich das letzte Utensil zur Hand. Es war eine Dose Hundefutter. Was für einen Hund er wohl hatte? Man sagt ja, Hunde und Herrchen ähneln sich. Während ich der Maschine den Befehl gab, auch einmal ihre Arbeit zu tun und dabei inständig hoffte sie würde gehorchen, musterte ich den Menschen vor mir mit verstohlenen Blicken. Bestimmt war es ein größerer Hund, keine Fußhupe. Aber wer weiss, es könnte auch ein Mops sein. Wie war das nochmal? „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“ oder so.
„Einen schönen Tag noch.“, meinte mein Gegenüber, als er bezahlte und in der Menge verschwand. Ich blieb zurück, mich darüber wundernd, was für ein Hund wohl zu ihm passte. Egal, wahrscheinlich wollte er Igeln durch den Winter helfen.

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