Ausgerechnet Dienstags musste ich Dienst haben. Der laueste Tag der Woche. Aber irgendwie war es klar, der Supermarktleiter hatte mich schon von Anfang an auf dem Kieker. Zum Glück hatte ich mir vorher in der Kaffeepause ein Klatschheft am Kiosk gekauft, das würde ich jetzt an meiner Kasse lesen.
Es kam sowieso niemand vorbei.
Doch ich konnte genau ein Blick auf die Titelseite werfen: Stonelope Lane auf Crashkurs!
Und schon forderte der einzige Gast im ganzen Laden meine Aufmerksamkeit.
Unauffällig versuchte ich, das Heft über meine Oberschenkel auf den Boden gleiten zu lassen.
Aber es kam, wie es kommen musste.
„Na, nennt mich dieses Schmierenblatt wieder Stonelope?“
Erwischt, dachte ich noch und konnte nur stumm nicken.
„Sie sollten nicht alles glauben, was da drin steht.“, sagte Penelope Lane zu mir, lachte lauthals und entblösste dabei zwei Reihen weisser, gerader Zähne.
Sie begann, ihren spärlichen Inhalt aus dem Einkaufskorb auf das Band zu legen.

Zwei Kübel Schokoladeneiscreme, ich schaute mir ihren Körper näher an und fragte mich, wohin sie die wohl packen würde. In dieser schmalen Gestalt hatte doch nie so viel Eis platz. Oder war sie vielleicht zu einem Kindergeburtstag eingeladen. Doch diesen Gedanken verwarf ich schnell wieder. Sie und ihre Halbschwestern waren sich nicht gerade grün. Wahrscheinlich hatte sie das Eis aus demselben Grund gekauft, aus dem jede Frau Eis kauft. Nämlich abscheulich hässlichen Kummer.

Darauf folgte ein dickes Steak.
Komisch, ich hätte Penelope Lane nie als Fleischesserin eingestuft. Wenn ihr Mann für Alles Toni, die Sahneschnitte, bei mir vorbeikommt kauft er immer lauter gesundes Zeug und nur sehr selten Fleisch. Und wenn er Fleisch kaufte, hatte ich immer gedacht, dass es für ihn war und nicht für sie.

Als nächstes dann eine Flasche Rotwein. Gerade im Angebot.
Wahrscheinlich zum das Fleisch lecker zuzubereiten. Oder den Durst nach dem Essen zu löschen.

Dann eine Flasche Waldbeerenlikör
Jaaa, die Frau hatte wirklich Kummer.
Doch die blaue Schachtel, die auf dem Band angeruckelt kam, verwarf meine Einschätzung vollends.
Eine Packung Kondome, Super Sensual
Wer Kummer hatte, brauchte doch keine Kondome?
Oder brauchte sie Mut? Für was musste sich so eine wunderhübsche Frau denn Mut antrinken?
Junggesellinnenabschied?
Ja, das musste es sein. Damit sie etwas im Magen hatte das Steak, dann vorglühen mit Rotwein und Likör und für die Party für alle Fälle die Kondome.

Doch es kam noch eine Schachtel angefahren.
Beruhigungstee.
Wie um alles in der Welt kam man auf die Idee, sich billigen Beruhigungstee zu kaufen wenn man Geschäftsführerin eines medizinischen Institutes ist? Da würde doch wohl irgendwo ein Medikament rumliegen, dass einen beruhigen konnte.

Aber was weiss ich, ich war schliesslich nur eine kleine Supermarktkassiererin.
Ich verabschiedete mich höflich von ihr: „Auf Wiedersehen Frau Lane.“
„Ich glaube nicht, nächstes Mal kommt Toni wieder. Aber ich wünsche ihnen noch einen schönen Tag.“, sagte sie und rauschte davon.

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