Gabriel sah auf die Waffe in seiner Hand. Der Revolver rauchte und wog schwer in seiner Hand. Nur noch eine einzige Kugel war übrig.
Neben ihm stand der Kaplan, keuchend und die einst so glanzvollen Roben zerrissen und voller Blut.
„Töte das Monstrum! Bring die Gerechte Strafe des Hernn über die Bestie“ er spuckte die Worte förmlich aus.
Vor ihm kniete das Monster am Boden. Die Hände rot vom Blut seiner Brüder, außer Atem aber ansonsten vollkommen ruhig, sah sie ihn aus ihren Eisblauen Augen an.
Ihre Lippen teilten sich. Blut troff zu Boden als sie anfing zu Sprechen.
„Lass mich dir eine Frage stellen, glaubst du wirklich es ist das richtige was du tust? Glaubst du es ist deine heilige Pflicht Wesen auszulöschen die anders sind als du?“
„SCHWEIG BESTIE!“ Keifte der Kaplan.
Gabriel schüttelte den Kopf. Keine Verwünschungen oder Flüche. Das Monster sprach so ruhig zu ihm als würden sie gemeinsam spazieren gehen und nicht als hätte es gerade 2 seiner Brüder mit bloßen Händen zerrissen.
Seine Stimme war leise als er antwortete: „Der Nekromant den du beschützt, ist eine unreine Kreatur die die Seelen der verstorbenen versklavt. Wie kann man so ein Monster frei durch die Welt ziehen lassen?“
Das Monster lachte und hustete, Blut quoll aus seiner Seite, wo eine der Revolverkugeln ein großes Loch gerissen hatte.
„Du bist genau so wie die anderen ein braves kleines Schaf. Deine Hirten führen dich über eine Brücke zum Weideland und du läufst ihnen blind hinterher ohne zu sehen, dass deine Brücke aus Knochen erbaut ist. Lass mich deine Welt ein wenig aus den Fugen bringen kleines Lamm.“
„Lügen eines Dämons, nichts weiter. Jene wie wir die reinen Glaubens sind, sind taub für deine Ausflüchte“ höhnte der Kaplan. Die Falten in seinem Gesicht wurden tiefer als er das Monster auslachte.
Gabriel zögerte, warum redete er überhaupt mit diesem Ungetüm? Es war eine Bestie, die seine Ordensbrüder angefallen und bekämpft hatte als wäre sie der Hölle selbst entsprungen. Und doch in dem Augenblick in dem sie sah, dass sein Meister der Nekromant entkommen würde war sie ruhig geworden. Sie hatte sich einfach ergeben. So etwas tat kein blutrünstiges Monster. War dieses Wesen wirklich der Alptraum von dem der Bischof stets predigt?
„Der finstere Nekromant den du jagst ist ein 12 jähriger Junge. Ein Kind. Mein Enkel.Den ich vor euch Wahnsinnigen verstecken musste nachdem ihr seine Mutter kaltblütig ermordet habt.“
Gabriel wurde schwindlig. Die Hetzjagd, die Erpressungen und Drohungen, die Folter, all die grausamen Dinge die sie getan hatten um den Nekromanten zu finden kamen ihm zurück ins Gedächtnis.
„Hör nicht auf das Geschwätz der Bestie! Genug davon erschieß ihn. Schick ihn zurück in die Hölle!“ Keifte der Kaplan.
Der Blick des Monsters wurde wütend und seine Stimme so laut und erfurchtgebietend, dass selbst das Geschrei des Kaplans wie ein wispern klang.
„Ich mag vielleicht ein Monster sein. Aber glaubst du ich habe es mir ausgesucht? Ich wurde so geboren. Genauso wie mein Enkel. Er ist ein Kind ein unschuldiges Kind. Ich war Soldat, ich kämpfte für die Menschen und tat was ich tun musste um zu überleben. Im Austausch für die Sicherheit meiner Familie, habe ich hunderte andere Abgeschlachtet. Menschen wie Monster. Und warum? Weil es Befehle waren. Befehle die ich bis Heute bereue. Befehle die du kleines Lamm genauso ausführen willst wie ich damals.
Ihr sagt wir seien die faulen Früchte am Baum des Lebens. Verdorbene Fehlgeburten die nicht existieren dürften und den Baum töten. Rede dir das nur ein kleines Schaf. Am ende deiner Jagd wirst du nichts anderes sein als ein Kindsmörder.“
Der Kaplan setzte an zu sprechen.
„SCHWEIGT!“ Gabriels Stimme kam ihm auf einmal seltsam fremd vor.
„Stimmt es was er sagt? Haben wir ein Kind verfolgt?“
Der Kaplan sah ihn entsetzt an. Er begann zu stammeln. „Die Verdorbenheit kennt kein Alter,….der Dämon er zeigt sich…zeigt…sich in vielen Gestalten. Doch d-d-der Gläubige darf sich….von keinem Dämon täuschen lassen.“
Seine Augen zuckten panisch hin und her. Gabriel fühlte eine grausame Wut in sich aufsteigen.
Das Monster sah ihn an: „Jetzt hier in diesem Moment hältst du den Schlüssel für deine Scheuklappen in der Hand. Du hast die Wahl. Bleibst du weiterhin ein braves Schaf oder befreist du dich von deinen Scheuklappen und gehst deinen eigenen Weg?“
Der Revolver in seiner Hand zitterte. Seine Stimme kam von weit her.
„Wir haben einen Farmer mit Brandeisen gefoltert,weil er ihnen unterschlupf gewährt hat.“
Er sah dem zitternden Kaplan in die Augen. “ Ein junges Mädchen halb in einem Brunnen ertränkt, weil sie einem hungernden Essen gab“
Er richtete den Revolver langsam auf den Kaplan. „All diese Grausamkeiten, weil ihr uns erzählt habt wir würden ein Monstrum jagen. Weil ihr sagtet es wäre rechtens jene zu bestrafen die sich mit den unheiligen Verbünden“
Wut rauschte durch seinen Körper wie Adrenalin, Wut auf sich selbst auf seine Blindheit.
Der Kaplan stolperte und viel hin. Panisch versuchte er von Gabriel weg zu kriechen .“Hör nicht auf diese Lügen, das Kind ist böse es muss..“
Der Donner des Revolverschusses übertönte den Kaplan. Die Kugel traf ihn direkt in sein schwarzes Herz. Er zuckte noch einmal und blieb dann still.
Dann viel eine schwere Hand auf Gabriels Schulter. Panisch wirbelte er herum. Der Revolver war leer und das Monster ragte über ihm. Die eisblauen Augen starrten ihn an, seine Hände, große Pranken mit scharfen Fingernägeln, hielten gabriels Schultern fest.
Vor ihm stand ein Ungetüm, dass ihn mit einer einzigen geste töten konnte, Gabriel wollte um sich schlagen, sich und das Monster für seine Leichtgläubigkeit beschimpfen. Da fing das Monster an zu lächeln. Es war das freundliche Lächeln eines alten Mannes. Er drückte Gabriel fest an sich und als er anfing zu sprechen war seine Stimme sanft und leise.
„Ich danke dir“

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