Als Kay stehen blieb und ihren Blick über die Häuser schweifen ließ, musste sie feststellen, dass sie überhaupt nicht wusste, wo in aller Welt sie gelandet war. Ihr eigentliches Ziel war eine alte Brücke am Rande der Stadt gewesen, aber dieser Stadtteil war ihr völlig unbekannt. Es war eigentlich unmöglich, sich in dieser kleinen Stadt zu verlaufen. Kay holte eine zusammengefaltete Karte aus ihrer Strickjacke, faltete sie auseinander und versuchte verzweifelt ihren Standpunkt zu finden. Zumindest fand sie die Brücke, zu der sie ursprünglich wollte. Ganz in der Nähe war ein Wald, der durch den Fluss geteilt wurde. Kay suchte nach einem Straßenschild in ihrer Nähe, entdeckte aber nur einen Holzpfeil auf dem ein Schaf abgebildet war. Er zeigte nach links. Das muss dieser Wollladen sein, von dem ihr Onkel geschwärmt hatte, dachte sie. Sie fand es immer noch etwas seltsam, dass der Bruder ihrer Mutter so begeistert vom Stricken war. Aber er konnte es wirklich gut. Unbewusst fasste sie sich an den Schal, den sie trug, und den besagter Onkel ihr am Tag ihrer Ankunft als Willkommensgeschenk überreicht hatte. Er war wirklich lieb. Eigentlich konnte er gar nicht mit ihrer cholerischen Mutter verwandt sein, fand Kay. Sie schüttelte den Kopf. Es war jetzt wichtiger, erst einmal nach Hause zu finden. Sie war von rechts gekommen, also musste sie nur diesen Weg zurückgehen. Sie lief los und beschleunigte ihre Schritte, als sie es über sich donnern hörte. Panik stieg in ihr hoch. Sie hasste Gewitter. Es war den ganzen Tag über schon trüb und grau gewesen, aber mit einem Gewitter hatte sie nicht gerechnet. Kay steigerte ihr Tempo und ihr Rock flatterte um ihre Beine. Ein Tropen klatschte auf ihren Kopf. Sie zuckte erschrocken zusammen und schaute nach oben. Klatsch. Ein weiterer Tropfen fiel auf ihre Wange und lief über ihr Gesicht. Der Himmel schien sich förmlich über ihr zu öffnen und ein Platzregen ergoss sich über die Straßen. Kay rannte los und suchte panisch nach einer Möglichkeit, sich unterzustellen. Links von ihr zweigte sich die Straße in eine schmale Gasse, in die das Mädchen einbog, um sich wenigstens ein bisschen vor dem Schauer zu schützen. Völlig außer Atem lehnte sie sich an das nasse Gemäuer und atmete tief durch. Als sie aufblickte, fiel ihr eine kleine, dunkelbraune Holztür ins Auge, über der ein Schild mit dem Schriftzug ‚Café Petorica‘ prangte. Kay runzelte die Stirn. Ein Café? In dieser kleinen Gasse? Über ihr donnerte es erneut und Kay stieß einen erschrockenen Schrei aus. Intuitiv lief sie auf die Holztür zu, stiegt ein paar Treppenstufen nach unten, griff nach dem Türknauf und öffnete die Tür.

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