Meine Welt bricht in einem einzigen Augenblick in tausende von unzählbaren Teilen. Was habe ich getan?
Und noch viel wichtiger: Wird er wissen, dass ich es getan habe?
Ich betrachte den Baum vor meinem Fenster, dessen Äste sich in dem Sturm biegen, der dort draußen tobt. So ungefähr läuft das mit meinem Leben. Ich versuche standhaft zu bleiben und das Richtige zu tun, aber von überall zieht und zerrt man an mir, dass mir nur zwei Möglichkeiten bleiben: Entweder verbiege ich mich wie dieser Baum, um nicht umzufallen oder ich nehme mein Schicksal in die Hand und tue einmal etwas aus eigener Initiative heraus. Tabitha hat Recht. Sie behandeln uns nicht gut und es wird Zeit, dass wir uns das nicht länger gefallen lassen. Ich bin zwar sicher, dass sie das so nicht gemeint hat, aber das ist jetzt auch schon egal.
„Sie haben Pfeile, weißt du?“, sagt Tabitha in diesem Moment und mir fällt auf, dass ich sie ganz vergessen hatte. „Pfeile und Messer und Schleudern. Ich glaube nicht, dass wir wirklich eine Chance haben. Dass die Anderen nicht mit uns rechnen, ist wahrscheinlich unser einziger Vorteil.“
„Ja …“, sage ich lahm, „Was das angeht …“ Ich will es ihr erzählen, wirklich, aber es geht nicht. Ihr Gesicht ist ein einziges Fragezeichen.
„Was ist los, Elli?“, fragt sie misstrauisch.
„Ich … ich habe …“
„Ja?“ Das Wort ist kurz und scharf und fährt wie ein Blitz durch meinen Kopf.
„Ich habe das Gefühl, dass er mich nicht mehr liebt.“ Uff. Glatt gelogen, aber besser als die Wahrheit. Plötzlich bin ich gar nicht mehr sicher, ob sie im Zweifelsfall wirklich auf meiner Seite stehen würde.
„Ach, du bist ein Schaf, Elvea!“ Tabitha schüttelt unwirsch den Kopf. „Vielleicht ist er nur gestresst. Versuch eine Brücke zu ihm zu finden. Ihr müsste euch endlich aussprechen.“

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