Alles außer Schlüsselloch

Der Bus fährt ruckelnd über den bergigen Weg entlang. Ein Schild an der Seite weist auf Straßenschäden hin und ich frage mich, warum sie uns davor warnen. Ist ja nicht gerade so, als würde man das nicht bemerken.
Ich sitze schon viel zu lange in diesem Bus und meine Beine tun vom angewinkelten Sitzen weh. Es wäre sicher schön, sie auszustrecken, aber der Typ vor mir hat seine Lehne so weit nach hinten geklappt, dass ich kaum genug Platz habe, um normal dazusitzen. Auf seinem schwarzen Rucksack sind Schildkröten aufgedruckt und ich frage mich, was die Psychotante, zu der meine Eltern mich geschleppt haben, wohl da hinein interpretieren würde. Draußen tobt ein Gewitter, das Krachen ist Ohrenbetäubend und in regelmäßigen Abständen zucken grelle Blitze über den Himmel. Mittlerweile dämmert es und so einsam wie die Gegend hier ist, fühlt es sich fast apokalyptisch an. Eine Weltuntergangs-Situation, wie Heather sagen würde. Vor dem Fenster sind Schafweiden, aber keine Schafe zu sehen, eine hübsche Brücke und eine Menge Bäume. Die konnten nicht flüchten, sie sind den orkanartigen Böen schutzlos ausgeliefert. Fast wie ich. Ich frage mich, welche Umstände sie schon überstanden und was sie schon alles gesehen haben. Gibt es öfter Mädchen wie mich, die einfach so in einen Bus steigen, der dann diesen Weg entlang fährt? Mein Atem beschlägt die Scheibe und ein Herz wird sichtbar, das scheinbar jemand gemalt hat, der vor mir hier saß. Es wird von einem kleinen, aber sehr detailgetreuen Pfeil durchbohrt und ich weiß genau wie es sich gerade fühlt.
Ich habe eine Frage. Auf dieser Welt gibt es millionen von Mädchen – warum trifft es ausgerechnet mich? Ich meine, das ist wie in einem schlechten Film. Das einzige, was mir zu hoffen bleibt ist, dass mein Leben – wie diese Filme – vielleicht auch ein Happy End haben wird.

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