Emily spazierte durch den Grasecker-Park. Sie liebte diese Umgebung, vor allem die kleine Brücke, die über den Bach führte. Oft stand sie am Ufer und blickte den Lauf des Baches hinaus. An diesem Tag entdeckte sie eine Herde Schafe, die weiter oben am Ufer grasten. Die wolligen Tiere standen eng beeinander, glucksten und frasen das frische, grüne Gras.
Plötzlich zischte etwas vor Emilys Kopf vorbei. Haarscharf! Beinahe wäre sie getroffen worden. Wovon eigentlich? In dem Baumstamm am Ende der Brücke fand sie die Lösung. Ein Pfeil steckte zwischen den dicken Rindenstücken. Wer den wohl abgeschossen hatte? Sie blickte in die entgegengesetzte Richtung. Dort stand ein junger Mann. Er trug lilafarbene Strumpfhosen und einen seltsamen Umhang um die Schultern. In den Händen hielt er einen Bogen. Auf seiner Brust leuchtete ein hellgelber Blitz. War Karneval nicht schon längst vorbei?
„Sorry, ich wollte dich nicht treffen. Bin noch nicht so geübt.“ Der Action-Held sprach.
„Was machst du hier? Und was soll dieser komische Aufzug?“
Emily zeigte auf sein Kostüm.
Der junge Mann kratzte sich am Kopf. „Ich habe eine Wette verloren.“
„Eine Wette?“ Emily verschränkte ihre Arme vor der Brust und zog die Augenbrauen hoch.
„Ja.“ Der junge Mann druckste herum. „Das ist echt so peinlich. Meine Kumpels und ich haben ein Wettlaufen veranstaltet. Aber nicht, was du vielleicht denkst.“
„Und was denke ich denn?“ Emilys Augenbrauen rutschten immer höher Richtung Haaransatz.
„Naja, nicht wir sind gerannt, sondern unsere Schildkröten.“
„Schildkröten? Pah.“ Emily stützte ihre Arme auf dem Brückengeländer ab und blickte in die Tiefe. Sie lauschte dem Rauschen des Wassers. Der junge Mann näherte sich ihr, stellte sich neben sie.
„Meine Schildkröte hat das Laufen verloren. Und mein Einsatz war, dass ich einen Tag als Superheld verkleidet im Park herumrenne.“
Emily schaute ihn mit großen Augen an. Dann prustete sie los. Sie hielt sich den Bauch, so sehr schmerzte das Zwerchfell vom Lachen. Mit der Hand schlug sie immer wieder auf das Brückengeländer.
Der junge Mann starrte sie an.
Als Emily sich ein wenig beruhigt hatte, richtete sie sich auf. „Ich glaub, darauf brauch ich jetzt einen Cocktail. Kommst du mit?“

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