Sehr geehrter Geschäftsführer,

soeben durch eine Anzeige auf ihren Friseursalon „Haarscharf“ aufmerksam geworden, komme ich nicht umhin, mich sofort bei Ihnen um eine Stelle zu bewerben. Damit es nicht zu Missverständnissen und Peinlichkeiten Ihrerseits kommt, will ich sofort klarstellen, dass ich keiner affrösen Person ihre Haaren waschen, färben oder anderweitig frisieren werde. Einzig die Verlockung, stundenlang eine Schere in der Hand zu halten, treibt mich zu dieser Bewerbung. Ich bin ganz ehrlich zu Ihnen: Ihr Beruf ist bemitleidenswert. Mag ja sein, dass Sie ihn mit einem gewissen Enthusiasmus begonnen haben, doch Ich bezweifle, dass er Ihnen gedeihlich und förderlich erscheint. Ich bewerbe mich nicht, um Sie bei Ihrer deplorablen Arbeit zu unterstützen. Jede Schere in Ihrer Hand ist eine Schandtat. Ich werde Sie läutern, ich werde Ihnen ganz neue Wege und Möglichkeiten eröffnen, ich werde dafür sorgen, dass Sie es verstehen. Sie werden lernen, Ihre edlen Instrumente zu honorieren. Dieses form- und feingeschleifte Eisen, welches in der Asche erglüht, verhärtet und alles Menschliche widerstandslos mit solch einem bezauberndem Geräusch zerschneidet. Oh, Sie werden lieben wie es schneidet. Nicht nur irgendwelche langen Hornfäden aus Keratin, die Sie als „Haare“ bezeichnen. Es steckt ja soviel mehr Potenzial in einer Schere. Aber das werden Sie bald alles verstehen. Sie werden es alles ausprobieren können. Es kommen ja täglich genug Versuchsobjekte zu Ihnen.

Hiermit verabschiede Ich mich vorläufig von Ihnen.

Ich freue mich darauf, Ihr Lehrmeister und Tutor zu sein.

Ich sehe es nicht als notwendig, meine Anschrift oder meinen Namen zu hinterlassen, Sie werden ohnehin schon bald von mir hören.

Mit freundlichen Grüßen, hochachtungsvoll, Leben Sie recht wohl, einen schönen Tag noch.

Scl

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