Am Schalter saß eine gelangweilte Frau, die kurz zu mir aufblickte und mich fragte, was ich wollte.
„Mein Name ist Lilith Amato. Ihr Vorgesetzter hat mir einen Termin für ein Bewerbungsgespräch gegeben“, antwortete ich kühl. Meine Zeit war zu wertvoll, um sie an dieser demotivierten Sekretärin zu verschwenden. Sie tippte etwas auf ihren PC ein und suchte nach etwas. Erst jetzt sah ich, dass die Frau so aussah, als könnte sie drei Tage Schlaf gebrauchen und tat mir ein Stück weit leid. Aber naja, was hätte ich schon machen können?
„Okay, einfach die Treppe hoch und zum Ende des Ganges gehen.“
Ich bedankte mich, nahm meine Tasche wieder auf und machte mich auf dem Weg. Beinahe war ich so nervös wie bei einem echten Bewerbungsgespräch, was mich gleichzeitig verwunderte und belustigte. „Reine Routine“ hatte er gesagt. Wenn ich seine Unterstützung haben wollte, brauchte ich auch die seiner Kollegen. Ich war mir sicher, dass es ein Leichtes sein würde, schließlich war ich mehr als qualifiziert.
Ich klopfte und öffnete nach einem „Herein!“ die Tür und trat in einen sterilen Raum, in dem ein langer Tisch stand. Hinter ihm saßen drei Figuren – mein zukünftiger Geschäftspartner, ein älterer Mann und eine junge, ernste Frau. Alle drei blickten mich an und mein Partner, welcher in der Mitte der anderen beiden saß, stand auf um mich zu begrüßen. Ich erwiderte die Begrüßung und schüttelte allen drein fest die Hand und setzte mich gegenüber meines Partners.
Wir wechselten ein paar Worte und das „Bewerbungsgespräch“ begann. Ich kramte in meiner Tasche und reichte dem Mann rechts von mir meine Mappe.
Er sah wie ein gutmütiger Mensch aus, stellte ich fest. Als er die Seiten durchblätterte, nickte er zwischendurch. Er gab die Mappe weiter an meinen Partner, der sie kurz durchflog und sie schließlich der Frau gab. Sie sah am ernsten aus, während sie konzentriert und genau durchblätterte. Diesen Moment nutze ich aus, um flink in meine Tasche zu greifen und ich holte heimlich einen kleinen Brief der Organisation hervor, welchen ich unter den Tisch fallen ließ. Schließlich war dies eine perfekte Gelegenheit, um meinen Partner über die neusten Handlungen der Organisation zu informieren. Der Mann in der Mitte ließ „versehentlich“ einen seiner Stifte fallen, bückte sich unter den Tisch und sackte den Brief heimlich ein. Als die Frau fertig mit dem Lesen meiner Mappe war, blickte sie zu mir auf. Ihr strenger Blick durchbohrte mich förmlich. Ich mochte sie. Sie sah wie jemand aus, der das Problem beim Schopf fasst.
„Ihre Unterlagen sehen nicht schlecht aus“, stellte sie mit kalter Stimme fest. „Im Gegenteil!“, fügte der ältere Herr freudig hinzu und lächelte mich an. Die Frau sah sichtlich genervt von ihrem älteren Kollegen aus, was mich fast zum Lachen brachte, als ich die beiden sehr gegenteiligen Personen betrachtete – die eine kalt und ernst, der andere warmherzig und gelassen.
„Nun gut, Frau Amato. Wir werden uns beraten“, führte die Frau schließlich fort. Es kam mir so vor, als wäre sie die heimliche Leiterin, da die anderen beiden sie gespannt anguckten.
„…aber wir werden uns auf jeden Fall bei Ihnen melden.“
Sie stand auf und die anderen beiden machten es ihr gleich. Wieder schüttelte ich einem nach dem anderen die Hand, wobei die Frau wieder den festesten Händedruck hatte. Ich hoffte, dass der Vorstand sich früher oder später der Organisation anschließen würde, denn schließlich sahen doch alle drei wie sehr fähige, kompetente Menschen aus. Aber das lag nicht mehr in meiner Hand. Ich blickte ein letztes Mal auf den Mann in der Mitte, welcher mir ein selbstbewusstes Grinsen entgegnete. Ich fühlte, dass die Organisation auf ihrer Mission heute ein riesiges Stück weiterkam.
Bald würde ich mein Ziel erreichen. Veleda sollte sich vorsehen.

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