Neulich bei der Arbeitsvermittlung:
Ein Mann kommt durch die Tür, die viel zu große Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Er läuft an den anderen Wartenden vorbei, die ihm wie selbstverständlich Platz machen. Erst vor dem Schalter, hinter dem eine untersetzte Frau mit dicker Brille sitzt, hebt er den Kopf und man erkennt einen Teil seines Kopfes. Fest zusammengepresste Lippen, ein stur vorgerecktes Kinn. Nur schemenhaft sind seine Augen zu sehen, aber ein seltsamer Glanz geht von ihnen aus.
„Hier wird nicht vorgedrängelt. Stellen Sie sich hinten an“, sagt die Frau hinterm Schalter ohne aufzusehen.
„Nein!“
„Hier wird getan, was ich sage.“ Sie schaut auf und zuckt unmerklich zusammen. Als der Mann antwortet, schluckt sie gequält.
„Ich tue nie was andere sagen.“ Dabei funkeln seine Augen fiebrig.
Sie nickt und tippt nervös auf ihrer Tastatur herum, ehe sie ihm eine Adresse und Namen nennt.

Bei der Autorin:
Autorin sitzt angespannt am Laptop. Sie braucht einen Antagonisten, aber irgendwie will sich nicht der richtige bei ihr melden. Plötzlich knackt es, im nächsten Moment geht die Haustür auf. Die Autorin ist sich aber sicher, dass sie abgeschlossen hat. Und dann steht er auf einmal im Raum. Groß und unheilversprechend. Irgendetwas an seinem Gesicht irritiert die Autorin, als sie ihn mit offenem Mund anstarrt, völlig in ihrer Position eingefroren und unfähig sich zu bewegen.
Das ist er, schreit ihr Inneres. Das ist ihr Antagonist.
„Ich bin hier, weil du mich brauchst.“ Was für eine Stimme! Und dieses Gesicht…
Die Autorin starrt weiter mit offenem Mund. Innerlich hat sie die Panik fest im Griff.
„Aha“, bringt sie über die Lippen.
Der Mann, dessen weite Kapuze auf seiner Stirn liegt und somit nur den Blick auf sein seltsam schönes Gesicht preisgibt, kommt näher.
„Ich bin der Richtige für diesen Job.“
Ohne über ihre Worte nachzudenken, erwidert die Autorin (und ist selbst über sich erschrocken – Wie kann sie es nur wagen, so mit diesem Kerl zur reden? Er ist gefährlich!): „Das sagen sie alle.“
Besagter Mann zieht die Brauen fast unmerklich hoch. Seine Augen funkeln bedrohlich und eine Gänsehaut überkommt die Autorin. Er beugt sich vor, wobei diese Augen immer schwärzer werden: „Du willst mich!“
Die Luft bleibt ihr weg. Sie antwortet ganz fiepsig: „Okay.“
Auf einmal lächelt der Mann. Es ist ein warmes, ganz herzliches Lächeln. Er wirft die Kapuze zurück und schmeißt sich neben die Autorin auf die Couch.
„Dann hätten wir das ja geklärt!“

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