Sehr geehrtes Personalmanagement-Team,

mein Name ist Senesco und ich habe durch zuverlässige Quellen erfahren, dass Ihr Dienstleistungsbetrieb Vita Bona einen neuen Abteilungsleiter im Bereich Fertigung sucht.
Meine Präferenzen sind ausgezeichnet; ich lernte in den besten Betrieben und von absoluten Profis auf dem Gebiet der teilweisen Stilllegung, Bekämpfung und Zugrunderichtung von altgewordenem Rohmaterial.
Ich kann Ihnen versichern, dass Ihr bestehender Kundenstamm in meinen Händen gut aufgehoben und betreut ist und ich mich auch nicht davor scheue, schnell neue Kontakte zu knüpfen. Kontakte lassen sich auf den unterschiedlichsten Ebenen ausmachen, ich möchte Ihnen ein kurzes Beispiel aus meinem Erfahrungsschatz schildern:
Es war im Sommer vor zirka drei Jahren, die Luft war heiß und schwül, Staub legte sich auf die Lunge, sobald man eingeatmet hatte. Ich war gerade freischaffend im Außendienst tätig und verbrachte meine Mittagspause verspätet auf einer Parkbank. Um mich herum war es recht still, selbst die Vögel waren zu matt zum Singen, nur das Geräusch vorbeihetzender Autos drang an mein Ohr. Während ich in ein trockenes Baquette biss und mich ein wenig ärgerte, dass ich dafür beinahe drei Euro ausgegeben hatte, erblickte ich zwei Personen. Sie kamen langsam und behäbig auf meine Bank zu, eine ältere Dame mit Gehstock und ein Herr. „Entschuldigen Sie, würde es Sie stören, wenn wir uns zu Ihnen auf die Bank setzen würden? Meine Frau ist zu erschöpft, um weiterzugehen.“ Die Stimme des Herrn klang freundlich. Selbstverständlich hatte ich nicht das Geringste dagegen, und so nahmen die beiden Herrschaften im staubigen Schatten des Nachmittags Platz. Wir fanden ohne Umschweife in ein lockeres Gespräch, die beiden waren mir sehr sympathisch. Nach einer guten Stunde stellte der Herr mit einem Blick auf die Uhr fest, dass es für sie an der Zeit war, nach Hause zu gehen, seine Frau dürfte inzwischen erholt sein. Ich erhob mich und bat ihnen an, sie mit dem Auto zu fahren, der Weg wäre doch sehr beschwerlich. Die Dame strahlte, ihre Augen leuchteten richtig und ich konnte sehen, dass sie erleichtert war. Zu mühsam erschien ihr der Heimweg, zu schwer die Beine, zu warm die Luft. Ihr Atem ging etwas rasselnd, sie keuchte bei der kleinsten Bewegung.
„Sehr gerne!“, erwiderte der Herr. Zusammen stiegen wir in meinen Wagen, innerlich triumphierte ich, wie Sie sich sicher denken können, denn gerade hatte ich zwei Kunden gewonnen, noch dazu in meiner Mittagspause. Ich fuhr sie zu der Adresse, die mir der Herr nannte, kaum dass sie aus dem Auto gestiegen waren, notierte ich mir Straße und Name der beiden. Regelmäßig kam ich nun, um meine Fortschritte zu überprüfen und ich muss sagen, bisher bin ich mit meiner Arbeit zufrieden. Es geht mal langsam, mal schneller, mal rasant, aber stetig bergab. Mein Können schlägt erbarmungslos zu, nur manchmal habe ich den Ausdruck der älteren Dame vor Augen. Doch das Schicksal, meine Arbeit, kann niemand aufhalten und ich verstehe mich in meinem Handwerk.
Sie sehen also, dass ich ein Freund der Situation bin und dann zu handeln weiß, wenn sich mir eine Gelegenheit bietet, und sollte sie noch so klein sein. Ich schlage zu, wenn man am wenigsten damit rechnet und gerade das macht mich für Ihren Betrieb im Bereich der Fertigstellung so unverzichtbar.
Hochachtungsvoll, Senesco

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