Ich habe nie zuvor darüber nachgedacht, was Glück für mich bedeutete. Warum auch? Ich war immer mit dem zufrieden gewesen, was ich gehabt hatte… bis es mir genommen wurde.
Ich war glücklich gewesen, wenn Vater mich in die Arme genommen hatte, wenn Mam leise fluchend mein völlig verknotetes Haar versucht hatte zu kämmen, wenn Aiden und Akin mich mal wieder auf ihre brüderliche Art herausgefordert hatten. Doch keiner aus meiner Familie war jetzt hier. Nur er!
Warum war ich dennoch in diesem Moment glücklich? Warum kribbelte es in meinem Bauch wie in einem Ameisenhaufen? Warum zauberte es mir ein verstecktes Lächeln auf die Lippen, wenn er sich an mich heran stellte um mir zu demonstrieren, wie ich die Aufgabe besser lösen konnte? Jede Berührung, sogar jeder Blick… seine bloße Anwesenheit machten mich glücklich. War es, weil er mir versprochen hatte, meine Familie zu finden? Weil er mir zeigte, wie ich mich gegen die Gefahren, die draußen lauerten, wehren konnte? Ich hatte keine Ahnung. Irgendetwas hatte sich seit dem ersten Tag unserer Begegnung verändert. Er hatte sich verändert, und ich mich eventuell auch.
Vielleicht war ich auch nur glücklich, weil ich endlich eine Aufgabe und ein Ziel hatte. Endlich lebte ich nicht mehr nur um zu überleben, sondern auch um eine Zukunft zu haben.

Tränen kullerten über meine Wangen, während ich ein erleichtertes Seufzen von mir gab. Es war eine Achterbahn der Gefühle. Gerade eben hatte ich noch geglaubt, er sei tot. Nun lebte er. Wie ein unbezwingbarer Koloss stand er zwischen all seinen Kameraden und ließ sich hochloben. Sie freuten sich ebenso wie ich, dass er noch lebte.
Plötzlich wandte er sich von ihnen ab und kam direkt auf mich zu. Sein Blick fing meinen und für einen Moment war es, als würden nur wir zwei existieren. Mein Herz pochte schneller, meine Hände zitterten. Doch bevor ich reagieren konnte, hatten sich seine Lippen auf meine gelegt und die ganze Welt hörte auf sich zu drehen. Dieser Augenblick jagte mir eine solche Angst ein, dass ich mich haltsuchend an ihn klammerte. Ich hatte Angst. Schreckliche, ungezähmte Angst. Ich weinte und lachte zugleich. Wollte ihn von mir schieben und ihn zugleich nie wieder loslassen. Ich hatte Angst, ihn zu verlieren. Angst, noch einmal zu glauben, er sei tot. Angst, dass es irgendwann wirklich so wäre. Und dennoch war ich glücklich. Glücklich, dass er lebte! Ihn zu küssen, zu schmecken, so dicht an mir zu spüren.

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