Tag 9: Was ist eigentlich Glück?

Die Maschine spuckte mit einem leisen Fauchen den letzten Rest Milchschaum auf den Becher. Mit der Tasse in der Hand setzte Juliane sich auf den breiten Sims am Wohnzimmerfenster. Bevor sie den ersten Schluck trank atmete sie den Duft des Kaffees tief ein. Während sie ihren Cappuchino trank wurde es draußen langsam hell. Die Fassaden wechselten ihre Farbe von einem verwaschenen dunklen Beige zu einem strahlenden weiß in der strahlenden Morgensonne. Juliane lächelte und atmete tief durch. Sie war angekommen in ihrem neuen Zuhause. Sie fühlte sich glücklich und geborgen.

Tag 3: An der Supermarktkasse

Noch fünf Minuten bis zur Mittagspause. Ich muss mich beherrschen, nicht auf meinem Stuhl hin und her zu zappeln. Das wäre sicher auch keine so gute Idee. Seit ich in der Einkaufswelt an der Kasse sitze ist er kaputt und rasselt nach unten wenn man sich heftig bewegt.
Meine Gedanken schweifen zu dem Thunfisch- Käse- Sandwich und dem heißen Tee, die in meinem Schrank auf mich warten. Und ein Telefonat. Mit ein wenig Glück habe ich heute Abend ein Date.
Die ersten Artikel meiner nächsten Kundin liegen am Scanner. Ich grüße ohne aufzusehen und ziehe eine Flasche Rotwein über den Scanner. Dann noch eine. Eine Packung Schokoküsse, drei Tafeln Trauben- Nuss Schokolade. Wieder eine Flasche Wein. Diesmal ein Weißer. Mehrere Tüten Chips. >Entweder wird das eine Superpartyoder hier hat jemand verdammt schlimmen Liebeskummer.> Ich schaue vom Warenband hoch und sehe die dunklen Gläser einer Sonnenbrille. >Okay, Liebeskummer<, beinahe hätte ich es laut ausgesprochen. Wir hatten März und draußen regnete es in Strömen. Ich lächle die Frau an, die ich schon einige Male an der Kasse hatte. Sie schmeißt ihre Einkäufe in den Wagen und verzieht kurz den Mund. Es soll wohl ein Lächeln sein. Während sie mit ihrer EC- Karte zahlt überlege ich, was ich ihr sagen kann, dass sie aufheitert. Aber mir fällt nichts ein.

Tag 2: Es war einmal …

Es war einmal eine junge Frau, die hieß Juliane. Mit dem Mann ihrer Träume wohnte sie in einem schönen großen Haus. Jeden Tag kochten sie gemeinsam und redeten bei einem Glas Wein über alles mögliche. Sie machten Urlaub und Pläne. Eines Tages aber beschloss der Mann ihrer Träume, dass ihm dieses Leben nicht mehr genügte. Deshalb suchte er sich eine junge Freundin und holte seine Jugend nach, wie er es nannte. Deshalb krempelte auch die junge Frau ihr Leben um. Bis schließlich etwas Neues in ihr Leben trat. Stolz. Darauf, etwas allein geschafft zu haben und selbständig zu sein. Und so fand sie auch etwas. Sich selbst.

Tag 1: Brief an die Zukunft

Liebe Andrea,

ich würde ja gern wissen wann Du diesen Brief liest. Sind die Kinder groß und aus dem Haus? Bist Du noch verheiratet? Vielleicht sogar mit dem gleichen Mann wie jetzt? Ich hoffe es sehr. Denn ehrlich, wir hätten es schlimmer treffen können. Aber ich schweife schon am Anfang meines Briefes ab.
Was ich eigentlich fragen will ist: Hast Du es geschrieben?
Wenn Du dich jetzt fragst, was zur Hölle ich meine hast Du im Laufe der Jahre etwas sehr wertvolles verloren.
Vielleicht lehnst Du dich auch lächelnd auf de, Sofa oder am Schreibtisch zurück und siehst zum Bücherregal, wo ES steht. Dein Buch!
Das Buch, das jetzt bereits seit Jahren in meinem Kopf herumtanzt. Immer wieder. Manchmal ist es im Hintergrund und ganz leise. Manchmal ist es direkt hinter meiner Stirn und will raus. So sehr, dass ich es kaum erwarten kann mich an den Rechner zu setzen und es heraus zu lassen.
Und dann kommt wieder etwas dazwischen. Ich habe schon einige Male versucht von Susa und Coco zu erzählen, und dann doch wieder aufgehört. Es hat sich immer falsch angefühlt. Es gab andere Geschichten, die ich geschrieben habe. Protagonisten, die mir ans Herz gewachsen sind und die ich gern in die Welt entlassen habe. Aber diese Geschichte ist noch in mir.
Ich wünsche mir sehr, dass Du sie geboren hast.
Schreib mir doch bitte postlagernd.

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