Tag 29: Die Vorahnung

Dies ist das Vorahnungselement meiner Geschichte:
Träume

Und so stelle ich mir vor, das Element in meiner Geschichte einzubauen:
Jaja, ich weiß, das ist ein Klassiker. 😀
Meine Figur träumt immer wieder in Anspielungen von einer Szene, die sich erst später in Gänze zeigt.

Tag 28: Der Zwilling

Sie kauert in einer schüchternen Haltung am Tisch, als wäre sie bei einer völlig Fremden. Genauso, wie ich es wahrscheinlich getan hätte, wenn ich sie wäre. Ihre Gestik erscheint mir wie ein Spiegel, so dass ich plötzlich auch nervös werde.

„Nimm dir ruhig.“, sage ich.

Sie holt ein Brötchen aus dem Korb, schneidet es auf, schmiert mit zittrigen Händen Butter und Honig darauf und beißt hinein. Nach ein paar Minuten frage ich: „Was führt dich her?“

Hinter dem Brötchen zeigt sich flüchtig ein Gesicht. Sie lächelt breit und etwas unbeholfen: „Mum ist tot. Und Dad auch. Die Briefe vom Amt kamen immer wieder zurück, also hab ich irgendwann gedacht, ich geh dich suchen und sag es dir persönlich.“

Ich lasse die Hand auf dem Weg zum Brötchenkorb sinken.

„Wirklich? Was ist denn passiert?“, frage ich, blass.

„Tu doch nicht so geschockt.“ Hinter dem Brötchen erscheint wieder das Grinsen. Mein Grinsen, an einer völlig Fremden.

„Tu du doch nicht so, als würde dich das freuen.“, schreie ich.

„Tu du doch nicht so, als würde dich das wirklich mitnehmen.“, antwortet sie. Brösel spritzen, als sie in das Brötchen beißt.

„Was ist denn passiert?“ Ich wende mich von ihr ab, ihre Ruhe macht mich wütend.

„Nichts… Ganz friedlich alles. Mum hat ihm einfach abends sein Beruhigungsmittel gegeben. Nur vielleicht ein bisschen zu viel. Dann hat sie es selber auch genommen. Vielleicht war sie nervös. Auf jeden Fall, am nächsten Morgen: Beide tot. Ich bekomme den Anruf als erste, weil ich sie bei mir ja wissen, wo ich wohne. Dich haben sie ja nicht erreicht. Keiner weiß, wo du steckst. Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“

„Beide tot?“, wiederhole ich schockiert.

„Ja.“, sagt sie: „Na gut, ich gebe zu, am Anfang war ich auch mehr so wie du. Aber mittlerweile denke ich, dass es vielleicht das beste gewesen sein könnte.“

Sie wird auf einmal ganz ruhig und verträumt.

„Weißt du noch, wie wie als Kinder immer diese billigen instant Nudelsuppen gegessen haben, wenn Mama und Papa wieder nicht da waren?“, fragt sie:
„Die Suppen waren in einer Tüte eingeschweißt und in der Tüte waren wiederum kleine Tüten mit Gewürzen, Geschmacksverstärkern und Gemüseextrakt. Wir haben dann so getan, als würden wir kochen. Eine hat immer die Mama gespielt, die Tütchen aufgemacht und ins heiße Wasser geworfen. Die andere war das Kind und hat es kommentiert: Das da sind die Nudeln, das das ist das Curry, das das ist Lecker.
So nannten wir das Glutamat in dem einen Tütchen, weißt du noch?
Diese weißen, kleinen Kristalle haben wir uns manchmal gegenseitig aus der Hand geleckt, wenn wir gespielt haben, dass wir Ziegen seien, die Salz bräuchten.“

Sie beißt in ihr Brot, als habe sie lange nichts ordentliches mehr gegessen:
„Eigentlich waren wir die meiste Zeit unsere eigenen Eltern, meinst du nicht auch?“

Tag 26: Das Blatt der Zeit

Mein zufällig gewählter Textabschnitt ist aus dem Buch: »Eldest (Eragonreihe)« (S. 453, Z. 10 ff).

Gegenwart, Es gibt drei Personen, das Genre ist Fantasy. Offenbar wird bald ein Fest stattfinden. Die Zeit wird stark gestrafft. Eragon erzählt in rascher Folge von verschiedenen Ereignissen.
Man könnte diesen Absatz stark verlängern, wenn Eragon die Geschichten breit ausschmücken würde.

Tag 10: Das erste Aufeinandertreffen

„Das geht schnell vorbei.“, stellt Mike beschwichtigend fest.

„Passiert das öfters?“, frage ich verunsichert.

„Ist mir schon zweimal passiert.“, gibt er lapidar zu.

„Wir sind doch noch nicht so lange in dem Gebäude.“

Jetzt sage ich auch schon ‚wir‘. Dabei war ich noch nie dort. Mike hat die Maschinen ohne mich einräumen lassen. Ich habe ihm lediglich gesagt, wo das Bett stehen soll und dabei geholfen, die Farbe der Vorhänge auszusuchen.

„Die reparieren das bestimmt bald.“, erwidert Mike jetzt fast gereizt.

Ich frage nicht weiter.
Also ist doch das Geld der Grund, weswegen wir hier sind. Und nicht, wie Mike es mir vorgeschwärmt hat, die herrlich zentrale Lage.
Er hätte nie eine Wohnung in einem Gebäude mit einem defekten Aufzug gewählt, wenn er etwas anderes hätte haben können.

„Wie läuft das jetzt ab?“, will ich wissen.

Ich sinke in der einen Ecke auf den Boden. Mike lehnt an der Wand, als dürfe er jetzt erst recht keine Schwäche zeigen. Als wäre das ein eigener verdammter Aufzug, der er vor meiner Kritik in Schutz nehmen muss.

„Wir drücken jetzt diesen Knopf. Dann dauert es nur noch fünf Minuten und der Hausmeister kommt.“

„Wir sind doch zwischen den Stockwerken?“

„Das täuscht. Wir sind etwa einen Meter unter der eigentlichen Tür. Wenn der Hausmeister die aufbricht, dann müssen wir uns nur ein bisschen hochstemmen und kommen raus.“

Ich merke eine unterdrückte Wut hinter der scheinbaren Gelassenheit.
Das ist nicht der Mike, wie ich ihn aus der Universität kenne. Dieser hätte sich bei der Zentrale beschwert und die nächsten Mittagessen über nichts anderes fluchen können, als über die Inkompetenz der Verwaltung.

Der jetzige Mike ist still und zittert innerlich vor Ärger.
Weil er keine Wahl hat.

Ich lege den Kopf zwischen die Knie und schließe die Augen. Der Raum dehnt sich aus. Ich bin nicht im Aufzug, ich bin mitten im Universum, in der Nachtschärze. Sterne ziehen an mir vorbei.

„Versuchst du’s wieder?“, fragt Mike kalt.

Meine Augen blinzeln, ohne dass ich es will.

„Versuchst du, dich rauszuträumen?“, fragt Mike herrisch.

Ich hebe den Kopf wieder und starre auf das gewellte Metal der mir gegenüberliegenden Aufzugsseite.

„Da ist er schon.“, murmelt Mike, als es draußen am Metal kratzt.

Erschütterungen laufen durch die Kabine, dann stemmt sich ein Metallstab zwischen die Aufzugtüren und drückt sie auseinander.

„Sie sind mittlerweile ganz schön routiniert.“, entgegnet Mike dem Schwarzen im Blaumann, der über uns kniet und dessen Gesichtszüge im Gegenlicht des Flurlichts kaum erkennbar sind.
Das Gift in der Stimme ist schwer zu überhören.

Der Mann zuckt mit den Schultern. Ich werfe ihm ein Lächeln zu, das eine Art stellvertretende Dankbarkeit für Mike darstellen soll.

Mike klettert vor mir nach draußen. Ich folge nach und schaffe es kaum, ihn einzuholen, weil die Wut seine Geschwindigkeit verdoppelt.

Tag 16: New York, New York

Ort 1:
Columbia University
Mike besucht die Universität nicht zuletzt deswegen, um noch einmal ein wenig von der elitären Atmosphäre zu genießen und sich mit den dortigen Forschern auszutauschen. Der Aufenthalt wird jedoch zu einer schlimmen Enttäuschung für Mike, weil er vollkommen den Anschluss verloren hat und in die inneren Bereiche gar nicht erst eingelassen wird.

Ort 2:
Irgendeine Wrestling Veranstaltung
Mike wird versuchen, sich von der herben Enttäuschung abzulenken. Im Wrestling kann er sein bewundertes Männlichkeitsideal in entschärfter Form genießen. Schließlich konnte er sein eigenes Wunschbild zeitlebens immer nur in sublimierter Form ausleben.
Gleichzeitig fasziniert ihn die (auch für seinen Geschmack etwas plumbe) Performance als Inszenierung an sich. Sie erinnert ihn an die Dramaturgie seiner eigenen Filme.

Ort 3:
Central Park
Nach einem saufseligen Abend beim Wrestling wird Mike anstatt schlafen zu gehen, noch in den Central Park wandern, unwissend, dass dies für die meisten New Yorker ein Tabu darstellt. Er wird einem 25-jährigen schwulen Pärchen begegnen, mit ihnen zusammen einen Joint rauchen und sich fragen, ob sein Leben auch hätte anders sein können, wenn er jemals in der Lage gewesen wäre, sich so frei zu fühlen, wie die beiden.

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