Tag 11: Ort der Sehnsucht

Ich legte auf und stellte das Telefon zurück in seine Halterung.
Ein Seufzen entfuhr mir. Ich hatte Ruben nichts von dem Bild erzählt, das ich im Museum gesehen hatte. Er hätte so etwas gesagt wie „Das war bestimmt nicht das gleiche Bild!“ oder „Mach dir keinen Kopf deswegen, Caitlin.“
Doch ich war mir so sicher, dass es das gleiche Bild war. Der Malstil und auch das Motiv, das war so unglaublich typisch für Dad. Die Boote, die alle verschiedene Farben hatten, das Wasser, das so klar war, dass man sich darin spiegeln konnte, und der Leuchtturm im Hintergrund. Genau so hatte der Hafen ausgesehen. Ich konnte mich sogar noch genau daran erinnern, wie Dad in seinem Arbeitszimmer saß und das Bild gemalt hat. Ich habe ihm die ganze Zeit über zugesehen und sogar dabei geholfen, die Farben zu mischen. Das war jetzt schon elf Jahre her, und trotzdem konnte ich mir alles noch genau vorstellen. Ich wusste sogar noch, dass er an diesem Tag sein Lieblingshemd getragen hatte, das blaue. Und dann durfte ich ihm endlich beim Malen helfen, habe vor Freude mit dem Pinsel gewedelt und sein Hemd voller gelber Farbe gespritzt.
Ich lachte auf und spürte, wie mir eine Träne die Wange hinunterrann. Ich vermisste ihn so sehr, dass es schmerzte. Ich schluckte, dann griff ich nach meinem Handy, das auf meinem Nachttisch lag.
Mit zitternden Fingern gab ich ‚Niklas Camp‘ und ‚Hafen‘ in das leere Googlefeld ein und bestätigte die Suche. Mein Herz klopfte mir bis zum Hals, als ich auf eben das gleiche Bild stieß. Mein Blick huschte über den Text, der dazu geschrieben wurde, doch schon bald verschwomm er vor meinen Augen.
Dad hatte es tatsächlich geschafft. Er hatte etwas gemalt, dass in einem Museum ausgestellt wurde.
Ich stieß ein Lachen aus, das von meinen Tränen erstickt wurde. Ich hatte heute Dads Bild gesehen. Es existierte noch.
Und das bedeutete, dass Dad nicht nur in meinem Herzen war, sondern auch in einem Bild verewigt war.
Ich schluchzte auf und vergrub mein Gesicht in meinem Kissen, während ich nicht aufhören konnte zu lächeln.

Tag 10: Das erste Aufeinandertreffen

„Oh Gott!“, kreischte das Mädchen neben mir mit dieser typischen Zickenstimme. Sie umklammerte ihre teure Handtasche so fest, dass sich ihre Handknöchel bereits weiß färbten. Auch mein Herz schlug schneller, aber ich machte nicht so einen Aufstand, sondern versuchte mich zu beruhigen.
Ich atmete tief ein und aus, dann meinte ich lächelnd:“Das wird bestimmt wieder. Garantiert fährt er gleich weiter, mach dir keine Sorgen.“
Sie warf mir einen tödlichen Blick zu und giftete:“Ich muss jetzt zu einem sehr wichtigen Bewertungsgespräch! Wenn ich zu spät komme, dann wird meine gesamte Modekarriere den Bach hinuntergehen!“
Ich sah bereits Tränen in ihren von getuschten Wimpern umrahmten Augen glänzen und unterdrückte ein genervtes Stöhnen. Was dachte die denn, wo ich hin musste? Okay, zugegebenermaßen nahm ich das hier kein bisschen ernst und hatte mich nur beworben, weil Simon es wollte.
Ich hob meinen Blick wieder und beobachtete das panische Mädchen, das nun auf allen möglichen Knöpfen herumdrückte. Ich verkniff mir ein Lachen und trat einen Schritt auf sie zu.
Schlechte Idee.
„Lass mich gefälligst in Ruhe! Ich bekomme das auch selbst hin!“, keifte sie und sah mich an, als wollte sie mich mit ihren Haarspangen erdolchen. Gott, ich hatte diese Sorte von Mädchen schon immer gehasst.
„Ich wollte dich nur darauf hinweisen, dass es wahrscheinlich nichts bringt, den Knopf, der uns wieder runter ins Erdgeschoss befördert, zu drücken.“
Doch sie ignorierte meinen Tipp einfach und presste ihre manikürten Finger weiterhin auf denselben Knopf. Ich schüttelte den Kopf und ging rüber zur Sprechanlage, die ich wegen des flackernden Lichts nur schlecht erkennen konnte.
Ich betätigte sie und nach einigem Knacken erklang eine tiefe Stimme aus der Anlage.
„Was kann ich für Sie tun? Gibt es ein Problem?“
Gerade, als ich dem Kerl unser Problem erklären wollte, rief meine nette Aufzugfreundin:“Ich stecke im Aufzug fest! Holen Sie mich sofort hier raus, oder Sie werden Probleme mit meinem Bruder bekommen! Er ist ein sehr guter Anwalt, der sie für den schlechten Aufzug verklagen könnte. Außerdem muss ich jetzt zu einem sehr wichtigen Gespräch, und ich lasse nicht zu, dass ein dummer Aufzug es mir ruiniert!“
Kurz war nichts am anderen Ende der Leitung zu hören, dann fragte der Mann:“In welchem Stock sind Sie denn, meine liebe Dame? Und sind Sie allein?“
Nun schaltete auch ich mich ins Gespräch, da ich befürchtete, Barbie könnte mit ihrer Hysterie dafür sorgen, dass er die Verbindung unterbrach und wir hier drin verreckten.
„Wir sind zu zweit und befinden uns zwischen dem dritten und dem vierten Stock. Der Aufzug ist plötzlich stehen geblieben und nun flackert auch das Licht“, erläuterte ich und hoffte, dass man mir meine Genervtheit nicht aus der Stimme hören konnte.
„Natürlich werden wir Sie beide da raus holen, ich verständige sofort meinen Kollegen. Innerhalb der nächsten paar Minuten sollten der Aufzug wieder funktionieren, meine lieben Damen.“
Ich bedankte mich höflich, doch das ging unter dem gezickten „Aber beeilen Sie sich!“ der ‚lieben Dame‘ mir gegenüber unter.
Mit der Einstellung würde sie heute garantiert keinen Job bekommen.
Doch der Kerl hielt sein Wort, und kurze Zeit später setzte sich der Aufzug wieder in Bewegung.
Ich seufzte erleichtert auf und stellte mir grinsend vor, wie Wanda heute Abend lachen würde, wenn ich ihr von meiner interessanten Begegnung mit Barbie erzählen würde.

Tag 9: Was ist eigentlich Glück?

Meine Protagonistin Caitlin erlebt Glück, wenn sie zusammen mit ihrem Onkel und dessen Freundin zu Abend isst. Sie erzählen sich,was sie den Tag über erlebt haben und lachen. In solchen Momenten fällt Cait dann auf, dass sie so viel glücklicher ist als noch vor einigen Wochen. Denn die Waise wohnt erst seit kurzer Zeit bei ihrem Onkel, und lebte die letzten sieben Jahre bei einer mürrischen Freundin ihrer verstorbenen Mutter. Doch seit dem Umzug ist sie glücklich und hat wahre Freunde sowie eine tolle Familie.
Außerdem ist Caitlin auch glücklich, wenn sie mit ihrem festen Freund Avel zusammen ist, der auf ihre neue Schule geht. Sie hat ihn durch eine Mitschülerin kennengelernt, die zu ihrer besten Freundin geworden ist. In seiner Gegenwart fühlt sie sich so, als sei alles Schlimme aus ihrer Vergangenheit nur halb so grauenvoll, wie es eigentlich ist. Sie hat Schmetterlinge im Bauch, wenn sie an ihm denkt, und weiß nicht, wie schnell diese Liebe zunichte gemacht werden könnte. Caitlin hat Avel an sich herangelassen, weil sie bei ihm das Gefühl hat, besonders zu sein. Sie hat sich durch ihn verändert und gelernt, Menschen zu vertrauen.
Doch das größte Glücksgefühl verspürt sie, als Avel ihr ein ganz besonderes Geheimnis verrät, dass sie eigentlich nie erfahren sollte. Denn Avel ist aus einem ganz bestimmten Grund dort, wo auch Cait ist, und diesen Grund hätte sie sich niemals erträumen können. Diese eine Sache macht fast alles wieder gut, was geschehen ist und sie verletzt hat. Als Avel dem jungen Mädchen das Geheimnis anvertraut, kann sie es kaum fassen und weint beinahe vor Glück.

Tag 8: Die Bewerbung des Antagonisten

Sehr geehrter Herr Winches,
Ich bewerbe mich hiermit um eine Stelle bei ihrer Modezeitschrift ‚Lifestyle-Blog-Journal‘. Bereits als kleines Kind habe ich es geliebt, zu schreiben und ich habe mich außerdem schon immer für Mode interessiert. Mein Vater arbeitet bereits seit einigen Jahren ebenfalls in der Modebranche, genau wie meine Mutter, die Expertin für Dresscodes ist und viele Prominente berät. Meine ältere Schwester hat vor einem halben Jahr ein Buch über Mode veröffentlicht, für dessen Fotos ich Modell gestanden habe.
Ich möchte ein ähnliches Ziel wie meine Eltern erreichen und Artikel, in denen ich die Leser über die neusten und beliebtesten Outfits aufkläre, für Sie schreiben. Da ich schon seit über fünf Jahren für die Schulzeitung schreibe und mich auch sehr für Klatsch und Tratsch interessiere, denke ich, dass ich keine schlechte Wahl für den Posten wäre. Es würde mir sehr entgegenkommen, wenn Sie mich für die Stelle in Betracht nehmen und mich zu einem Bewerbungsgespräch einladen würden, damit ich Ihnen meine Ziele und Talente näherbringen kann.
Mit freundlichen Grüßen,
Bianca Tatjana Corraface

Tag 7: Von Konflikten und Lösungen

Der Mann auf dem Bild möchte ein Ziel erreichen, doch dafür muss er viele Türen öffnen und schließen, was ihn aufhält. Er kann seinen Wunsch nur erfüllen, wenn er Umwege macht und viele Konflikte bewältigt.
Weniger zeitaufwendig wäre es natürlich, wenn er aufgeben und umkehren würde, doch das möchte er nicht. Er möchte so weit kommen, bis er am anderen Ende des Weges steht und sein Ziel erreicht hat. Doch bis dorthin ist es noch ein langer Weg, genau wie bei unseren Protagonisten.

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