Tag 25: Die Erzähler

„Hm… Hh… Haha… Hahaha… AhAHAHAHA…
So eine lächerliche Geschichte. Im Fahrstuhl stecken bleiben. Wäre das kein gut überwachtes Gebäude gewesen, dann hätte sie niemand rechtzeitig gerettet. Dann wären sie jämmerlich erstickt. Sie hätten sich gegenseitig den Sauerstoff weggeatmet, bis sie ihre blauen Lippen im Spiegel bemerkt hätten. Sie wären in Panik verfallen, hätten einen Kollaps bekommen, sich gegenseitig angefallen. Leider kam es nicht dazu. Aber wenn ich mir den Jungen vor Augen führe, hätte das durchaus passieren können. Eine falsche Bemerkung der Kleinen und Wumm!“, er klatschte demonstrativ seine flache Hand auf den Tisch vor ihm, „dann hätte es schlecht für das Mädchen ausgesehen. Ein Patient, der am Borderline-Syndrom leidet, ist nicht zu unterschätzen. Sie haben nicht nur einen Drang zur Selbstverletzung, sondern tendieren manchmal auch zu fremdenaggressivem Verhalten. Sie reagieren besonders empfindlich auf Zurückweisung. Das Mädchen hat sich clever verhalten. Dabei hat sie die Schere in seinem Mantel nicht einmal bemerkt. Hehehe… Da wäre sicher Panik ausgebrochen. Angst hatte sie auf jeden Fall, das hat man gesehen. Bei den Gemütsschwankungen des Jungen ist das auch keiner Wunder.“ Er führte ein Glas Rotwein an seine Lippen und nippte daran. „Aah… Ja, jedenfalls wurden beide gerettet. Die Kleine hat am selben Tag noch gekündigt und der Junge ist auf der Herrentoilette verschwunden und hat sich mit der Schere den Handrücken aufgeschnitten.“ Er verfiel in schallendes Gelächter. „Tja, Ende vom Lied. Die beiden begegnen sich vermutlich erneut. Vielleicht passiert diesmal dann etwas Spanndenderes, ahahHAHAAHA!“

Tag 24: Schritt für Schritt

Mich gruselt ein wenig davor, hier meinen Plot zu veröffentlichen. Ich versuche es einfach kurz zu halten. Kurz und kryptisch.

– Axicia-

Amira langweilt sich.
Amira sieht eine Möglichkeit, Spannung in ihr Leben zu bringen.
Amira wird enttäuscht.
Amiras Erwartungen werden erfüllt.
Amira wird wieder enttäuscht.
Amira wird mit einer besonderen Person zusammengeführt.
Amira will ihr altes Leben zurück.
Die besondere Person wendet sich an Amira.
Ab hier kannst du deiner Phantasie freien Lauf lassen.

-Unknown Café-

Kay kommt in eine sehr kleine Stadt.
Kay lernt ihren Onkel kennen. Er ist wirklich herzallerliebst.
Kay erkundet die Stadt.
Kay wird überrascht und landet in einem kleinen Café.
Kay trifft auf die anderen Charaktere der Geschichte.
Fünf Außenseiter treffen aufeinander.
Ab hier kannst du deiner Phantasie freien Lauf lassen.

Tag 23: Der Fluch der Mumie

Amira zuckte ruckartig zusammen, als über ihr das Licht erlosch. Von einer Sekunde auf die andere war es stockfinster. Amira verharrte in ihrer geduckten Haltung und ihre Augen suchten panisch die Dunkelheit ab. Probehalber schloss sie die Augen und öffnete sie wieder. Kurioserweise war es dunkler, wenn sie die Augen geöffnet hatte.
Da ihr Handyakku vor einer halben Stunde des Geist aufgegeben hatte, konnte sie auch nicht die Taschenlampenfunktion ihres Handys benutzen. Toll, dachte Amira. Da wäre diese blöde Funktion endlich mal von Nutzen gewesen und jetzt das.

Es war seltsam. Irgendwie verspürte sie nicht die geringste Angst. Es war, als wäre sie von einem schweren schwarzen Mantel umschlossen, der sie schützte. Die Dunkelheit war ihr schon als Kind nie bedrohlich erschienen.
Langsam setzte sie einen Fuß vor den anderen und tastete sich vorsichtig an der Wand entlang. Nach ein paar Minuten leuchtete ihr aus der Ferne ein grünes Notausgangsschild entgegen. Amira beschleunigte ihren Schritt und eilte auf das grellgrüne Licht zu. Als sie direkt unter dem flackerndem Schild stand, holte Amira den Flyer hervor, den sie an der Kasse erhalten hatte. Auf der Rückseite war der Umriss des Museums und die verschiedenen Stockwerke verzeichnet. Sie befand sich im ersten Untergeschoss. Vermutlich hielt es die Museumsverwaltung für eine großartige Idee, die Ausstellung der Ausgrabungsstätte in den Keller zu verfrachten. Da passte wenigstens die Atmosphäre. Amira versuchte ihren Standpunkt auszumachen. Es gab drei Notausgänge. Einer bei dem Pharaonengrab, einer neben der Treppe und einer neben dem Personalraum. Da Amira weder an der Treppe noch am Grab des Pharaos war, konnte sie nur neben dem Personalraum sein. Wenn sie zur Treppe wollte, musste sie den Gang weitergehen, nach links abbiegen und die Halle durchqueren. War doch ganz leicht. Amira lief los und wünschte sich insgeheim, sie könnte das Notausgangsschild mitnehmen. Dann hätte sie wenigstens etwas Licht. Aber es ging nunmal nicht anders.
Während sie sich durch die Dunkelheit tastete, schwirrten ihr die seltsamsten Gedanken durch den Kopf. Gab es hier eine Alarmanlage? Wenn nicht, dann musste es hier doch einen Nachtwächter geben, oder? Amira dachte an den Film „Nachts im Museum“. Da erwachten alle Ausstellungsstücke zum Leben. Amira blieb unvermittelt stehen und horchte in die Dunkelheit. Da! Da war doch ein Poltern gewesen, oder? Amira spitze die Ohren. Nein, Fehlalarm. Außer dem Blut, was durch ihren Kopf rauschte, konnte sie absolut nichts hören. Ein wenig enttäuscht lief sie weiter. Da war sie nun einmal nachts in einem Museum eingeschlossen und es passierte absolut nichts Spannendes. Es war fast langweiliger als tagsüber. Apropos eingeschlossen… Amira hatte noch gar nicht darüber nachgedacht, wie sie hier wieder rauskommen sollte. Der Haupteingang war zu, ebenso die Notausgänge. Das wusste Amira aus einem Buch. Es sei denn, es waren moderne Notausgänge, die nur von innen aufgingen. In diesem Fall wäre es einfach nach draußen zu gelangen. Amira blieb erneut stehen. Jetzt hatte sie die Wahl. Sie konnte einfach gehen, sie konnte sich ein wenig umschauen, was sich bei dieser Beleuchtung aber nicht besonders lohnte, oder sie konnte sich hinter den Tresen am Eingang setzten und im Museum übernachten. Die Reaktion desjenigen, der sie am nächsten Morgen finden würde, wäre sicherlich unbezahlbar. Vielleicht konnte sie das Museum auch verklagen, wegen den mangelnden Sicherheitsvorkehrungen. Wenn sie den Hauptenergieschalter finden würde, könnte sie sich Licht machen und das Museum in vollen Zügen genießen, ohne die Anwesenheit von anderen Menschen. Wann hatte man schonmal die Gelegenheit dazu? Mann, es gab so viele Möglichkeiten und jede war vielversprechend. Vielleicht erwachte ja doch noch ein Ausstellungsstück zum Leben. Amira tippte auf den Pharao. Auch, wenn sie Mumien eigentlich nicht ausstehen konnte.
Ja, all diese Möglichkeiten standen ihr offen. Sie entschied sich letzendlich für die Einfachtse. Sie verließ das Museum durch den nächsten Notausgang, stieg in den letzten Bus und fuhr nach Hause. Was für eine spannende Nacht im Museum.

Tag 22: Der verlorene Kopf

Als sie erwachte, war sie zuerst nicht in der Lage sich zu bewegen. Ihr ganzer Körper war wie betäubt, ihr Kopf dröhnte schmerzvoll und in ihren Ohren rauschte es. Vor ihrem verschwommenen Blickfeld tauchten mehrere Personen auf, die auf sie einredeten, doch ihre Worte erreichten Amira nicht. Sie vernahm nur ein gedämpftes Stimmenwirrwarr. Da sie nicht in der Lage war, ihren Körper zu bewegen, verharrte sie einfach und spürte langsam die Kälte, die sich durch den Stoff fraß und sich in ihr ausbreitete.
Sie musste erneut bewusstlos geworden sein, denn als sie die Augen aufschlug, befand sie sich in einem hellen Raum und die Kälte hatte nachgelassen. Ihre Sicht wurde klarer und sie erkannte eine Frau in einem weißen Hemd und einen uniformierten Mann. Beide drehten sich erwartungsvoll zu ihr und der Mann redete sofort auf sie ein. „Wie heißen Sie?“ „Was haben Sie um diese Uhrzeit im Schlafanzug auf der Straße gemacht?“ „Waren Sie Zeuge des Mordes?“ Haben Sie etwas gesehen?“ waren einige der Fragen, die der Beamte ihr entgegenschleuderte. Amira wusste nicht mehr genau, was sie darauf geantwortet hatte, jedoch war ihr die Frau des Öfteren ins Wort gefallen und hatte gesagt: „Sie hat eine leichte Gehirnerschütterung, was anscheinend zu Gedächtnisverlust geführt hat.“ Der Beamte machte sich eifrig Notizen, sah aber sehr unzufrieden aus.
Amira blieb noch für drei Wochen auf der Station. Sie war alleine im Zimmer und niemand machte ihr die Freude, ein paar Bücher zu bringen. Deshalb verbrachte sie die meiste Zeit mit fernsehen. Bei den Nachrichten hörte sie meistens weg, nur eine Meldung über einen aufgeklärten Mord in der näheren Umgebung. Amira wurde von einem schaurigen Gefühl beschlichen und einzelne Bildfetzen erschienen vor ihrem geistigen Auge. Sie konnte sie beim besten Willen nicht einordnen oder in einen Zusammenhang bringen. Amira schaltete den Fernseher aus und schloss die Augen. Was nützte es, sich darüber Gedanken zu machen… Die Müdigkeit übermannte sie, und Amira träumte einen seltsamen Traum, in dem ein Fahrrad, ein Messer und eine Gardine vorkamen.

Tag 21: Aller Anfang ist schwer

Wie oft hatte sie den Blick in den Himmel gerichtet? Wie oft hatte sie die Sterne betrachtet, bis ihr Nacken steif war? Wie oft hatte sie sich gefragt, ob es dort oben eine Endlichkeit gibt?
Wenn sie so darüber nachdachte … Nie.
Sie hatte sich nie diese Frage gestellt. Sie hatte nachts Besseres zu tun, als millionen verglühende Gaskörper anzustarren und sich über ihr Schicksal und philosophische Weltfragen, Gedanken zu machen. Anstatt sich im Interstellaren Raum zu verlieren, verlor sie sich lieber in ihren Büchern. Und dieser Zustand war so beständig wie die Existenz der Sterne selbst.

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„Verdammte Töle!“ schimpfte Amira und zerrte wütend an der Leine. „Jetzt komm endlich! Musst du wirklich jeden verdammten Busch beschnüffeln?!“ Amira schnaubte genervt und war im selben Moment sauer auf sich, weil sie mit einem reudigen Köter redete, dessen Lebensziel anscheinend darin bestand, jeden einzelnen Busch auf diesem Planeten zu beschnüffeln. Endlich ließ der Hund von dem Busch ab und tappte weiter. Amira setzte sich ebenfalls in Bewegung und fluchte leise vor sich hin.
Sie war übers Wochenende zu ihrer Tante aufs Land gezogen und hatte die ehrenvolle Aufgabe bekommen, mit Tantchens geliebtem Hundilein Susi, Gassi zu gehen. Ja, genau SO hatte sie sich ein erholsames Wochenende vorgestellt. Toll, wirklich sehr erholsam! Es gibt doch wirklich nichts Schöneres, als auf einen haarigen Flohfänger aufzupassen!
Amira wurde ruckartig aus ihrem sarkastischen Selbstmitleid gerissen, als Susi sie zum nächsten Busch zerrte. „Verdammt, NEIN, Susi! Bleib stehen! Das ist ein Busch wie jeder andere, Gottverdammt!!“
Als hätte Susi Amira verstanden, blieb sie stehen und kauerte sich zusammen. Ein leises Fiepen wie bei einem Hundewelpen drang aus ihrem Maul. Amira musterte die Hündin verwundert und hockte sich neben sie. „Ey, was denn los? Hast du Angst?“ Irgendwie tat ihr der Hund jetzt leid. Amira hob langsam die Hand, um den Kopf des Tieres zu tätscheln, als der Boden unter ihr erzitterte. Er vibrierte förmlich und über ihrem Kopf hörte sie ein lautes Dröhnen, welches ihr Körperinneres erzittern ließ. Amira wurde von den Füßen gerissen und Susi stieß ein gequältes Jaulen aus. Der Himmel über den beiden verfinsterte sich schlagartig und tauchte die Umgebung in ein tristes Schattenland. Das Beben verstärkte sich und Amira faltete schützend die Arme über ihrem Kopf zusammen. Susis Gejaule hatte sich in ein wolfsartiges Heulen verwandelt, als wollte sie dem dröhnenden Himmel antworten.
Plötzlich brach alles ab. Das Beben, das Dröhnen, und auch der Hund verstummte. Amira nahm langsam ihre Arme vom Kopf und richtete ihren Blick gen Himmel. Sie sah eine Scheibe. Eine schwarze Scheibe, welche mit unglaublicher Geschwindigkeit auf den Erdboden zuraste. Helle Lichter umgaben sie und der Himmel schien zu erzittern. Trotzdem war alles still. Nirgends war ein Geräusch zu hören. Als hätte jemand den Lautsprecher auf das Minimum gedreht. Amira legte sich automatisch die Hände auf die Ohren und starrte die fallende Scheibe an. Sie würde aufprallen. In ein paar Sekunden. Eine kleine Stimme in Amira riet ihr, sich in Sicherheit zu bringen. Doch Amira rührte sich nicht. Sie saß am Rand des Schotterweges und starrte in den Himmel. Die Scheibe war kurz vor dem Erdboben. Noch fünf Sekunden … Amira schluckte. Noch vier Sekunden. Susi begann erneut zu Fiepen. Amira streckte unwillkürlich die Hand aus und streichelte den Kopf des Tieres. Noch drei Sekunden … Die innere Stimme in Amira begann zu schreien. Noch zwei Sekunden … Amira nahm die Hand vom Kopf der Hündin und legte sie erneut an ihr Ohr. Eine Sekunde …

Kurz vor dem Aufprall verlor sie das Bewusstsein. Sie spürte nicht, dass Erzittern der Erde, die gigantische Druckwelle und die Wand aus aufgewirbeltem Staub. Sie bemerkte nicht, wie Susi sich losriss und fortrannte. Eine Staubschicht legte sich über Amira und deckte sie zu.

Etwas eine Stunde später öffnete sie die Augen. An ihrem Bauch vibrierte etwas. Sie blinzelte benommen und wollte sich aufsetzen, als ein stechender Schmerz ihren Körper durchzuckte. Sie stöhnte gequält auf und fasste auf ihren Bauch. Sie spürte das Vibrieren unter dem Stoff ihrer Jacke, fasste in die Tasche und zog ihr Handy heraus. Ihre Tante rief sie an. Bevor sie den Anruf richtig realisieren, geschweige denn, antworten konnte, hatte ihre Tante aufgelegt. Amira ließ ihr Handy zurück in die Tasche gleiten. Ihr fiel der viele Staub auf, der an ihr klebte. Plötzlich vernahm sie neben sich ein leises Hecheln. Sie drehte vorsichtig den Kopf, um sich nicht unnötig Schmerzen zu bereiten und blickte in die großen braunen Augen von Susi, die Amira schwanzwedelnd begrüßte. Sie hustete. „Klar, dir geht’s natürlich wieder blendend.“ Susi leckte als Antwort liebevoll über Amiras Wange. Amira war wollte es zwar nicht zugeben, aber sie freute sich die Hündin zu sehen. Vorsichtig stützte sie sich ab und stand auf. Langsam kehrten die Erinnerungen zurück. Eine fallende schwarze Scheibe erschien vor ihrem geistigen Auge. „Was ist nur passiert, Susi?“, fragte Amira, mehr sich selbst, als den Hund. Susi antwortete ihr trotzdem mit einem empörten Bellen und lief los. Amira hatte Mühe, mit ihr Schritt zu halten.
Eine halbe Stunde später standen sie auf einem Feld. In einem gigantischen Krater. Vor ihnen lag ein Wrack. Zumindest hielt Amira es für eines. Die Trümmer waren schwarz. An einzelnen Stellen flackerte ein Licht auf und überall stieg Rauch auf. An vereinzelten Stellen hatte das Feld Feuer gefangen. Amira stand da, nicht in der Lage sich zu bewegen. Es erschien ihr wie ein Traum. Die Realität verschwamm vor ihren Augen.
„Was zum Teufel ist das, Susi?“ Diesmal war die Frage wirklich an den Hund gerichtet.

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