Tag 8: Die Bewerbung des Antagonisten

Am Schalter saß eine gelangweilte Frau, die kurz zu mir aufblickte und mich fragte, was ich wollte.
„Mein Name ist Lilith Amato. Ihr Vorgesetzter hat mir einen Termin für ein Bewerbungsgespräch gegeben“, antwortete ich kühl. Meine Zeit war zu wertvoll, um sie an dieser demotivierten Sekretärin zu verschwenden. Sie tippte etwas auf ihren PC ein und suchte nach etwas. Erst jetzt sah ich, dass die Frau so aussah, als könnte sie drei Tage Schlaf gebrauchen und tat mir ein Stück weit leid. Aber naja, was hätte ich schon machen können?
„Okay, einfach die Treppe hoch und zum Ende des Ganges gehen.“
Ich bedankte mich, nahm meine Tasche wieder auf und machte mich auf dem Weg. Beinahe war ich so nervös wie bei einem echten Bewerbungsgespräch, was mich gleichzeitig verwunderte und belustigte. „Reine Routine“ hatte er gesagt. Wenn ich seine Unterstützung haben wollte, brauchte ich auch die seiner Kollegen. Ich war mir sicher, dass es ein Leichtes sein würde, schließlich war ich mehr als qualifiziert.
Ich klopfte und öffnete nach einem „Herein!“ die Tür und trat in einen sterilen Raum, in dem ein langer Tisch stand. Hinter ihm saßen drei Figuren – mein zukünftiger Geschäftspartner, ein älterer Mann und eine junge, ernste Frau. Alle drei blickten mich an und mein Partner, welcher in der Mitte der anderen beiden saß, stand auf um mich zu begrüßen. Ich erwiderte die Begrüßung und schüttelte allen drein fest die Hand und setzte mich gegenüber meines Partners.
Wir wechselten ein paar Worte und das „Bewerbungsgespräch“ begann. Ich kramte in meiner Tasche und reichte dem Mann rechts von mir meine Mappe.
Er sah wie ein gutmütiger Mensch aus, stellte ich fest. Als er die Seiten durchblätterte, nickte er zwischendurch. Er gab die Mappe weiter an meinen Partner, der sie kurz durchflog und sie schließlich der Frau gab. Sie sah am ernsten aus, während sie konzentriert und genau durchblätterte. Diesen Moment nutze ich aus, um flink in meine Tasche zu greifen und ich holte heimlich einen kleinen Brief der Organisation hervor, welchen ich unter den Tisch fallen ließ. Schließlich war dies eine perfekte Gelegenheit, um meinen Partner über die neusten Handlungen der Organisation zu informieren. Der Mann in der Mitte ließ „versehentlich“ einen seiner Stifte fallen, bückte sich unter den Tisch und sackte den Brief heimlich ein. Als die Frau fertig mit dem Lesen meiner Mappe war, blickte sie zu mir auf. Ihr strenger Blick durchbohrte mich förmlich. Ich mochte sie. Sie sah wie jemand aus, der das Problem beim Schopf fasst.
„Ihre Unterlagen sehen nicht schlecht aus“, stellte sie mit kalter Stimme fest. „Im Gegenteil!“, fügte der ältere Herr freudig hinzu und lächelte mich an. Die Frau sah sichtlich genervt von ihrem älteren Kollegen aus, was mich fast zum Lachen brachte, als ich die beiden sehr gegenteiligen Personen betrachtete – die eine kalt und ernst, der andere warmherzig und gelassen.
„Nun gut, Frau Amato. Wir werden uns beraten“, führte die Frau schließlich fort. Es kam mir so vor, als wäre sie die heimliche Leiterin, da die anderen beiden sie gespannt anguckten.
„…aber wir werden uns auf jeden Fall bei Ihnen melden.“
Sie stand auf und die anderen beiden machten es ihr gleich. Wieder schüttelte ich einem nach dem anderen die Hand, wobei die Frau wieder den festesten Händedruck hatte. Ich hoffte, dass der Vorstand sich früher oder später der Organisation anschließen würde, denn schließlich sahen doch alle drei wie sehr fähige, kompetente Menschen aus. Aber das lag nicht mehr in meiner Hand. Ich blickte ein letztes Mal auf den Mann in der Mitte, welcher mir ein selbstbewusstes Grinsen entgegnete. Ich fühlte, dass die Organisation auf ihrer Mission heute ein riesiges Stück weiterkam.
Bald würde ich mein Ziel erreichen. Veleda sollte sich vorsehen.

Tag 10: Das erste Aufeinandertreffen

Die Fahrstuhltür öffnete sich leise und ich betrat die Fahrstuhlkammer. Ich hörte, wie eine zweite Person einstieg, bevor ich mich umdrehte. Ich war überrascht, als ich ein bekanntes Gesicht erblickte. Noch bevor ich etwas sagen konnte, grinste sie mich an, ihre Augen jedoch waren finster.
„Tag, Veleda“, grüßte sie schnell, ehe sie auf einen Knopf drückte. Ich nickte, da ich auf dieselbe Etage musste. „Guten Tag, Lilith. Ich wusste nicht, dass du auch hier arbeitest“, antwortete ich. Sie musterte mich einen Moment lang und ich merkte, wie sich der Fahrstuhl in Bewegung setzt. „Erst seit kurzem“, antwortete sie knapp
Plötzlich wurde der Fahrstuhl heftig durchgerüttelt. Er sackte ein bisschen nach unten und das spärliche Licht flackerte auf unsere erschrockenen Gesichter. Es war totenstill, was die ganze Situation angsteinflößender machte. Mein ganzer Körper verkrampfte sich und ich geriet in Panik. Klasse. Da habe ich einmal nicht meine Fähigkeiten benutzt, schon geriet ich in Schwierigkeiten. Lilith schien genauso schockiert wie ich, beruhigte sich aber schnell, dann drehte sie sich zur Schaltfläche des Fahrstuhls um und drückte der Reihe nach alle Knöpfe durch.
Währenddessen versuchte ich, tief Luft zu nehmen und mich zu lockern. Mein Herz raste und pochte so stark, dass ich dachte, es würde platzen. In diesem angespannten Zustand konnte ich es vergessen, in die Zukunft zu blicken. Einatmen, ausatmen. Einatmen, ausatmen, was war überhaupt los mit mir? So angespannt war ich noch nie gewesen!
„Mist“, zischte Lilith scharf. „Keiner funktioniert.“ Sie warf einen kurzen Blick auf mich und zog die Augenbrauen hoch. Ihr Ausdruck war merkwürdig leer, als sie fragte: „Woah, bist du okay?“
Ich konnte nicht reden, also nickte ich ihr zu und sie wandte sich wieder ab. Ich sah, wie sie den großen Alarmknopf drückte und ein paar Sekunden später drang eine Stimme in die Kabine. Ich konzentrierte mich weiter auf meine Atmung und spürte, wie ich nach und nach die Kontrolle über meinen kompletten Körper wiedererlangte. Endlich! Ich versuchte, in Liliths Fluss der Zeit zu blicken… Aber zu meiner Verwunderung sah ich nur Dunkelheit. War ich noch nicht ruhig genug? Oder lag es an etwas anderem?
„Hmpf. Die sollen sich mal beeilen“, brummte Lilith und riss mich aus meinen Gedanken. Sie warf mir einen genervten Blick über die Schulter zu. Ich blickte zur Seite und verschränkte die Arme.
„Heh. Glaubst du, dass der Aufzug abstürzen könnte?“, fragte die Frau und warf mir ein spöttisches Lächeln zu. Ich blickte sie wortlos an.
„Ach komm schon. Du weißt, dass ich nur scherze“, fügte sie hinzu. Ihr Grinsen bereitete mir Unbehagen, auch wenn ich nicht ganz wusste, warum. War sie schon immer so gewesen?
„Also, erzähl mal. Wie kommt es dazu, dass du ausgerechnet hier arbeiten willst?“ Dieses Mal klang sie ernster. „Es fühlt sich nicht richtig an, nur bei meinem Bruder zu sitzen und nichts zu tun“, erklärte ich. „Oh, stimmt. Nach dem „Vorfall“ bist du bei deinem Bruder eingezogen.“ Sie schwieg einen Moment lang. „Huh, ich dachte, du wärst inzwischen ausgezogen oder so“
Musste sie sich da gerade ein Lächeln unterdrücken? Diese ganze Situation wurde mir zunehmend unangenehm.
Plötzlich ging die Tür auf, und davor standen zwei Personen. „Aha. Endlich. Also dann Veleda, wir sehen uns.“ Der letzte Teil klang ziemlich beunruhigend, und so schnell wie sie ihn gesagt hatte, so schnell verschwand sie aus dem Fahrstuhl. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich vorsichtig sein sollte.

Tag 7: Von Konflikten und Lösungen

Jeden Tag das gleiche – aufstehen, arbeiten, essen, schlafen. So wiederholte sich der Alltag dieses Mannes. Tagein, tagaus. Öffnete er die eine Tür, so fand er sich vor einer weiteren wieder, bis ihn schließlich die Türen zum riesigen Tor führen würden. Was dahinter läge? Der Tod.
Er musste arbeiten, damit er Geld verdiente. Er musste Geld verdienen, um sich zu ernähren, aber für was? Nur, damit er am nächsten Tag wieder in diesem grässlichem, grauen Büro voller grässlicher, grauer Menschen sitzen durfte? In diesem Büro voller hoffnungsloser und verlorener Menschen, die hinnahmen, Tag für Tag von einer Tür zur nächsten zu eilen? Die es einfach so hinnahmen, sich wortwörtlich zu Tode zu arbeiten? Allein der Gedanke war unerträglich.
Er wollte aus dieser Kette von immer gleichen Türen ausbrechen, etwas Neues machen, leben. Aber wie sollte er aus dieser ewig langen Kette ausbrechen?

Tag 6: Jeder Geschichte ihren Titel

Du stirbst in meinem Herzen nicht
In dieser Geschichte könnte es um ein Liebespaar gehen, Person A und Person B, welches weiß, dass einer der beiden bald sterben wird.

Person A und Person B waren schon einige Jahre lang zusammen, als sich bei einer Untersuchung herausstellte, dass Person B Krebs hatte. Das Paar war am Boden zerstört, und sie versuchten alles, um Person B zu heilen. Über die Zeit hinweg ging es Person B immer schlechter und B verlor die Hoffnung, Person A versteckte sich hinter einer Maske, um die eigene Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung zu überdecken und um Person B dazu zu bringen, weiterzukämpfen.

Schließlich liegt Person B im Sterben und die letzten Worte, die A kurz vor Bs Ableben sagt, sind „Du stirbst im meinem Herzen nicht.“

Tag 5: Die Würfel sind gefallen

Mit einem lauten Pfeifen zischte der Pfeil durch die Luft und blieb schließlich in einem der Bäume stecken. Der Wald am Ende der Stadt lag direkt hinter einer Brücke und war der perfekte Ort zum Üben. Die junge Frau mochte diese Stille und die Abwesenheit von anderen Menschen – Philine, die einige Meter entfernt unter einem Baum saß, natürlich ausgeschlossen. Veleda übte noch ein wenig, als Philine plötzlich auf sie zuging, ihre Hände hielten etwas, das… nach einer Schildkröte aussah?
„Hey Vel, Schildkröten leben doch normalerweise an anderen Stellen dieser Erde, oder?“
„Uh… vielleicht ist sie von ihrem Besitzer weggerannt, der Streichelzoo mit den Schafen und Ziegen soll anscheinend ein paar ha-„
Ein lautes Donnern unterbrach sie und Philine zuckte kurz vor Schreck. „Sieht so aus, als sollten wir sie schnell nach Hause bringen, dieses Gewitter wird ziemlich heftig.“ Mit strammen, eiligen Schritten gingen die beiden also mit der Schildkröte im Schlepptau nach Hause.

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