Tag 19: Unter meinem Bett

… dass in der Ecke des Raumes steht, befindet sich in der dunklen Ecke eine kleine Türe. Nachts wenn ich schlafe kommen winzige, verschiedenfarbige, verschiedenformige Ideen heraus. Manche sind Männlein, manche Weiblein, manche Kinderlein und manche Tierlein. Ab und zu ist auch ein klitzekleines Monster dabei.
Die klettern dann während meiner REM-Schlafphase auf mir herum, flüstern mir Geschichten ins Ohr und führen ganze Theater und Musicalaufführungen auf meiner Bettdecke auf. Sobald sie merken, dass ich aufwache, verschwinden sie wieder durch die Türe und ich greife schnell zu meinem schwarzen Notizbuch um das aufzuschreiben, was sie mir zugeflüstert haben.

Tag 19: Unter meinem Bett

ist eine LED-Kette befestigt, die in allen Farben leuchten kann. Ich kann mir vorstellen, dass der Schein, der damit erzeugt wird durch eine komplette (kleine) Stadt entsteht, die sich unter meinem Bett befindet.

Tag 19: Unter meinem Bett

Unter meinem Bett ist ein kleines Mädchen. Sie ist vielleicht sieben, hat dunkelblondes Haar und blau-graue Augen. Sie versteckt sich dort, und kommt nur selten raus; in der Nacht, oder bei Menschen, denen sie vertraut. Dann setzt sie sich zu mir auf’s Bett, und erzählt mir Geschichten von früher. Von ihren Freunden und ihren Hobbys. Das Mädchen liest gerne und viel, aber sie ist auch sehr schüchtern und hat Angst vor den anderen Kindern in der Schule.
Wenn sie traurig ist, versuche ich sie aufzumuntern und sage ihr, dass irgendwann alles besser wird. Dass es absolut unwichtig ist, was andere über sie denken. Dass sie stark ist, und alles schaffen kann, was sie will. Im Gegenzug erinnert sie mich, dass es okay ist, auch mal schwach zu sein. Gefühle zu zulassen. Wenn ich traurig bin, legt sie sich zu mir und tröstet mich. Wenn ich wütend auf mich bin, lenkt sie mich ab und versucht mich zu beruhigen. Sie erinnert mich daran, nicht zu hart zu mir selbst zu sein und mich zu akzeptieren, so wie ich es ihr beizubringen versuche, und auf meine eigenen Ratschläge zu hören.
Eine ganze Zeit lang, konnte ich das Mädchen nicht leiden. Ich war gemein und unfair ihr gegenüber, und manchmal bin ich immer noch so, aber wir haben angefangen, unsere Beziehung zu verbessern und arbeiten weiterhin daran. Ich weiß, dass sie mir nie etwas Böses wollte, und sie hat es nicht verdient, dass ich sie auch noch schlecht behandele. Das tut der Rest der Welt schon genug.

Tag 19: Unter meinem Bett

Schmunzelnd liege ich in der Dunkelheit und warte. Ein freudiges Prickeln summt in meinem Körper und meine Finger nesteln vorfreudig am Rand der Decke herum. Es müsste gleich so weit sein. Gleich kommt er zurück zu mir. Mein persönlicher Dämon.
Jede Nacht kam er aus der Finsternis zu mir. Die Finsternis unter meinem Bett. Es war der Zugang zu seinem Reich, hatte er mir erklärt. Früher war er gekommen um mir Alpträume zu schenken oder mich stundenlang angstvoll wach zu halten. Irgendwann war er dazu übergegangen mich im Schlaf zu beobachten. Es hatte ihm gefallen. Aber eines Nachts war ich aufgewacht, aus einem Alptraum hochgeschreckt, den nicht er zu verschulden gehabt hatte. Zuerst war ich erschrocken, doch er hatte mich beruhigt, mich in seinen Bann gezogen und in seinen Armen einschlafen lassen. Er hatte mich aus der Realität gerettet.
Seitdem wartete ich auf meinen Dämon sobald es dunkel wurde. Und auch heute kündigte ihn ein sanfter Lufthauch an, bevor er sich aus der Finsternis schälte und sich zu mir ins Bett legte. Sofort fanden meine Hände seinen erhitzten Leib, streichelten und liebkosten ihn. Er genoss es, das konnte ich an seinem zufriedenen Seufzen erkennen. Und dann fanden sich unsere Lippen. Sengendes Verlangen bemächtigte sich meiner. Er gehörte mir! Er war mein Dämon! Mein allein!

Tag 19: Unter meinem Bett

Unter meinem Bett
Als kleines Kind träumte ich davon, dass unter meinem Bett ein wunderbarer Ort war. Ich malte mir aus, dass dort ein Portal verborgen lag, um mich in eine fremde Welt zu entführen. In dieser Welt würde es Drachen, Feen, Kobolde oder sogar das Portal zu fremden Planeten. Ich könnte einfach dort hinein spazieren und mich verzaubern lassen.
Heute weiß ich, dass dort immer mein Schreibzeug lag. Es füllte sich Nacht für Nacht mit den unmöglichsten Ideen, Geschichten und anderen Erzählungen.

Tag 19: Unter meinem Bett

Unter meinem Bett klafft ein riesiges Loch. Liege ich auf meinem Bett, kommt mir der Rest des Zimmers wie ein Abgrund vor, der meilenweit in die Tiefe geht. Ich kann nicht sehen, was unter meinem Bett ist, aber zum Glück muss ich nicht befürchten, dass plötzlich eine Hand aus dem Schatten hervorschießt und mich packt. Wenn mir das Loch nämlich zu finster und gefährlich erscheint, dann knipse ich einfach das Licht an und schaue nach unten.
Ich habe nämlich ein Hochbett.

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