Tag 22: Der verlorene Kopf

Als sie erwachte, war sie zuerst nicht in der Lage sich zu bewegen. Ihr ganzer Körper war wie betäubt, ihr Kopf dröhnte schmerzvoll und in ihren Ohren rauschte es. Vor ihrem verschwommenen Blickfeld tauchten mehrere Personen auf, die auf sie einredeten, doch ihre Worte erreichten Amira nicht. Sie vernahm nur ein gedämpftes Stimmenwirrwarr. Da sie nicht in der Lage war, ihren Körper zu bewegen, verharrte sie einfach und spürte langsam die Kälte, die sich durch den Stoff fraß und sich in ihr ausbreitete.
Sie musste erneut bewusstlos geworden sein, denn als sie die Augen aufschlug, befand sie sich in einem hellen Raum und die Kälte hatte nachgelassen. Ihre Sicht wurde klarer und sie erkannte eine Frau in einem weißen Hemd und einen uniformierten Mann. Beide drehten sich erwartungsvoll zu ihr und der Mann redete sofort auf sie ein. „Wie heißen Sie?“ „Was haben Sie um diese Uhrzeit im Schlafanzug auf der Straße gemacht?“ „Waren Sie Zeuge des Mordes?“ Haben Sie etwas gesehen?“ waren einige der Fragen, die der Beamte ihr entgegenschleuderte. Amira wusste nicht mehr genau, was sie darauf geantwortet hatte, jedoch war ihr die Frau des Öfteren ins Wort gefallen und hatte gesagt: „Sie hat eine leichte Gehirnerschütterung, was anscheinend zu Gedächtnisverlust geführt hat.“ Der Beamte machte sich eifrig Notizen, sah aber sehr unzufrieden aus.
Amira blieb noch für drei Wochen auf der Station. Sie war alleine im Zimmer und niemand machte ihr die Freude, ein paar Bücher zu bringen. Deshalb verbrachte sie die meiste Zeit mit fernsehen. Bei den Nachrichten hörte sie meistens weg, nur eine Meldung über einen aufgeklärten Mord in der näheren Umgebung. Amira wurde von einem schaurigen Gefühl beschlichen und einzelne Bildfetzen erschienen vor ihrem geistigen Auge. Sie konnte sie beim besten Willen nicht einordnen oder in einen Zusammenhang bringen. Amira schaltete den Fernseher aus und schloss die Augen. Was nützte es, sich darüber Gedanken zu machen… Die Müdigkeit übermannte sie, und Amira träumte einen seltsamen Traum, in dem ein Fahrrad, ein Messer und eine Gardine vorkamen.

Tag 22: Der verlorene Kopf

Ich saß in einem Ledersessel vor dem Tisch des Kollegen meines Vaters, welcher aber noch nicht da war. Seine Sekretärin kannte mich mittlerweile, und hatte mir freundlich – und falsch – zu gelächelt, während sie mich zu dem Büro gebracht hatte. Er war bis jetzt jedes Mal zu spät gewesen, egal ob morgens zu Arbeitsbeginn, nach Pausen oder wenn ich von irgendwelchen Aufträgen zurückkam, und ich wunderte mich, dass mein Vater so etwas tolerierte. Für gewöhnlich, waren meine Eltern sehr auf Pünktlichkeit und Pflichtbewusstsein bedacht, schon allein, wegen des guten Eindrucks, und ich konnte mir nicht vorstellen, wie dieser Mann auf seine Klienten positiv wirken konnte. Aber vielleicht verhielt er sich bei offiziellen Terminen ja auch ganz anders.
Gelangweilt ließ ich meinen Blick durch das Zimmer wandern, hinweg über all die Diplome und Auszeichnungen, verschiedensten Statuen und Bilder, die alle nur dazu dienten, seine Stellung und Machtposition zu verdeutlichen. „Ich bin besser als du“, schrien sie, „Sieh zu mir auf“. Ich konnte weder ihn, noch sein Büro oder seine verlogene Sekretärin leiden. Eigentlich hatte ich sogar den Verdacht, dass die beiden was am Laufen hatten, und er seine Frau betrog, aber das konnte ich natürlich nicht nachweisen. Nicht, dass ich es versucht hätte. Ich mischte mich nicht in anderer Leute Angelegenheiten ein.
Da blieb mein Blick wiederholt am Fernrohr hängen, und ich warf einen unsicheren Blick über die Schulter. Er hatte mir verboten, irgendetwas in seinem Büro ohne ausdrückliche Erlaubnis und Aufforderung anzufassen, insbesondere das Fernrohr, aber… irgendwie juckte es mich schon in den Fingern, zu sehen, was er denn so betrachtete. Zögernd stand ich auf und näherte mich, wie beiläufig, dem Stativ. Nach einem letzten prüfenden Blick zur Tür sah ich schließlich hindurch.
Zuerst konnte ich gar nichts sehen, nur weiß, weshalb ich das Fernrohr ein wenig schwenkte und schon bald die Fassade des gegenüberliegenden Hauses in mein Blickfeld kam. Es war eines der wenigen mehrstöckigen Wohnhäuser dieser Stadt, und ich wusste, dass die Wohnungen dort sehr teuer waren. Obwohl fast alle Fenster dunkel waren, und man keine Personen sehen konnte, fragte ich mich, ob er von hier aus wohl auch Frauen beim Umziehen beobachtete.
Ich hatte gerade entschieden, dass ich für heute genug Risiken eingegangen war und wollte mich wieder setzen, da blieb mein Blick an einem Mann hängen. Er trug nur einen Pyjama und blickte nachdenklich aus dem Fenster. Soweit ich mich erinnern konnte, gehörte er zur oberen Gesellschaftsschicht – wie sonst könnte er sich auch die Wohnung leisten? – aber war nicht allzu angesehen. Er arbeitete als Reporter, so viel wusste ich, und es gingen Gerüchte um, dass die Reichen der Stadt ihn bezahlten, nur positive Dinge über sie zu schreiben, und die negativen zu vertuschen.
Ein Hoch auf die Pressefreiheit.
Da erschien plötzlich eine zweite Person am Fenster und der Mann drehte sich überrascht um. Er schien seinen Besucher – oder eher, seine Besucherin – nicht zu erwarten, und wirkte wütend. Es sah aus, als drohte er ihr, die Polizei zu rufen. Die andere Person wirkte ebenfalls aufgeregt, und irgendetwas an ihr kam mir bekannt vor. Aus der Entfernung konnte ich nur sehen, dass es eine Frau, vielleicht auch ein Mädchen, war, welche blondes, schulterlanges Haar hatte. Dann verschwanden sie hinter dem seitlichen Vorhang, und ich wartete gespannt, ob sie noch einmal auftauchen würden.
Einige Minuten blieb es leer, doch dann stolperte plötzlich der Mann wieder ins Blickfeld des Fernrohrs und griff haltsuchend nach dem Vorhang, bevor er mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden sank. Das Mädchen trat ebenfalls ans Fenster, bückte sich kurz, als würde sie nach dem Mann sehen und sah sich dann kurz suchend im Raum um. Ich hätte erwartet, sie schockiert oder entsetzt zu sehen, aber sie wirkte eher genervt. Verärgert. Sie hatte sich gerade abgewandt und sah aus, als würde sie den Raum verlassen wollen, da drehte sie den Kopf noch einmal zum Fenster und schien mich direkt anzusehen. Ihre grünen Augen schienen mich geradezu zu durchbohren, und ich sprang unwillkürlich von dem Fernrohr zurück.
Jetzt wusste ich wieder, woher ich sie kannte. Sie war das merkwürdige Mädchen aus dem Fahrstuhl, die hier ebenfalls Praktikum machte – oder das zumindest behauptet hatte – und obwohl es absolut keine logische Erklärung dafür gab, schien sie mich gesehen zu haben. Hin und hergerissen zwischen dem Instinkt, wegzulaufen und mich zu verstecken, und dem Wissen, dass ich die Polizei rufen und vielleicht nachsehen sollte, ob es dem Mann gut ging, stand ich im Raum.
Ohne mir genau darüber im Klaren zu sein, worauf mein Entschluss gefallen ist, stürmte ich aus dem Büro, an der Sekretärin, die mir wohl einen merkwürdigen Blick zu warf, vorbei und die Treppen runter. Ich hatte nicht die Ruhe, jetzt auch noch auf den Aufzug zu warten. Die Straße überquerte ich, ohne wirklich auf den Verkehr zu achten und wurde mehrfach angehupt, aber ich war so durcheinander, dass ich auch dies kaum wahrnahm. Genauso wenig, wie das Klingeln des Fahrradfahrers, den ich erst im letzten Moment aus dem Augenwinkel sah. Dann wurde alles schwarz.

Als ich die Augen öffnete, dämmerte es bereits und ich setzte mich verwirrt auf. Mein Kopf pochte und für einen Moment drehte sich die Welt so sehr, dass ich das Gefühl hatte, ich müsste mich übergeben, aber das verging zum Glück schnell wieder. Verwirrt blickte ich mich um. Ich lag auf einer Art Sofa, in einem großen, elegant wirkenden Büro. In der Mitte stand ein Schreibtisch, vor welchem zwei Sessel standen. Sonst war ich alleine.
Ich versuchte, mich daran zu erinnern, wie ich hier her gekommen, und wo ich überhaupt war, aber mein Kopf fühlte sich an, als wäre er voller Zuckerwatte. Langsam rutschte ich zur Kante des Sofas und stellte meine Füße auf den Boden, als ich plötzlich eine Bewegung wahrnahm. Neben dem Sofa, auf einem Sessel, saß ein Mädchen, ungefähr in meinem Alter, mit blondem Haar und grünen Augen, welches mich besorgt musterte. Ich hatte sie gar nicht bemerkt.
„Hey, wie geht es dir?“, fragte sie sanft, und ich runzelte in einem verwirrten Versuch, sie zuzuordnen, meine Stirn.
„Ganz okay… denke ich. Aber wo bin ich? Und warum? Und kennen wir uns, weil wenn ja, dann tut es mir sehr leid, aber ich habe keine Ahnung, wer du bist.“, antwortete ich, wobei sich meine Stimme rau und brüchig anhörte.
„Kannst du dich wirklich an gar nichts erinnern? Ich habe dich draußen, vor dem Gebäude auf der anderen Straßenseite gefunden. Du wurdest von einem Fahrrad angefahren, und ich habe das von hier aus gesehen. Wir machen beide hier Praktikum, und abgesehen vom ersten Tag, als wir im Fahrstuhl stecken geblieben sind, haben wir uns weder getroffen, noch miteinander geredet.“, erklärte das Mädchen.
„Uh, okay.“, erwiderte ich. „Und… warum bin ich dann hier? Hast du keinen Krankenwagen gerufen?“
„Ich habe meinem Chef Bescheid gesagt, und er meinte, dass er erst deine Eltern informieren und fragen müsse, bevor ein Arzt dazu gerufen würde.“
„Meine… Eltern? Die müssen schon komische Leute sein.“, murmelte ich und versuchte, mich an sie zu erinnern. Ihr Aussehen, ihre Namen, irgendwas. Aber alles, was mir einfiel, war mein Vorname. „Es ist… komisch. Wenn du diese Dinge sagst, wie mit dem Praktikum und dem Aufzug… es ist nicht direkt, dass ich mich erinnere, aber als wüsste ich trotzdem, dass es passiert ist.“
Das Mädchen zuckte mit den Schultern. „Hm, ich weiß nicht viel über Gedächtnisverlust und Kopfverletzungen. Außer, dass die meisten Menschen sich im Laufe der Zeit wieder beginnen, an Dinge zu erinnern, wobei manchmal auch Dinge vertauscht oder vermischt werden. Gehirne sind schon komisch.
Wie auch immer, anstatt dich noch weiter voll zu reden, gehe ich mal Bescheid sagen, dass du aufgewacht bist, okay? Nicht wieder ohnmächtig werden.“
Mit diesen Worten verließ sie den Raum und ließ mich alleine auf dem Sofa sitzend zurück.
Es dauerte nicht lange, bis die Tür sich wieder öffnete und ein gut gekleidetes Paar den Raum betrat. Die Frau hatte ihr hellbraunes Haar elegant hochgesteckt und eine tadellose Haltung. Der Mann war groß, hatte breite Schultern und kurzes, schwarzes Haar. Sein Anzug saß perfekt und schien eine Maßanfertigung zu sein. Die Frau blickte sich einen Moment um, bevor ihr Blick an mir hängen blieb, und sie sich neben mir auf der Couch nieder ließ.
„Sam! Oh Gott, ich bin so froh, dass dir nichts passiert ist.“, rief sie und zog mich an sich. Ich erwiderte die Umarmung unsicher, und fühlte mich ein wenig schuldig, dass ich meine eigenen Eltern anscheinend nicht erkannte. Die Frau schien dies zu bemerken und löste sich wieder von mir, um mich genau zu mustern. „Ist alles in Ordnung?“
Ich rückte unwillkürlich ein Stück von ihr weg und antworte dann peinlich berührt: „Ähm, Verzeihung, aber ich habe im Moment keine Ahnung, wer Sie sind.“
Für den Bruchteil einer Sekunde entgleisten ihre Gesichtszüge und sie starrte mich schockiert an, bevor sie ihrem Mann einen auffordernden Blick zu warf. „Okay, wir bringen sie ins Krankenhaus.“
Den Impuls, darum zu bitten, den Arzt doch hier her zu holen, weil ich mich bei dem Gedanken, mit vollkommen Fremden mitzugehen, nicht wohlfühlte, unterdrückend, folgte ich ihnen vorsichtig. Immerhin waren es meine Eltern. Ich merkte, wie ich unterbewusst die Haltung und den Gang der Frau imitierte, während wir durch den Flur zum Aufzug, und dann unten durch die Eingangshalle nach draußen und zum Auto gingen. Es schien, als würde sich zumindest ein Teil meines Kopfes noch an Dinge erinnern, auch wenn ich sie mir nicht bewusst ins Gedächtnis rufen konnte.
Die Fahrt verlief schweigend; mein Vater saß am Lenkrad, meine Mutter daneben und warf mir immer wieder prüfende Blicke zu. Im Krankenhaus wurden einige Tests vorgenommen, der Arzt fragte mich einige Dinge dazu, was passiert war, und woran genau ich mich noch erinnern konnte, um im Endeffekt zu dem gleichen Ergebnis, wie das Mädchen zu kommen.
Mein Gedächtnis würde in den nächsten Tagen zurückkehren, eine vertraute Umgebung und bekannte Gesichter könnten helfen, aber ich sollte trotzdem nicht alles zu genau nehmen, da die Möglichkeit bestand, dass mein Kopf in seinem verwirrten Zustand Einzelheiten und Details vermischte oder falsch zu ordnete. Also fuhren wir nach Hause, und sowohl der Weg dorthin, als auch das Gebäude an sich wirkten seltsam vertraut. Die Frau, meine Mutter, verschwand kurz nach oben, um mir ein Bad einlaufen zu lassen, und währenddessen aßen wir in der Küche zu Abend.
Nach dem Essen und dem Bad, zeigte sie mir mein Zimmer und wünschte mir eine gute Nacht, bevor sie nach unten verschwand. Zögern legte ich mich ins Bett, und obwohl ich mich ein wenig unwohl fühlte, hatte mich die einschläfernde Wirkung des mir vom Arzt verschriebenen Schmerzmittels mich schon bald in einen tiefen, traumlosen Schlaf gezogen.
Als ich am nächsten Morgen erwachte, war ich erst verwirrt und hatte Schwierigkeiten, mich zu orientieren, bis mir die Geschehnisse vom Vortag wieder einfielen. Auf dem Schreibtisch stand ein Tablett mit Essen, und eine Notiz, die mich darüber informierte, dass ich wegen des Unfalls für den Rest des Praktikums entschuldigt war, meine Eltern aber trotzdem weiter würden arbeiten müssen.
Ich frühstückte, räumte das Geschirr dann in der Küche in die Spülmaschine, putze mir die Zähne, wusch mich, kämmte meine Haare und suchte dann in meinem Schrank nach gemütlicher Kleidung.
Das alles fühlte sich merkwürdig an, weil es mir schien, als würde ich die Sachen einer fremden durchwühlen, aber meine Mutter hatte sich sogar die Mühe gemacht, alles mit Post-its zu versehen, so dass ich meine Sachen fand. Ich war gerade fertig, da klingelte es. Unsicher ging ich nach unten und stand zögernd vor der Tür. Sollte ich aufmachen? Es könnte jemand sein, der von meinem Zustand wusste und gekommen war, um nach mir zu sehen, aber ich konnte mich nicht daran erinnern, ob ich überhaupt anderen die Tür öffnen durfte, wenn ich alleine war.
Ich entschied mich, einfach durch den Spion zu sehen. Wenn mir die Person bekannt vorkam, würde ich öffnen, wenn ich mich nicht erinnerte, dann würde ich es lassen. Zu meiner Überraschung kannte ich die Person tatsächlich, also öffnete ich die Tür und sah das Mädchen aus dem Büro dann verwirrt an.
„Hey, ich wollte nur mal sehen, wie es dir geht. Sind schon Erinnerungen zurück gekommen?“, sagte das Mädchen zur Begrüßung, und ich konnte nicht umhin, ihr Verhalten und die scheinbare Besessenheit mit meinem Gedächtnis ein wenig befremdlich zu finden.
„Ähm, ganz okay, immer noch. Und nein, nicht wirklich viele. Musst du denn heute nicht ins Büro?“, erwiderte ich und musterte sie misstrauisch.
„Nein. Mein Chef meinte, dass ich mir heute frei nehmen könnte, wegen des Schocks. Darf ich rein kommen?“
„Sicher.“, antwortete ich und machte ihr Platz. Schock? Weil sie gesehen hatte, dass ich angefahren wurde? Dabei wirkte sie auf mich ziemlich ruhig.
„Hast du eigentlich schon von dem Mord gehört?“, rief das Mädchen, während sie sich neugierig umblickte und ich die Tür schloss.
Ich runzelte die Stirn. „Nein, was für ein Mord?“
Ihre Augen richteten sich auf mich und sie schien meine Worte genau zu analysieren. „In dem Gebäude, vor dem du angefahren wurdest. Da ist ein Mord geschehen. An einem Mann, irgendein Reporter. Es wurde auch schon eine Verdächtige festgenommen.“
„Oh mein Gott, wie schrecklich. Was ist denn passiert? Und wer wurde festgenommen?“
„Eine Exfreundin, die wohl auch eine Art verrückter, stalkender Fan ist, und über die er vor Kurzem einen spöttischen Artikel veröffentlicht hat. Hat sich in seine Wohnung geschlichen, es kam zum Streit und dann hat sie ihn erstochen.“, erklärte das Mädchen, ohne auch nur die geringste Gefühlsregung.
„Verrückte Welt. Meinst du, ich könnte deshalb rüber gelaufen sein?“
Sie zuckte mit den Schultern. „Möglich. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass du auf die Entfernung überhaupt etwas gesehen hast.“
„Aber da ist doch ein Fernrohr.“, bemerkte ich.
„Wo?“
„In dem Büro.“
„Du erinnerst dich?“
Ich runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf, als vereinzelte Bildfetzen in meinem Kopf auftauchten. „Ach, keine Ahnung. Ich glaube, dass in dem Büro, in dem ich war, ein Fernrohr steht, und ich durchgeguckt habe. Aber alles andere ergibt keinen Sinn. Ist die Exfreundin blond?“
„Weiß nicht. So genaue Informationen gab es nicht, und es wurde auch kein Bild gezeigt. Wieso?“
„Ach, ist nicht so wichtig.“, winkte ich ab. „Ich bin vermutlich einfach nur verwirrt. Meine Erinnerungen wollen mir nämlich gerade weiß machen, dass du den armen Mann umgebracht hättest, und mich dann – auf die Entfernung – genau angesehen hättest. Verrückt, oder?“
„Ja, definitiv.“, stimmte das Mädchen lachend zu. „Okay, ich muss dann mal. Man sieht sich.“

Tag 22: Der verlorene Kopf

Die junge Frau kommt auf dem Asphalt zu sich. Ein älterer Herr findet sie und ruft den Notarzt, der eine Amnesie feststellt. Sie kommt ins Krankenhaus, wobei zu diesem Zeitpunkt immer mal wieder Bilder vor ihrem inneren Auge auftauchen, aber ebenso schnell verschwinden. Sie kann sie anfangs nicht greifen. Der Notarzt, ein junger Mann, kümmert sich um sie und kommt auch die folgenden Tage immer wieder vorbei. Sie lernt ihn kennen und mit jeder Geschichte, die er ihr über sich erzählt, kommt ihre Erinnerung langsam zurück, von der Kindheit und Jugend anfangend, manchmal sehr durcheinander. Dennoch hat sie das Gefühl, dass wichtige Puzzleteile fehlen. Warum war sie schließlich dort, wo sie nach dem Unfall aufgewacht war? Der Notarzt, der mittlerweile ihre Familie informiert hat, die auch vorbei kommt und ihr erinnern hilft, wird zu einem Freund, der sie auch zuhause besucht. Sie kommen sich näher. Allerdings fällt ihr dann wieder ein, wo sie vor dem Unfall war. Ein alter Freund ihres Vaters und mächtiger Anwalt. Des Notarztes Vater, der ihn verstoßen hat, weil er nicht in dessen Fußstapfen treten wollte. Dennoch will sie herausfinden, was danach geschehen ist. Er begleitet sie. Vater und Sohn treffen aufeinander. Es kommt zum Streit, bei dem sie das Fernrohr sieht und ihr Gehirn eine Assoziation herstellt. Schnell machen sie sich auf dem Weg. Es stellt sich heraus, dass es sich bei besagter Wohnung um ein Schauspielstudio handelt und alles nur eine Szene eines Theaterstückes war. Beide Personen sind wohlauf. Der Vater des Notarztes hat sich jedoch auch Sorgen gemacht und ist den beiden gefolgt. Es kommt zur Versöhnung. Friede Freude Eierkuchen! Happy End!

Tag 22: Der verlorene Kopf

Verena ergeht es ziemlich übel. Sie muss für ein paar Tage ins Krankenhaus, da sie seit dem Unfall kein Essen bei sich behalten kann. Dort erinnert sie sich zu Beginn nicht, was passiert war. Erst als die blonde Frau im Krankenhaus auftaucht und sich als Verenas Cousine ausgibt, bahnen sich Teile der Erinnerung wieder zurück ins Bewusstsein. Verena kann die Frau davon überzeugen, sie am Leben zu lassen. Diese pflanzt ihr einen Chip ein, der alle ihre Gespräche mithören kann. Sollte sie sich verplaudern, lässt der Chip Gift in ihre Blutbahn tropfen. Es wäre ein qualvoller Tod.
Verena lebt einige Monate „normal“ weiter. Bis sie in genau dem gleichen Zimmer steht und durch das Fernrohr einen weiteren Mord beobachten muss. Sie recherchiert und findet einen Hacker, der ihr den Chip durch einen ungiftigen ersetzen kann. Nun begibt sie sich gemeinsam mit ihm auf die Jagd nach der blonden Mörderin.
Ende gut – alles gut? Natürlich finden sie die blonde Frau und rächen sich an ihr. Doch dadurch „erwachen“ andere, die nun das Handwerk der Mörderin fortführen.

(Fortsetzung garantiert ☺ )

Tag 22: Der verlorene Kopf

Larkin blickte sich vorsichtig um. Sie hatte einige Schürfwunden, war aber ansonsten in Ordung. Dann entdeckte sie den Radfahrer, der neben ihr kniete und sie besorgt ansah. „Oh Gott, es tut mir so leid! Ist alles in Ordnung mit Ihnen? Soll ich einen Krankenwagen rufen?“ „Nein, mir geht es gut, danke, aber… was ist denn passiert?“ Der Radfahrer wurde rot. „Ich habe sie mit dem Fahrrad angefahren, als sie zum Haus dort gerannt sind. Es tut mir leid!“ Verwirrt sah Larkin ihn an. „Ich bin was?“ Irgendetwas Wichtiges musste sie dazu bewegt haben, zum Gebäude auf der anderen Straßenseite zu laufen. Larkin vertraute ihrem Instinkt und lief los. Im Treppenhaus kam ihr eine blonde Frau mit blutverschmierten Händen entgegen, die sie geschockt ansah. Bilder blitzten in Larkins Kopf auf und sie erinnerte sich. „Halten Sie die Frau auf!“, rief sie dem Radfahrer zu. „Sie ist eine Mörderin!“ Dann rannte sie nach oben, in der Hoffnung, den Mann noch retten zu können.

Tag 22: Der verlorene Kopf

Noah rappelte sich mühsam auf und sah sich um. Er stand auf dem Parkplatz vor Adrian Thornes riesigem Wolkenkratzer und wischte sich den Staub von der Kleidung. Er konnte sich beim besten Willen nicht daran erinnern, das er hierher gekommen war. Sein Weg führte ihn doch normalerweise direkt zu dem Gebäude, in dessen VIP Lift und dann nach oben zu Adrian. Einen Wagen hatte er nicht, er war mit dem Taxi gekommen. Oder war es die Limousine Adrians gewesen? Egal, jedenfalls gab es für ihn kaum einen Grund das er jetzt hier auf dem menschenleeren Parkplatz stand.
Noah holte tief Luft und kniff die Augen zusammen. Dann versank er komplett in sich und rief die letzten Minuten in sein Gedächtnis zurück. Eine Übung, die er inzwischen immer besser beherrschte. Der junge Wächter, sah sich selbst in Adrians Büro vor dem imposanten Fernglas stehen und hindurch sehen. Sein Blick wurde von einem Pärchen, im Gebäude gegenüber gefangen.
Die beiden stritten und plötzlich hob die Frau einen schweren Kerzenständer und schlug dem Mann damit auf den Kopf. Blutüberströmt brach dieser zusammen.
Noah erwachte wieder aus seinem Trancezustand und wählte die Nummer der Manhattener Police Station.

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