Tag 25: Die Erzähler

Marktschreier

Eilmeldung! Eilmeldung! Samantha Abbott ist verschwunden!
Ja, Sie haben richtig gehört. Samantha, Tochter von Richard und Elisabeth Abbott, ist weg gelaufen.
Zumindest ist das die offizielle Erklärung. Es gehen allerdings Gerüchte um, dass sie von Vampiren entführt wurde. Einige behaupten sogar, sie wäre selbst einer.
Dabei ist die wichtige Frage doch: Was haben sie vor? Was wollen die Vampire mit ihr? Und warum verheimlichen ihre Eltern das? Stecken sie mit ihnen unter einer Decke? Wollen sie uns, uns gewöhnlichen Bürgern, etwas antun? Oder ist es sogar so, dass die Vampire etwas gegen die Reichen haben?
Was ist, wenn sie uns angreifen? Wenn sie nicht mehr im Schatten leben wollen? Wenn sie ihr wahres Gesicht offenbaren wollen, und unsere Stadt als Beispiel nehmen?

Oh ja, schütteln Sie nur Ihre Köpfe! Aber wenn die Vampire dann angreifen, dann werden Sie an meine Worte denken! Wenn Sie ihre Familien tot auffinden, werden sie sich wünschen, mir geglaubt zu haben!
Laufen Sie weg, so lange sie noch können! Uns steht Schreckliches bevor!

Tag 25: Die Erzähler

Perspektive: Fremde Außerirdische

Der Tag, als ich auf diesem Planeten strandete. Den werde ich nie vergessen. Die erste Person, die ich sah, als ich mich durch das Geäst eines Baumes gekämpft hatte, war so ein junges Mädchen. Sie wirkte so wie alle Mädchen, die ich in der Dokumentation im Archiv der Planetenbibliothek bei uns gefunden hatte. Also durchschnittlich. Nicht zu groß, nicht zu klein, nicht zu schön, nicht zu hässlich, nicht zu dick, nicht zu dünn.

Mein Auftrag lautete, mich an ihre Fersen zu heften und ihr Leben bis zu jenem Zeitpunkt zu beobachten bis sie selbst Kinder hatte. Dazu kam es jedoch nie, in den vielen Jahren, die ich auf diesem für mich äußerst langweiligen Planeten verbringen musste.

Zum Glück verging die Zeit auf der Erde schneller als bei uns zu hause, dennoch war es die ödeste Zeit meines Lebens. Vor allem ab jenem Zeitpunkt, da sie anfing, sich selbst das Leben nehmen zu wollen. Wie? Da hatte sie eine sehr gefinkelte Idee. Niemand bei uns auf Taurus hätte so etwas jemals auch nur angedacht. Sie verweigerte das Essen. Aber erst nachdem sie vorher ordentlich an Gewicht zugelegt hatte und beinahe zu einer unansehlichen Kugel geworden war.

Ich setzte mich unsichtbar auf ihre Schulter. Denn das wollte ich – neugierig geworden – aus nächster Nähe beobachten. Als ich aus all dem nicht schlau wurde, denn ihr Magen knurrte wie wild, da schlich ich mich in ihre Gedanken. Und hatte innerhalb kürzester Zeit eine ganz seltsame Stimmung. Ich fühlte mich wie von dunklen Wolken umhüllt.

Eines Tages fiel sie auf dem Weg in die Schule wie tot um. Da brach ich das Beobachtungsexperiment ab. Ich wollte nicht Zeuge der Auslöschung einer Spezies sein. Denn ein Freund hatte mir berichtet, dass auch sein Mädchen das Essen verweigerte und eines Tages umgefallen war.

Tag 25: Die Erzähler

„Hm… Hh… Haha… Hahaha… AhAHAHAHA…
So eine lächerliche Geschichte. Im Fahrstuhl stecken bleiben. Wäre das kein gut überwachtes Gebäude gewesen, dann hätte sie niemand rechtzeitig gerettet. Dann wären sie jämmerlich erstickt. Sie hätten sich gegenseitig den Sauerstoff weggeatmet, bis sie ihre blauen Lippen im Spiegel bemerkt hätten. Sie wären in Panik verfallen, hätten einen Kollaps bekommen, sich gegenseitig angefallen. Leider kam es nicht dazu. Aber wenn ich mir den Jungen vor Augen führe, hätte das durchaus passieren können. Eine falsche Bemerkung der Kleinen und Wumm!“, er klatschte demonstrativ seine flache Hand auf den Tisch vor ihm, „dann hätte es schlecht für das Mädchen ausgesehen. Ein Patient, der am Borderline-Syndrom leidet, ist nicht zu unterschätzen. Sie haben nicht nur einen Drang zur Selbstverletzung, sondern tendieren manchmal auch zu fremdenaggressivem Verhalten. Sie reagieren besonders empfindlich auf Zurückweisung. Das Mädchen hat sich clever verhalten. Dabei hat sie die Schere in seinem Mantel nicht einmal bemerkt. Hehehe… Da wäre sicher Panik ausgebrochen. Angst hatte sie auf jeden Fall, das hat man gesehen. Bei den Gemütsschwankungen des Jungen ist das auch keiner Wunder.“ Er führte ein Glas Rotwein an seine Lippen und nippte daran. „Aah… Ja, jedenfalls wurden beide gerettet. Die Kleine hat am selben Tag noch gekündigt und der Junge ist auf der Herrentoilette verschwunden und hat sich mit der Schere den Handrücken aufgeschnitten.“ Er verfiel in schallendes Gelächter. „Tja, Ende vom Lied. Die beiden begegnen sich vermutlich erneut. Vielleicht passiert diesmal dann etwas Spanndenderes, ahahHAHAAHA!“

Tag 25: Die Erzähler

„Hey, Clara, erinnerst du dich noch an Larkin?“ „Larkin Bailey?“ „Ja, genau die.“ „Hach, sie war so ein süßes Mädchen. Wir haben sie alle geliebt, auch die anderen Kinder, und das, obwohl sie so ruhig und schüchtern war. Und die Geschichten, die sie immer erzählt hat… Sie hatte so viel Fantasie!“ Clara lacht und versinkt in der Erinnerung. „Ein Verlag hat uns ihr Buch geschickt! Aber… Oh nein!“ Tränen schießen in Emmas Augen. „Was ist denn?“ „Sie ist vor ein paar Wochen bei einem Unfall gestorben. Hinten im Buch ist eine Art Brief von ihrem Freund, Raven heißt der. Er dankt Larkin dafür, dass sie das Gute in ihm erkannt hat und hofft, dass sie in seiner Welt glücklich wird. Was soll das denn bitte heißen? Aber er trauert um seine Freundin, da ist sowas wohl normal… Schön, dass er es geschafft hat, ihr Buch zu veröffentlichen. Ich kann immer noch nicht glauben, dass sie tot ist! Mein kleines Mädchen…“ Wieder beginnt Emma zu schluchzen, bis Clara sie in ihre Arme nimmt.

Tag 25: Die Erzähler

„Hah! das weis ich noch. Dieser Junge da“ er wandte sich seinen Mixturen zu. „Wie hiess der noch gleich? Ach ja, Noah. Ja der ist ein ganz besonderer Bursche. nicht ganz normal wenn man mich fragt“ der Erfinder räusperte sich und lächelte verschwörerisch. „Er ist nicht dumm oder so. Er hat eine Gabe, die es so eigentlich nicht geben kann. Fragen sie mich nicht welche. Er lässt sie mich ja nicht untersuchen. Obwohl. Einmal konnte ich ihm unbemerkt etwas Blut abzwacken und was ich da entdeckt…“ er machte ein Pause und wandte sich seinem Reagenzglas zu in dem es gefährlich brodelte. „Ja sehen sie nur wie schön es blubbert“ er hielt inne und lachte in sich hinein. „Ach so, ja der Junge. Noah. Welch passender Name irgendwie. Ein seltsamer Bursche. Und sein Blut erst“. Der Forscher wandte sich um und lies den Blick suchend durch den Raum gleiten. „wo ist es nur? Ach da“ er griff nach einer langen Pipette. „Noah.“ murmelte er leise vor sich hin. „Ein sehr gefährlicher Junge, jawohl“

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